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Olpe, 06.09.2015

Eine Woche vor der Wahl: Die Kandidaten im LokalPlus-Interview

Bürgermeisterwahl in Olpe

Von links: Andreas Molter (UCW-Kandidat), Peter Weber (CDU-Kandidat), Wolfgang Wigger (SPD-Kandidat)
Von links: Andreas Molter (UCW-Kandidat), Peter Weber (CDU-Kandidat), Wolfgang Wigger (SPD-Kandidat)

Steckbriefe der Kandidaten
Andreas Molter (UCW-Kandidat) ist Sozialversicherungsfachangestellter bei der DAK. Als Ressortleiter Finanzen/Geschäftsführung ist er beim TuS Rhode aktiv. Politisch ist er Stadtverordneter der UCW. Molter (Jahrgang 1967) ist verheiratet, hat eine Tochter und lebt in Rhode.

Hobbys: Fußball, Joggen, Radfahren, Tischtennis

Haustiere: keine

Top 3 der Lieblingsfilme: Das Boot / Es war einmal in Amerika / Papillon

Musikgeschmack: bin ein Kind der 80er + Rock & Pop
Peter Weber (CDU-Kandidat) arbeitet als Geschäftsleiter beim Amtsgericht Siegen. Weber (Jahrgang 1968) engagiert sich als Fraktionsvorsitzender der CDU im Rat der Stadt Olpe. Der zweifache Familienvater ist verheiratet wohnt in Neuenkleusheim.

Hobbys: Tubist im Musikverein Neuenkleusheim, Sport

Haustiere: 2 Zwergkaninchen

Top 3 der Lieblingsfilme: Forrest Gump, Das Boot, Das Leben der Anderen

Musikgeschmack: breit gefächert, von symphonischer Musik bis Rock
Wolfgang Wigger (SPD-Kandidat) ist selbstständiger Unternehmer und seit mehr als 35 Jahren Mitglied der freiwilligen Feuerwehr Olpe, Poschebruder am Gallenberg, Mitglied im Verein Miteinander Olpe, Mitglied im Schützenverein Olpe (4 Korporalschaft). Wigger (Jahrgang 1967) wohnt in der Kortemicke.

Hobby: Feuerwehr

Haustiere: Zwerghasen

Lieblingsfilme: Herr der Ringe, Fuck you Göthe, Der Hunderjährige der aus dem Fenster sprang

