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Lennestadt, Lennestadt-Elspe, 27. Mai 2015

Elspe Festival öffnet übers Pfingstwochenende die Pforten

Wie im Wilden Westen

Wie im Wilden Westen
Fotos: Matthias Clever
Kreischende Adler, heftige Explosionen und derbe Schlägereien – das Elspe Festival öffnete am Pfingstwochenende zwei Tage lang seine Pforten für die „Trapper Days“. Tausende Besucher strömten auf das Gelände, um einen Blick hinter die Kulisse der Karl-May-Festspiele zu werfen oder eine Show zu sehen.

Stephan Kieper reißt seinen rechten Arm hoch. Die Finger des bärtigen Mannes mit der Lederweste sind um den Hals einer leeren Bierflasche geschlungen. Der Boden der Pulle ragt in den Himmel. „Jetzt gibt’s einen.“ Die Faust schnellt nach unten. Zack. Das Glas zerbricht auf dem Kopf des Mädchens, das mit dem Rücken zum Mann steht. „Wenn das eine richtige Flasche wäre, dann würdest du nicht mehr stehen. Wir verwenden bei unseren Stunts immer sogenanntes Crash-Glas. Das bricht achtmal schneller als normales Glas und ist in Wirklichkeit ein Kunststoff“, sagt Stephan Kieper, der auf der Freilichtbühne des Elspe Festivals steht. Kieper ist Chefpyrotechniker und für alles verantwortlich, was mit Action und Explosionen zu tun hat.
Handfeste Schlägereien waren zu sehen.
Stephan Kieper moderierte die Veranstaltung.
Immer wieder bindet er das Publikum mit ein. Verrät, wie sich die Schauspieler der Karl-May-Festspiele spektakulär schlagen, ohne sich zu verletzen und wieso Gläser nach einem Platzpatronen-Schuss mit Winnetous Silberbüchse dennoch in hunderte Teile zerplatzen. „Wir haben in der Hütte einen Techniker, der zwei kleine Sprengkapseln, die unter dem Glas montiert sind, zündet.“ Schauspieler brennen im wahrsten Sinne für Spiele Das ist aber nicht das Einzige, was der Techniker in Elspe strengt. Bei einem anderen Programmpunkt explodiert gleich eine ganze Hütte. Ein lauter Knall, eine hohe Stichflamme und viel Rauch lassen die vielen Besucher der Demonstrationsshow zusammenzucken. Kieper erklärt, wie wichtig es bei solchen Feuereffekten ist, dass sich alle Mitarbeiter penibel an den festgelegten Plan halten. Durch verschiedene Sicherheitsmaßnahmen sei es selbst für die Stuntleute, die im wahrsten Sinne für die Show brennen, völlig ungefährlich. Eine Million Euro in Überdachung investiert Tierisch wird es, als zehn der insgesamt 40 Pferde, die in die Spiele eingebunden sind, mit ihren Reitern auf die Bühne preschen. Während die Schauspieler bei Wind und Wetter auf der Bühne unter freiem Himmel spielen, sitzen die Zuschauer überdacht. Mehr als 4000 Sitze befinden sich unter dem neu montierten Dach. Das Elspe Festival hat nach 36 Jahren die Überdachung austauschen lassen. „Direkt nach der Spielzeit im vergangenen Jahr ist mit den Arbeiten begonnen worden“, sagt Stephan Kieper im Gespräch mit LokalPlus, der ab Sommer in die humorvolle Rolle des Sam Hawkens in „Der Schatz im Silbersee“ schlüpft. Eine Dachfläche von 2500 Quadratmetern und 300 Meter verbaute Stahlseile sind nur einige der Fakten rund ums neue Dach, das rund eine Million Euro kostete. 18 Meter hoher Wasserfall Apropos Dimensionen: Der höchste künstliche Wasserfall weit und breit steht auf der Elsper Bühne. 70.000 Liter Wasser schießen von dem 18 Meter hohen Bau hinab. Durch ein Becken-Pump-System wird das Wasser wieder nach oben befördert. Nach dieser imposanten Vorführung haben die Zuschauer die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.
Trainiert die Greifvögel: Maike Schmidt.

In der Elspe-Festival-Halle zeigen die Angestellten, wie brandneue Licht- und Projektionstechnik funktioniert und zusammen mit Musik und Darstellern in Szene gesetzt wird. Neben Bummeln übers Festival-Gelände, ist auch eine Besichtigung der Pferdeställe möglich. Außerdem zeigt das Falkner-Team um Maike Schmidt von der Greifvogelstation Hellenthal in der Open-Air-Arena, wie Adler, Bussarde und andere Greifvögel trainiert werden.
Die Spielzeiten und das Stück
- „Der Schatz im Silbersee“ ist vom 20. Juni bis zum 6. September in Elspe zu sehen.

- Zum Stück: Lange herrschte Frieden zwischen den Weißen und den Utah-Kriegern. Doch eines Tages dringt eine Bande weißer Tramps in das Gebiet am Colorado-River ein. Sie sind auf der Suche nach dem legendären Schatz im Silbersee. Morde an Indianern und Weißen kennzeichnen ihren Weg. Der Große Wolf, der Häuptling der Utahs, führt seinen Stamm in einen erbitterten Kampf gegen alle Weißen. Selbst Winnetou und Old Shatterhand werden beinahe Opfer seiner furchtbaren Rache. Hoch oben in den Bergen am Silbersee fällt die Entscheidung.

- Zeiten: Das Rahmenprogramm der Tagesvorstellung beginnt um 10 Uhr, die Karl-May-Festspiele um 14.45 Uhr. An Tagen, an denen es sowohl eine Tages- als auch Abendvorstellung gibt, findet das Rahmenprogramm jeweils ab 9.45 Uhr und 17.15 Uhr statt, die Karl-May-Festspiele ab 14.20 beziehungsweise 20.15 Uhr.
Ein Artikel von Matthias Clever

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