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Olpe, Olpe-Sondern, 19. November 2015

"Das Schmiermittel für andere Förderungen"

Informationen über LEADER

Dr. Peter Liese (MdEP) bei einer Informationsveranstaltung zur neuen Leader-Förderperiode.
Dr. Peter Liese (MdEP) bei einer Informationsveranstaltung zur neuen Leader-Förderperiode.
Fotos: Katja Fünfsinn
Dr. Peter Liese (MdEP) veranstaltete in Anteks Scheune in Sondern einen Informationsabend zur neuen Leader-Förderperiode. Die Referenten stellten wichtige Neuerungen vor, gaben hilfreiche Tipps zum Umgang mit der Förderung und berichteten aus eigenen Erfahrungen.

Es ist keine neue Nachricht, aber durchaus nach wie vor ein Grund zur Freude: Die vier Kommunen Attendorn, Drolshagen, Olpe und Wenden haben sich als Region „BiggeLand – Echt.Zukunft.“ erfolgreich als LEADER-Region für die aktuelle Periode beworben. Genau wie elf weitere Regionen in Südwestfalen werden ihre Projekte bis 2020 mit Fördermitteln bedacht. Dr. Peter Liese (MdEP) veranstaltete am Mittwochabend, 18. November, einen Informationsabend zum Thema "LEADER in Südwestfalen". Jochen Ritter, CDU-Stadtverbandsvorsitzender Olpe, hatte die Zuschauer in Anteks Scheune in Sondern begrüßt.
Dr. Peter Liese erinnerte in seiner Einführung, dass in der vergangenen LEADER-Periode (2007 bis 2013) nur zwei Regionen in Südwestfalen unterstützt worden waren. Auch er habe sich im Europäischen Parlament für eine Aufstockung des Programmes eingesetzt. Im Vorfeld der Verlängerung zur aktuellen Periode 2014 bis 2020 habe er dann aber doch etwas Bauchschmerzen gehabt. „Denn es hatte sich quasi ganz Südwestfalen als LEADER-Region beworben.“ Er habe damit gerechnet, dass es zu den bestehenden zwei Regionen höchstens drei weitere in das Programm schaffen würden. "Pfiffige Südwestfalen" Der 21. Mai 2015 zeigte dann etwas ganz anderes: Das Landesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz gab die Unterstützung für elf LEADER-Regionen in Südwestfalen bekannt. „Das liegt sicherlich daran, dass die Anträge so gut begründet waren. Bei meiner etwas pessimistischen Einstellung habe ich einfach nicht die Rechnung mit den pfiffigen Südwestfalen gemacht.“ Weitere 28 Millionen Euro würden nun in die Region fließen. Da diese aber über Jahre verteilt werden, müsse man realistisch sein. „Autobahnen können wir davon nicht bauen.“ Medizinische Versorgung und demografischer Wandel Wichtige Fragen seien nun, welche Projekte grundsätzlich gefördert würden und wie die Prozesse optimal gestaltet und überzogene Erwartungen gedämpft werden könnten. Aktuelle Themen seien in allen Regionen sicherlich die medizinische Versorgung und der demografische Wandel, fasste Liese zusammen. Auch hier könnten LEADER-Fördermittel genutzt werden, um Veränderungen herbeizuführen. Ein Problem sei momentan, dass die Landesregierung bisher noch nicht die notwendigen Bestimmungen erlassen habe, damit die ersten konkreten Projekte umgesetzt werden können. Richtlinien als Weihnachtsgeschenk Ferdinand Aßhoff, Dezernent der Bezirksregierung Arnsberg und Ansprechpartner für LEADER 2014 bis 2020, betonte in seinem Beitrag ebenfalls: „Ich bin auch nicht glücklich, dass Sie nicht arbeiten können.“ Er hoffe, dass die fehlenden Richtlinien noch als Weihnachtsgeschenk erlassen werden. Noch etwas war ihm sehr wichtig: Die LEADER-Projekte lebten vom bürgerlichen Engagement - die Bezirksregierung könne nur das Geld verteilen und unterstützen.
Sehr wichtig sei, dass die Regionen, Kommunen und Bürger zusammenarbeiten würden. „Nicht jeder muss in seinem Dorf alles haben, man kann sich auch mit den Nachbarn ergänzen und Angebote gemeinsam nutzen“, resümierte Aßhoff. Er appellierte an die Gäste, sich über Fördermöglichkeiten zu informieren. Seit zehn Jahren habe nicht mehr so viel Geld zur Verfügung gestanden. LEADER sei dabei als „Ergänzung zur Klaviatur der möglichen Förderung“ zu sehen. "Schmiermittel für andere Förderungen" Das betonte auch Andreas Pletziger, Dezernent der Bezirksregierung Arnsberg und Ansprechpartner für LEADER 2014-2020. „LEADER ist das Schmiermittel für andere Förderungen.“ Die Bezirksregierung könne beispielsweise Zuschüsse im Städtebau und der Dorfentwicklung erteilen. Die Menschen vor Ort müssten sich fragen, wo in ihren Dörfern und Gemeinden die Probleme sind. Danach könne gemeinsam mit Arnsberg nach dem besten Konzept gesucht werden. Veränderungen in aktueller Laufzeit Das LEADER-Projekt habe sich in der aktuellen Laufzeit verändert: Mit einem Baukasten sollen mehrere Förderansätze unter einem Gesamtkonzept vorgestellt werden. Außerdem wurden Pauschalen für die Bezahlung von Fachkräften eingeführt. Eine weitere Änderung liegt derzeit zur Prüfung beim Landesrechnungshof: Bisher konnten nur Aufträge für unter 500 Euro direkt vergeben werden, ohne dass drei bis vier Angebote eingeholt werden mussten. Diese Grenze soll auf 2500 Euro für Privatpersonen und auf 100 000 Euro für Städte und Gemeinden angehoben werden. Am Ende seines Vortrages unterstrich Pletziger: „LEADER ist eines der besten Förderprogramme, weil ehrenamtliches Engagement unterstützt werden kann.“ Langwierig aber auch flexibel Im Anschluss referierten Martin Michalzik (Bürgermeister der Gemeinde Wickede), Thomas Grosche, Bürgermeister von Medebach, und Stefan Pletziger, Regionalmanager einer LEADER-Region, über ihre Erfahrungen mit dem Programm. Dabei wurde deutlich, dass die Umsetzung des LEADER-Programmes zum Teil langwierig und kompliziert ist, dafür aber auch eine große Flexibilität vor Ort mit sich bringt.
Was ist LEADER?
LEADER ist ein Programm der Europäischen Union zur Unterstützung des ländlichen Raumes. Insbesondere Projekte in Dörfern werden unterstützt. Damit LEADER-Mittel fließen können, muss mindestens ein Kriterium eines Katalogs erfüllt sein. Für die LEADER-Regionen in Südwestfalen trifft vor allem eine Voraussetzung zu: Gefördert werden demnach Projekte zur sozialen Eingliederung der Bekämpfung, der Armut und der wirtschaftlichen Entwicklungen in den ländlichen Gebieten. Dabei setzt das Programm vor allem auf das Bottom-up-Prinzip: Die Ideen sollen aus der Bevölkerung kommen und dann nach oben getragen werden.
Ein Artikel von Katja Fünfsinn

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