Musikgeschmack: Vielseitig
1.Laut Bertelsmann-Stiftung wird der Kreis Olpe bis 2030 rund 12.000 Einwohner verlieren. Welche Maßnahmen werden Sie in Ihrer Amtszeit gegen diesen Trend ergreifen?
Molter: Diesen Trend gilt es zu stoppen bzw. erst gar nicht beginnen zu lassen. Vielfältige Faktoren tragen dazu bei, dass die Menschen in Olpe bleiben und nach Olpe kommen. Wir müssen die Angebote für Bildung, Kultur und Freizeit ausbauen und zum Anderen attraktiv für junge Familien und Fachkräfte sein.
Weber: Die Stadt Olpe muss attraktiv gestaltet werden, damit Menschen gerne hier leben und arbeiten. Die Ansiedlung weiterer Unternehmen, das Schulangebot auf hohem Niveau, die Versorgung mit schnellem Internet und die Entwicklung des Stadtkerns werden in den nächsten Jahren die wichtigsten Aufgaben sein.
Wigger: Die Attraktivität der Kreist Olpe muss gehalten, bzw. mit Augenmaß ausgebaut werden. Für mich ist deswegen vorrangig das Thema Uni-Teilstandort Olpe in Angriff zu nehmen, wir dürfen nicht weiter zu sehen, wie junge Menschen Olpe den Rücken kehren, weil sie zum Studieren in die großen Städte müssen. Es müssen Studiengänge, abgestimmt auf die heimische Wirtschaft angeboten werden.
2.Flüchtlinge könnten den demografischen Wandel abfedern. Wie wollen Sie dieses Potenzial nutzen? Welche anderen Chancen ergeben sich durch den Zuzug für die Kommune?
Molter: Wir müssen die Flüchtlinge beim Erlernen der Sprache unterstützen, sie an die Arbeitswelt heranführen und ausbilden. Außerdem müssen wir mehr informieren im Bezug auf Zuwanderung. Qualifizierte Zuwanderung ist für uns und die heimischen Unternehmen wichtig.
Weber: Die gute ehrenamtliche Betreuung der Flüchtlinge und Asylbewerber muss durch hauptberufliche Betreuer besser unterstützt werden. Die Hilfe zum Erlernen der deutschen Sprache ist zunächst die wichtigste Aufgabe. In Partnerschaft mit IHK, Handwerkskammer und Arbeitsagentur gilt es, die Kompetenzen der Flüchtlinge zu erkennen und sie möglichst schnell in Ausbildung und Beruf zu vermitteln.
Wigger: Die Flüchtlinge bleiben nur kurze Zeit in Olpe, d.h. wenn wir sie als Fachkräfte zurückholen wollen, müssen wir nicht nur Arbeitsplätze vorhalten, auch Wohnraum müssen wir zu Verfügung stellen. Man sollte sich bei dem Thema demographischer Wandel auf breite Füße stellen und auch als Chance sehen gemeinsam mit Jung und Alt dem Wandel entgegenzutreten.
3.Wie gehen Sie mit weiterem Zuzug von Asylsuchenden um? Wo wollen Sie die Menschen unterbringen? Wie viel Hilfe kann die Kommune noch stemmen?
Molter: Die Integration von Flüchtlingen muss im Mittelpunkt stehen. Hier ist allerdings eine stärkere Unterstützung der Landes-und Bundespolitik einzufordern. Wohnraum steht nicht unbegrenzt zur Verfügung und muss einen gewissen Standart haben. Zelte sind bei unserem Winter sicher keine Lösung.
Weber: Der Stadt Olpe werden aufgrund der ZUE aktuell keine neuen Asylsuchenden zugewiesen. Diese Zeit muss für die Sanierung der vorhandenen Gebäude genutzt werden. Auch der Erwerb weiterer geeigneter Immobilien muss jetzt geprüft werden. Die Unterbringung in Containern sollte nur eine Notlösung sein.
Wigger: Neben dem REBOLA haben wir in Olpe noch weitere Unterbringungsmöglichkeiten, die jedoch erst einmal menschenwürdig hergerichtet werden müssen. Hier haben wir als SPD einen entsprechenden Antrag für den nächsten Sitzungsblock eingereicht. Aber die Kommunen kommen an ihre Leistungsgrenze, die Bundesmittel für die Kommunen müssen schnell aufgestockt werden.
4.Die heimischen Unternehmen sind Weltmarktführer, die langsamen Internetanbindungen sind jedoch ein potentieller Wettbewerbsnachteil. Auch die meisten Privatpersonen klagen über langsame Leitungen. Wie wollen Sie konkret für schnelles Internet sorgen?
Molter: Dies geht nur in Zusammenarbeit mit den Anbietern. Deren wirtschaftliche Interessen müssen wir mit dem, was wir brauchen und fordern in Einklang bringen. Unsere heimische Industrie ist gut aufgestellt und darf durch diese Rahmenbedingungen nicht ins Hintertreffen geraten. Auch der Bürger hat ein Anrecht auf schnelle Datenverbindung. Letztendlich profitieren dann beide Seiten.
Weber: Die Versorgung des gesamten Stadtgebiets mit schnellem Internet ist die wichtigste Infrastrukturmaßnahme. Mit der Telekom gilt es kurzfristig einen verbindlichen Zeitplan für die Anbindung festzulegen. Die von EU, Bund und Land zur Verfügung gestellten Investitionshilfen würde ich für den Ausbau des DSL-Netzes in der Stadt und den Dörfern einsetzen. So kann die Versorgung zügig realisiert werden.
