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Olpe, 10. Mai 2019

Wandergesellin Linda arbeitet derzeit in Rhode

„Goldfisch aus dem Norden“ seit dreieinhalb Jahren auf Wanderschaft

Goldschmiedegesellin Linda ist seit dreieinhalb Jahren auf Wanderschaft.
Goldschmiedegesellin Linda ist seit dreieinhalb Jahren auf Wanderschaft.
Foto: Wolfgang Schneider
Rhode. „Ich bin der Goldfisch aus dem Norden“, stellt sich Linda Müller mit einem Grinsen im Gesicht vor. Und schiebt hinterher: „Ich bin Linda, fremde freie Goldschmiedin. Lass das Müller weg.“ Denn der Nachname tut bei Wandergesellen nichts nur Sache. „Seinen Nachnamen legt man auf der Wanderschaft ab“, klärt sie mich auf. Linda macht seit Mittwoch, 9. Mai, Zwischenstation in Rhode. Dort hat sie Arbeit in der Werkstatt von Gold- und Silberschmiedemeisterin Ursula von Sobbe-Bitzer gefunden.

Linda ist ein Nordlicht und stammt aus der schleswig-holsteinischen Kreisstadt Schleswig. Dort kletterte sie im November 2015 über das Ortsschild – so ist es Brauch beim Start der Wanderjahre – und begann ihre Walz. Seitdem darf sie ihrem Heimatort nicht näher als 50 Kilometer kommen. Das ist eine der vielen Regeln, denen sich die wandernden Handwerksgesellen unterwerfen müssen.
Linda zeigt den 50-Kilometer-Sperrbezirk rund um ihren Heimatort Schleswig.
Über 800 Jahre gibt es die Tradition der Wanderjahre schon, auch wenn man inzwischen nur noch ganz wenige Wandergesellen trifft. Das liegt sicherlich auch an den Regeln, denn nicht jeder Handwerker kann einfach losziehen.

„Man darf nur auf Wanderschaft gehen, wenn man die Gesellenprüfung bestanden hat, ledig, kinderlos, unbescholten und schuldenfrei ist“, erklärt Linda. Bei ihr reifte der Gedanke kurz vor dem 30. Geburtstag, nachdem ihre damalige Beziehung zu Ende gegangen war. Loch ins Ohr genagelt Und dieser Gedanke wurde schließlich im November 2015 in die Tat umgesetzt. Zwei, drei Monate wurde sie von einem erfahrenen Altgesellen betreut. „Der hat mir dann auch das Loch ins linke Ohr genagelt“, erinnert sie sich an eine weitere Tradition. Das war kurz und schmerzlos: Kopf schräg gehalten, Ohrläppchen auf ein Holzbrett gelegt, Nagel angesetzt und mit dem Hammer drauf. Traditionen können schon mal ziemlich merkwürdig sein.
Linda bei der Arbeit in der Werkstatt in Rhode.
„Die Wanderschaft soll mindestens so lang sein wie die Lehre. Deshalb muss man mindestens drei Jahre und einen Tag unterwegs sein“, erklärt die sympathische junge Frau. Diese Hürde hat die Goldschmiedegesellin bereits genommen, denn sie ist nun schon dreieinhalb Jahre auf Walz.

Kreuz und quer durch Deutschland ist sie dabei gekommen, hat Station in Dänemark, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, in Belgien und Spanien gemacht. Die Nordsee-Anrainerstaaten, also die an der Nordsee anliegenden Länder, und die Bodensee-Region haben es ihr besonders angetan. Warum? „Ich liebe einfach das Wasser.“

Wirklich schlechte Erfahrungen hat Linda während der ganzen Zeit nicht gemacht. „Ich bin zwar manchmal bei Regen durch die Nacht gelaufen, weil ich keine Unterkunft hatte. Ich habe in Scheunen oder den Vorhallen von Banken und Geschäften geschlafen. Aber ich bin zum Glück noch nie angegriffen oder beraubt worden.“

In dreieinhalb Jahren hat sie viel erlebt und zahlreiche Bekanntschaften gemacht. „Ich habe einige sehr nette Leute getroffen, die mir die Gegend gezeigt oder eine Unterkunft gegeben haben.“
Die Autogrammkarte erinnert an das Treffen mit Markus Maria Profitlich.
Ein ganz besonderes Erlebnis war die zufällige Begegnung mit Schauspieler und Komiker Markus Maria Profitlich. „Den habe ich in der Nähe von Braunschweig getroffen und erst gar nicht erkannt. Der war unheimlich nett und hat mich zu einem Auftritt in den VIP-Bereich eingeladen und danach auch noch zum Essen“, schwärmt Linda. Eine Autogrammkarte des Künstlers hat sie in ihr Wanderbuch geklebt. „Wir sind immer noch in Kontakt.“

Apropos Wanderbuch. Das gehört zu einem Gesellen auf Wanderschaft genauso dazu wie die Handwerkskluft und die „Rolle“ – eine Tasche für Ersatzkleidung, Schlafsack, Werkzeug und persönliche Utensilien. Im Wanderbuch hat Linda alle Stationen dokumentiert.

„In den nächsten Tagen will ich auch noch zum Olper Bürgermeister, um mir den Stadtstempel ins Wanderbuch machen zu lassen und vielleicht etwas Wegegeld zu bekommen“, erzählt sie.
 
Mit fünf Euro beginnen und enden die Wanderjahre.
Denn Geld ist während der Walz so eine Sache. Mit fünf Euro ist sie losgezogen – so schreibt es die Regel vor. Der Schein klebt als Hemd gefaltet in ihrem Reisebuch, mit dem Kommentar „Das letzte Hemd“. Für Fahrten und Unterkunft dürfen die Wandergesellen nichts ausgeben, also wird getrampt oder eine kostenlose Mitfahrgelegenheit gesucht.

Auch ein eigenes Smartphone ist verboten. „Aber Handys von den Meistern, bei denen ich arbeite, darf ich schon mal benutzen. Und sonst gehe ich in ein Internet-Café, wenn ich meine Route plane und eine neue Arbeitsstelle suche“, erzählt Linda.

Zumindest bis Ende Mai will sie bei Ursula von Sobbe-Bitzer in Rhode arbeiten, vielleicht auch noch im Juni. „Dann werde ich einige Kameraden auf ihrer Wanderschaft nach Hause begleiten und danach zur Sommerbaustelle. Das ist ein gemeinnütziges Projekt, das Wandergesellen jedes Jahr verwirklichen“, schildert die 33-Jährige ihre weiteren Pläne. Wie lange sie selbst noch auf der Walz sein will, frage ich Linda. „Auf jeden Fall noch dieses Jahr. Und vielleicht auch noch bis Mitte 2020. So vier, fünf Jahre habe ich mir schon vorgestellt. Ich muss noch einige Schnacks einhalten, bevor ich aufhören kann.“ Schnacks, das sind Versprechen, die sie gegeben hat. Es wird also noch dauern, bis der „Goldfisch aus dem Norden“ wieder nach Schleswig zurückkehren wird.
Ein Artikel von Wolfgang Schneider

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