Nachrichten Dies und das
Lennestadt, Grevenbrück, 17. Mai 2015

Künstler begeistern Zuhörer bei "Folk in den Bergen"-Comeback

Spielfreudige und charmante Entertainer

Begeisterte als gefühlvoller Sänger und charmanter Entertainer: Gregor Meyle (links).
Begeisterte als gefühlvoller Sänger und charmanter Entertainer: Gregor Meyle (links).
Foto: Prillwitz
Rund 600 Besucher haben am Samstag die Rückkehr des Festivals "Folk in den Bergen" gefeiert. Obwohl die Zahl der Zuhörer die Erwartungen nicht erfüllte, zog der Veranstalter, die "ARGE 2015 - 875 Jahre Grevenbrück, ein positives Fazit. Was vor allem am Zuspruch der Bands und der guten Stimmung auf dem Gelände lag.

Gregor Meyle gibt den charmanten Entertainer. Der Singer/Songwriter schafft es mit spielerischer Leichtigkeit, Wohnzimmeratmosphäre zu verbreiten. Trotz der riesigen Bühne, trotz des Sicherheitsgrabens zwischen ihm und dem Publikum. Der bärtige, huttragende Meyle reagiert zwischen Songs wie "Keine ist wie du" und "Ganz normale Leute" auf Zurufe von Zuhörern, erzählt persönliche Anekdoten und wagt ein Experiment zum großen Finale: Für "Kleines Lied" sammeln sich Meyle und seine sechsköpfige Band im Halbkreis hinter einem einzigen Mikrofon.

"Das ist jetzt das erste Mal, dass wir versuchen, auf einem Open Air komplett akustisch zu spielen", erklärt Meyle dem Publikum, "also bitte jetzt mal alle kurz die Fresse halten." Die augenzwinkernde Grobheit lächelt er locker weg. Und der Plan geht auf: Leise, ganz leise weht der Song über die Zuhörer, die sich nahezu ausnahmslos vor der Bühne drängen, andächtig lauschen oder die Lippen bewegen. Das Experiment ist gelungen. Zuhörer, Meyle und Band lassen das Lied und ihren Auftritt mit einem Summen gemeinsam ausklingen.
"Das ist heute ein Erlebnis für den ganzen Ort", sagt Torsten-Eric Sendler. Der Vorsitzende der ARGE steht im Bereich hinter der riesigen Bühne, auf der mit "Jamaram" gerade die letzte Band ihr Set begonnen hat. Er meint nicht nur die die Künstler und die Musik oder die Wiederbelebung des einstigen Kultfestivals, das vor 32 Jahren zuletzt über die Bühne ging.

Sendler meint auch die Zusammenarbeit aller örtlichen Vereine, die die Bewirtung von Bands und Besuchern übernommen haben. Das sei "Ausdruck des unglaublichen Gemeinschaftsgefühls" in Grevenbrück. Außerdem lobt der ARGE-Chef das Organisatoren-Team um seinen Stellvertreter Werner Forth, Bernhard Willmers und Simone Dröge. Und hätte das Wetter mitgespielt - die Sonne hat sich über Tag kaum blicken lassen, dafür immer wieder Nieselregen bei Temperaturen um 15 Grad Celsius -, hätten sicherlich mehr Besucher den Weg zu den Veischedewiesen gefunden, sagt Sendler.
Die "Tannahill Weavers" wussten am Nachmittag ebenso zu überzeugen...
Mehr Zuschauer hätte auch Gregor Meyle sich gewünscht. Weniger für seinen Auftritt, den er sichtlich genießt. Vielmehr um der Veranstaltung willen. "Das ist ein wunderschönes Festival, es hat Spaß gemacht hier im Sauerland. Wir hoffen, dass im nächsten Jahr noch mehr Leute hierhin kommen", sagt Meyle und lobt den Wohlfühlfaktor für die Bands.

Den haben zuvor auch die anderen Künstler lobend erwähnt. Die "Tannahill Weavers" etwa, die Folk-Legenden aus Schottland, die zur Mittagszeit vor rund 200 Besuchern aufgetreten sind. "Es macht Spaß mit euch", rufen sie dem Publikum zu - und empfehlen, sich mit CDs der Band einzudecken, denn: "Schon bald ist wieder Weihnachten, und dann braucht ihr Geschenke!"
... wie "Jamaram" zu nächtlicher Stunde.
Eine knappe Stunde später stehet das Quartett erneut auf der Bühne und feiert eine emotionale Wiedervereinigung mit Dougie MacLean. Das ehemalige Mitglied ist als Solomusiker unterwegs; an diesem Tag in Grevenbrück steht er für ein paar Songs wieder mit seinen ehemaligen Weggefährten auf der Bühne.

Das Publikum ist begeistert. Die bunte Mischung aus Besuchern von damals, Musikfreaks, Jugendlichen und Event-Touristen - einige in Allwetterjacken gekleidet, manche mit Blumenschmuck im Haar- lauscht, tanzt, klatscht, singt und wippt mit. Nicht nur bei den "Tannahill Weavers" und Gregor Meyle, auch bei den anderen Künstlern. Bei "CM-Travel" und "Far Out", den beiden Lokalmatadoren, die den Anfang machen. Bei den gefühlslastigen Stimmwundern Madeleine Juno und Y´Akoto. Und auch zu nächtlicher Stunde bei den Reaggae- und Funk-Stimmungskanonen von "Jamaram".
Ob es bei dem einmaligen, dem Kurz-Comeback von "Folk in den Bergen" zum Ortsjubiläum bleibt oder ob es eine erneute Auflage geben wird, will Torsten-Eric Sendler in dieser Nacht nicht prognostizieren. Erst kämen die Auswertung und der Kassensturz, sagt der ARGE-Vorsitzende. Der sich aber über die ausnahmslos positive Resonanz vor Ort sichtlich freut.
Ein Artikel von Sven Prillwitz

Bildergalerie: Spielfreudige und charmante Entertainer