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Lennestadt, 20. Februar 2018

Nur ein kleiner Pieks

Selbstversuch Blutspende: LP-Mitarbeiter Nils Dinkel zum 35. Mal dabei

Blutdruckmessen beim Arztbesuch. Nicht nur hier muss alles seine Ordnung haben.
Blutdruckmessen beim Arztbesuch. Nicht nur hier muss alles seine Ordnung haben.
Fotos: Kerstin Sauer
Kreis Olpe/Altenhundem. Darauf habe ich mich am meisten gefreut, als ich volljährig wurde: endlich Blut spenden zu dürfen. Der Linie bin ich treu geblieben. Ich bin seit vielen Jahren regelmäßiger Spender beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Für LokalPlus habe ich einmal Augen und Ohren offen gehalten, als ich in der VolksbankArena Sauerlandhalle Altenhundem am Montag, 19. Februar, zur Ader gelassen wurde.

Am Eingang zeige ich meinen Blutspende- und den Personalausweis. Nach kurzem Datenabgleich kommt auch schon der Fragebogen aus dem Drucker, den mir die freundlichen Empfangsdamen überreichen. Zwei Zettel, einmal ausfüllen, bitte. Einer mit VSA-Aufkleber, der darüber entscheidet, ob mein Blut verwendet werden darf, und einer, der den aktuellen Gesundheitszustand, OPs oder die Einnahme von Medikamenten abfragt.

Der Fragebogen ist umfangreicher geworden. Was sonst binnen zwei Minuten ausgefüllt war, dauert heute gefühlt eine Ewigkeit. Mehrere Kabinen, ähnlich wie Wahlkabinen, stehen dafür zur Verfügung. Anschließend reihe ich mich in die Warteschlange ein. Nun steht der obligatorische Arztbesuch an. Heute ist einiges los und einige Leute sind vor mir dran.
Das Spender-Aufkommen war enorm. "So viele Erstspender wie heute hatten wir noch nie", so die freundlichen Helferinnen am Eingang.
„Wann haben Sie zuletzt gegessen?“, fragt der Mann im weißen Kittel. Dann wird der Blutdruck gemessen: 120 zu 80 - perfekt für meine heutige Aufgabe. Der Arzt fragt, ob es mir gut geht und überprüft meine Antworten auf dem Fragebogen. Er unterschreibt – wieder ein Schritt weiter. Gedanke früh aufgekommenDer Wunsch, regelmäßig Blut zu spenden, wurde mir schon „in die Wiege gelegt“. Meine Eltern spendeten regelmäßig, meist in Altenhundem, und meine sieben Geschwister und ich waren von klein auf begeistert dabei. Einige von ihnen spenden auch heute noch. Mal mehr und mal weniger. Als wir noch über der Sauerlandhalle wohnten, haben wir öfter beim Aufbau geholfen und das ein oder andere Souvenir abgestaubt.

Zurück in der Sauerlandhalle: Ich nehme bei einer weiteren Mitarbeiterin Platz: Sie möchte mein Blut. „Finger oder Ohr?“ fragt sie, wenn es darum geht, den HB-Wert zu messen. Dieser, auch Hämoglobin-Wert genannt, misst den Eisenanteil im Blut. „Ohr“, antworte ich. Und das schon seit acht Jahren etwa, anders als meine ebenfalls spendenden Geschwister, die immer ihren Finger hinhalten.
Der HB-Wert des Blutes wird gemessen. Das Blut wird aus dem Finger oder dem Ohr entnommen.
Der Wert ist mit 18 heute außergewöhnlich hoch, aber wieder voll in Ordnung. Auch die Temperatur, die anschließend gemessen wird. Weiter geht es in der Schlange in Richtung Blutspende. Die meisten Gesichter um mich herum kenne ich. So langsam wird es ernst. Trotz der zehnjährigen Routine wird mir noch immer mulmig, wenn es in Richtung Pritsche geht.  
Rechts oder links?Ein Helfer vom DRK-Blutspendedienst West drückt mir mein „Körbchen“ in die Hand. Darin befindet sich der Beutel, in den das Blut fließt, ein Schlauch, mehrere Ampullen für die Blutkontrolle und auch das heutige Geschenk: Ein faltbare Einkaufstasche. Mit dem Korb unter dem Arm gehe ich in Richtung Pritsche: Es kann losgehen. „Rechts oder links?“ fragt eine Frau aus dem DRK-Team. „Egal“, antworte ich. Kleinste Stich-Narben der Nadeln in den Armen beweisen, dass ich beidseitig erfahren bin.

