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Lennestadt, 28. Oktober 2016

Aufsehen um die „Augmented Reality“-App wird weniger

„Pokémon GO“-Hype: Wer profitiert von dem Trend?

"Pokémon-Jäger" sieht man immer seltener.
Foto: Nils Dinkel
Lennestadt. Es war der Trend des Sommers 2016: die Spiele-App „Pokémon GO“. Noch vor einigen Wochen sah man überall spielwütige Jäger der kleinen, bunten Monster, auch hier im Kreis Olpe. Doch dieser Trend scheint wieder am Ende zu sein. Die Zahlen der täglich aktiven Nutzer sanken rapide und dazu gingen die Download-Zahlen der App deutlich zurück. Das wirft die Fragen auf, warum innerhalb so kurzer Zeit erst viele Millionen Nutzer sich das Spiel herunterluden und dann in ähnlich schnell wieder absprangen.

Nach der kurzzeitigen Begeisterung über dieses Spiel folgte zunehmende Unzufriedenheit der Nutzer, die diese im Netz äußerten und reagierten, indem sie die App löschten. Zudem prangerte die Verbraucherzentrale Datenschutzlücken im System der App an. So sei nicht gewährleistet, dass Standortdaten sowie andere personenbezogene Daten nicht an Dritte weitergegeben würden. Die Nutzer forderten verschiedene Änderungen in dem Spiel, die bis heute nicht von den Verantwortlichen von „Pokémon GO“, der Software-Firma „Niantic“, umgesetzt wurden, was zu Verärgerung führte. Ohne Veränderungen, die zum Teil sogar von dem Unternehmen selbst vorgeschlagen wurden, war das Spiel, nach Meinung der Nutzer, auf Dauer langweilig und eintönig. Sowohl Nintendo, als Erfinder des klassischen Pokémon als auch die daraus entstandene „Pokémon Company“ standen auf LokalPlus-Anfrage nicht als Ansprechpartner zu diesem Thema zur Verfügung. Reaktion auf SicherheitslückenDoch nicht nur die nicht vorhandenen Änderungen, auch andere Probleme führten dazu, dass immer mehr User die App deinstallierten. Aufgrund der scheinbar zunehmenden Sicherheitslücken hat die deutsche Internetseite von „Pokémon GO“ Ende September einige Sicherheitshinweise veröffentlicht. Die Entwickler der App richten sich hier auch an die Eltern und empfehlen die Kindersicherung des Google Playstore, die die Zeitspanne, in der die Kinder und Jugendlichen die App nutzen, einschränkt. Der Spiele-Trend hatte sich zu diesem Zeitpunkt nämlich längst weiter ausgebreitet und die App dominierte die Freizeit von Kindern und Jugendlichen. Mit dieser Kontrollversion machte sich das Spiel bei den Eltern beliebt, doch bei den eigentlichen Kunden, den Kindern und Jugendlichen, dementsprechend unbeliebt. Die Entwickler von „Pokémon GO“ warnten ebenfalls davor, allein in einer fremden oder unbekannten Umgebung auf die „Jagd“ zu gehen. Zudem soll die Privatsphäre der Spieler geschützt werden, indem unerlaubt keine Fotos von öffentlichen Plätzen, auf denen Menschen zu sehen sind, in der App veröffentlicht werden dürfen. Es käme laut der Internetseite von „Pokémon GO“, jedes Mal, wenn der Spieler die App startet, ein Button, der den Spieler an die erwähnten Vorsichtsmaßnahmen erinnern soll. Doch dass diese Sicherheitshinweise überhaupt von den Nutzern der App gelesen werden, dürfte zumindest unwahrscheinlich sein. "Diese Gruppe zählt nicht zu unserer Kundschaft"Inwiefern können lokale Unternehmen wie Cafés in der Nähe von sogenannten „Pokéstops“ im Kreis Olpe von diesem Trend profitieren? Die „Pokéstops“ sind für den „Pokémon GO“-Spieler zentrale Anlaufstellen, an denen er oder sie verschiedene virtuelle Items (Ausrüstungsgegenstände) einsammeln kann, die für den weiteren Spielverlauf wichtig sind. So ein „Pokéstop“ ist in Altenhundem zum Beispiel bei dem Brunnen am Marktplatz. Gegenüber davon befindet sich das Café „Ambiente“ von Andreas Cordes. Ihm fiel auf, dass der Trend langsam abnimmt. „Man sieht nicht mehr so viele wie früher. So ein Trend verflüchtigt sich sehr schnell, aber ein harter Kern wird vermutlich bleiben, der das dann noch weiterspielt“, so Cordes. Außerdem ergänzte er, dass er bemerkt habe, wie die Menschen wieder vermehrt nach draußen gingen und miteinander kommunizierten. Insgesamt sah er in dem „Pokémon GO-Hype“ sehr viel positives, wenn auch nicht in den Geschäftszahlen. „Diese Gruppe zählt einfach nicht zu unserer Kundschaft“, berichtet Cordes, „hier kommen die Leute hin, die einen ruhigen Nachmittag verbringen wollen und nicht ständig auf der „Jagd“ nach Pokémons sind“. Er schließt trotzdem nicht aus, dass an zentralen Orten, wie „Pokéstops“ oder „Kampfarenen“ in größeren Städten, das Gastrogewerbe von diesem Trend profitiert haben könnte. "Augmented Reality" macht das Spiel lebensnaherDann fiel ihm aber doch noch eine Geschichte zu einem „Pokémon-Jäger“ ein, der in seinem Café gesessen hatte und auf der Suche nach den kleinen, bunten Monstern war. „Plötzlich war so ein Pokémon auf unserem Ofen in der Küche“, berichtet Cordes, „Ich habe mir das Spiel dann von ihm zeigen lassen, ich wollte das einfach unbedingt mal sehen.“ Er habe zwar bereits vorher davon gehört, doch eine wirkliche Vorstellung von der App habe er nicht gehabt. Mithilfe der Reality-Einstellung wird der Ort, an dem der Spieler sich befindet auf den Bildschirm des Smartphones übertragen. Dadurch sieht es so aus, als würden sich die bunten Wesen an diesem Ort bewegen und auf Gegenständen „sitzen“, wie in dem Bespiel von Andreas Cordes. Hoher Profit für Unternehmen trotz kurzer ErfolgswelleLetztendlich hat vor allem die Entwickler-Firma des Spiels von „Pokémon GO“ profitiert, doch auch für Nintendo war der, wenn auch kurzzeitige Erfolg der App eine gute Werbung. Die Firma hat daraufhin in Eigeninitiative ein spezielles Armband auf den Markt gebracht, das dem Spieler anzeigt, wenn sich ein Pokémon in der Nähe befindet. Der Nutzer muss also gar nicht mehr zwangsläufig auf sein Smartphone schauen, um auf „Pokémon-Jagd“ erfolgreich zu sein. Gewinn für lokal ansässige Anbieter in Lennestadt gab es sowohl im Beispiel von Andreas Cordes als auch beim Café „Heimes“ nicht. Die „Pokémon GO“-Spieler seien zwar aufgefallen, hätten das Café aber nur selten besucht. Die Nutzer der App entsprechen häufig nicht der Kundschaft eines Cafés, da sie, um sich im Spiel zu verbessern, zum Teil auch weitere Wege gehen müssen und keine Zeit für einen ruhigen Nachmittag im Café haben. Diese Wege wurden dann vielleicht mit einem wettkampfstarken Pokémon belohnt.
Ein Artikel von Lea Engelbrecht

Bildergalerie: „Pokémon GO“-Hype: Wer profitiert von dem Trend?