Wigger: Wir haben ja bereits die politischen Beschlüsse zum Breitbandausbau gefasst, jedoch müssen wir das ganze Thema schneller vorantreiben, wir können uns keine weiteren Verzögerungen leisten.
5.Thema Fachkräftemangel: Wie gelingt es, Fachpersonal in den Kreis zu holen und hier zu halten?
Molter: Es muss uns gelingen, die Attraktivität des Standortes Olpe zu steigern. Damit meine ich insbesondere die Angebote in Bildung, Kultur und Freizeit und Schaffung bzw. Bereitstellung von Wohnraum.
Weber: Es gilt, die Vorzüge der Stadt Olpe und der Region für qualifizierte Fachkräfte weiter zu steigern und diese werbewirksam darzustellen. Eine wichtige Rolle bei der Wohnsitzwahl spielt die Familie. Das Angebot an Wohnraum und Bauland soll bezahlbar bleiben. Die hohe Qualität unserer Schullandschaft müssen wir ebenso erhalten wie das Kulturprogramm. Der gut aufgestellte Einzelhandel ist zu unterstützen. Um die Rückkehr junger Menschen, die in Olpe aufgewachsen sind, sollten wir aktiv werben.
Wigger: In dem wir unsere Region weiter bekannt machen, deutlich machen, dass wir eine der stärksten Wirtschaftsregionen in Deutschland sind. Wir müssen mit unserer Attraktivität werben: Hier Arbeiten wo andere Urlaub machen!
6.Die Kommunen unterliegen dem Sparzwang, müssen aber angesichts des demografischen Wandels ihre Attraktivität steigern. Wie wollen Sie das schaffen?
Molter: In dem wir konsequent auch Förderangebote nutzen. Unter dem Begriff "Quartiersentwicklung" gibt es beim Ministerium des Landes NRW Förderprogramme. Das Landesbüro innovative Wohnformen unterstützt dabei mit Beratungsstellen und hilft Projekte im Bereich "Wohnen im Alter" umzusetzen. Ziel sollte es sein, dass die Menschen jeden Alters ihr Leben selbstbestimmt und aktiv gestalten können.
Weber: Ein ausgeglichener Haushalt für die Stadt Olpe ist das Ziel, so wie in den Jahren 2011, 2012 und 2013. Um die Attraktivität nicht zu gefährden können große Sparmaßnahmen nicht erfolgen. Wir können aber unsere Einnahmen in den nächsten Jahren deutlich steigern, in dem sich neue und starke Unternehmen in Olpe ansiedeln. Die kluge Vermarktung von Hüppcherhammer hat daher oberste Priorität.
Wigger: Dem demographischen Wandel entgegenzutreten, bedeutet nicht gleichzeitig, viel Geld in die Hand zunehmen. Wir sollten das Ganze auch als Chance sehen und die Bürgerinnen und Bürger bei der Bewältigung der Aufgaben mit ins Boot holen.
7.Was glauben Sie? Werden Sie als Bürgermeister Schulden verwalten statt Zukunft aktiv zu gestalten? Was motiviert Sie, Bürgermeister zu werden?
Molter: Es muss eine konsequente Überprüfung der Einnnahmen und Ausgaben mit dem Ziel der Optimierung geben. Ein ausgeglichener Haushalt íst das erste Ziel. Ich habe durch meine jahrelange Tätigkeit im Ehrenamt festgestellt, was durch Tatkraft und Einsatz alles zu erreichen ist.
Weber: Ich gehe davon aus, dass wir in der Stadt Olpe auch weiterhin die Zukunft aktiv gestalten können und den Schuldenstand kontinuierlich reduzieren können. Die Möglichkeit, an der Entwicklung meiner Heimatstadt aktiv mitarbeiten zu können, motiviert mich für das Bürgermeisteramt zu kandidieren.
Wigger: Vorrangig ist es, einen ausgeglichenen Haushalt auf den Weg zu bringen. Deswegen bin ich z.B. auch gegen einen Rathausneubau, dieser würde uns in die Schuldenfalle treiben, mit dem Ergebnis, die Bürger unserer Stadt müssen für einen solchen Wahnsinn zahlen. Meine Motivation Bürgermeister zu werden: Ich glaube, dass ich meiner Heimatstadt als Bürgermeister viel zurückgeben kann, und Olpe nach vorne bringen kann. Das ist pure Motivation.
8.Nur bei Gewinnspielen und im Anschluss an die Amtszeit als Bürgermeister gibt es sie: die „lebenslange Sofort-Rente“. Was halten Sie davon, dass diese nun abgeschafft werden könnte? Verliert der Job des Bürgermeisters damit für Sie an Reiz?
Molter: Meine Entscheidung, als Bürgermeister zu kandidieren, war in keinster Weise von finanziellen Aspekten bestimmt, sondern dem Wunsch zu gestalten und aktiv Einfluss auf die Entwicklung zu nehmen.
Weber: Eine gewisse Sicherheit für die Zeit nach dem Amt muss es geben, über Dauer und Höhe sollte man sich Gedanken machen. Dadurch verliert das Amt für mich aber nichts von seinem Reiz.