Seit zehn Jahren bin ich treuer Blutspender. Für die zehnte und 25. Blutspende bin ich mit einer Ehrenadel und einer Urkunde ausgezeichnet worden. In der Regel spende ich vier Mal im Jahr, muss nur im Notfall mal krankheits- oder berufsbedingt passen. Auch der letzte Termin im Dezember in der Sauerlandhalle Altenhundem, meiner „Homebase“, entfiel kurzfristig. So ist meine letzte Spende nunmehr fast ein halbes Jahr her. Auf die Zähne beißenHeute ist mein linker Arm an der Reihe. Ich gebe der Mitarbeiterin meinen Korb und nehme Platz auf der Liege. Dann werden mein Daten abgefragt, damit nicht der falsche Kandidat auf der Pritsche liegt. Alles in Ordnung. Es kann losgehen. Vorsichtig wird die Nadel in den Arm geschoben. Klar, es gibt schöneres, als gepiekst zu werden. Augen zu und durch. Denn  wer weiß: Vielleicht bin ich irgendwann mal derjenige, der auf das Blut eines anderen angewiesen ist…
Vorsichtig wird die Nadel gesetzt. Ähnlich wie bei einer Blutentnahme beim Doktor, allerdings mit mehr Schläuchen.
Zuerst werden drei Röhrchen mit Blut befüllt. Zum einen für Untersuchungen, zum anderen, damit in dem Beutel nur sauberes und keimfreies Blut gelingt. Nach knapp sechseinhalb Minuten bin ich bereits fertig. 528 Milliliter wurden abgezapft. „Ging auch schon mal schneller“, denke ich mir, obwohl das schon eine gute Zeit war. Zehn Minuten ausruhenIch darf den Platz wechseln und mich nochmal zehn Minuten ausruhen, bevor ich mich bei Cola und Kaffee am Buffet stärken kann. Dort werden Tomaten, verschieden belegte Brötchen und Brote sowie Bockwürstchen aufgetischt. Das war heute meine insgesamt 35. Spende. Viele weiteren sollen folgen.

Ach ja: Warum ich regelmäßig Blut spende? Ich mache es einfach gerne. Und weiß, dass ich damit helfen kann. Mit nur einem kleinen Pieks.
Hintergrund:
Blut wird für Operationen mit Blutverlust, bei Unfallverletzungen als Ersatz für verlorenes Blut, zum vorübergehenden Ersatz bei geschädigten Blutzellen, bei Blutaustauschtransfusionen zur Behandlung Neugeborener oder auch zur Unterstützung von Heilungsprozessen benötigt. In der Regel dürfen alle Menschen im Alter von 18 bis 68 Jahren Blutspenden.

Frauen bis zu vier Mal jährlich, Männer sogar bis zu sechs Mal. Die Vorlage des Ausweises ist zwingend erforderlich. Sollte es auffällige Befunde geben, wird der Spender darüber informiert. Bei der Blutspende wird keimfreies Einwegmaterial verwendet. Es ist der Blutspendedienst West im Einsatz, unterstützt durch ehrenamtliche örtliche DRK-Helfer.

Weitere ehrenamtliche Helfer werden immer dringend gesucht. Informationen dazu gibt es beim DRK Ortsverein Lennestadt, Meggener Str. 63b. Infos auch telefonisch (0 27 21/98 92 46) oder per E-Mail (info@drk-lennestadt.de).
(LP)

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