Wigger: Wenn man nur wegen seiner finanziellen Absicherung Bürgermeister werden will, wird man an seinem Amt scheitern. Das werden die Menschen schnell durchschauen und auch bestrafen.
9.„Es ist doch egal, wer Bürgermeister ist. Es ändert sich doch eh nichts.“ Was antworten Sie Menschen, die so etwas sagen? Womit motivieren Sie die Menschen, wählen zu gehen?
Molter: Es besteht nach langen Jahren die Chance einen Wandel in der Politik und im Umgang mit den Bürgern herbeizuführen. Das hohe Gut des Wahlrechtes sollte daher genutzt werden. Man muss darauf hinweisen, dass nur mitgestalten kann, wer sich beteiligt.
Weber: Der Kontakt zwischen Bürgern und Politik ist nirgendwo so groß wie in der Kommune. Auch der Einfluss der Bürger auf die Entscheidungen ist hier besonders groß. Daher lohnt sich politisches Engagement und es lohnt sich, zur Wahl zu gehen.
Wigger: Mit mir endet der CDU-Filz in Olpe. Ich stehe für Transparenz und Bürgernähe und will gemeinsam gestalten.
10.In Kurzform: Warum sollten die Bürger am 13. September Sie wählen?
Molter: Ich verfolge keine parteipolitischen Ziele und sehe den Bürger im Mittelpunkt.
Weber: Weil ich Erfahrung in Politik und Verwaltung habe und mir Olpe am Herzen liegt.
Wigger: Ich bin einer von ihnen, mit mir zieht Herz und Verstand in das Rathaus ein.
11.Thema Windenergie: Wo und in welchem Umfang sollen Flächen für Windräder geschaffen werden?
Molter: Es bleibt abzuwarten, ob und wieviele Windräder es tatsächlich geben wird. Hier gilt es alle Aspekte kritisch zu würdigen, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Gesundheit der Bürger und des für unsere Heimat wichtigen Tourismus. Andere Länder sehen das mittlerweile sehr viel kritischer als wir.
Weber: Die vom Land geforderten Windkraftflächen auf dem Stadtgebiet Olpe sind viel zu groß. Um eine Verspargelung der Landschaft zu verhindern, müssen wir Vorrangszonen ausweisen. Dabei muss die Auswahl der Zonen einer gerichtlichen Prüfung standhalten. Der Schutz des Menschen steht an erster Stelle. Windräder sollen möglichst weit entfernt von der Bebauung entstehen, um keine Belastung darzustellen.
Wigger: Die Flächen für Windkraft müssen genau ausgesucht werden, ich bin gegen eine Verspagelung unserer schönen Landschaft.
12.Das Parken in der Innenstadt kostet – viele Einzelhändler befürchten, dass dadurch weniger Kunden kommen. Wie stehen Sie dazu? Werden Sie an den Gebühren festhalten?
Molter: Es gibt auch Stimmen, die sagen, dass durch die Einführung der Parkgebühren die Dauerparker vor den Geschäften verschwunden sind und es somit wechselnde Kundschaft gibt. Man muss sich überlegen, ob man der Allgemeinheit die Kosten aufbürdet oder das Verursacherprinzip gilt? Zudem ist das keine Entscheidung des Bürgermeisters sondern des Stadtrates.
Weber: Durch die Parkgebühren wird der Parkverkehr in der Stadt gesteuert. Seit der Einführung der Parkgebühren findet man in der Innenstadt wieder deutlich besser einen Parkplatz. Dies kommt auch dem Einzelhandel zugute. Die Abschaffung der Parkgebühren wäre ein Schritt zurück. Ob Verbesserung bei den Gebührenregelungen der Dauerparkplätzen notwendig sind, muss nach einer gewissen Zeit geprüft werden.
Wigger: Ich stehe für eine Abschaffung der Parkraumbewirtschaftung. Ich will wieder hin zum Alleinstellungsmerkmal „Kostenloses Parken“ in Olpe.
13.Wird es mit Ihnen als Bürgermeister einen Rathaus-Neubau geben? Welche Alternativen sehen Sie?
Molter: Hier sollte erst der von der UCW bereits im Kommunalwahlkampf angeregte Ideenwettbewerb abgewartet werden. Wichtig ist, dass dieser ergebnisoffen gestaltet wird. Sollte dieser ergeben, dass ein neues Rathaus die sinnvollste Lösung ist, würde ich dies unterstützen. Ein zukünftiges Rathaus wäre unter Einbeziehung aller Aspekte und Beschränkung auf das Notwendige nachhaltig finanziert zu planen.
Weber: Für einen Neubau wie für eine Sanierung müssen wir viel Geld ausgeben. Ein Neubau im Bahnhofsumfeld bietet große Chancen für Olpe. Wir können bestehende Gebäude mit einbeziehen. Aus städtebaulicher Sicht ist der Abriss des Rathauses sinnvoll. Mit Blick auf die Energiekosten ist der Neubau die wirtschaftlichere Variante, da das sanierungsbedürftige Rathaus zu groß ist. Daher bin ich für den Neubau.
Wigger: Mit mir wird es keinen Rathausneubau geben! Alternativen sind Bestandsgebäude für eine Nutzung prüfen.
(LP)

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