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Lennestadt, Lennestadt-Elspe, 26. Juni 2015

Grundschule Elspe: Rektorin Brunhilde Gräbener verabschiedet sich

Organisationstalent mit Bauwut

Inmitten von Kindern habe sie sich stets am wohlsten gefühlt, sagte Brunhilde Gräbener.
Inmitten von Kindern habe sie sich stets am wohlsten gefühlt, sagte Brunhilde Gräbener.
Fotos: Sven Prillwitz
Mehrfach stockte ihr die Stimme, mehrfach hatte sie Tränen in den Augen. Und zwischendurch, wenn sie fast schüchtern wirkte, musste sie doch lachen. Es klang fast entschuldigend. „Das ist ein ganz, ganz komisches Gefühl“, sagte Brunhilde Gräbener. Nach über 40 Jahren als Lehrerin und 18 Jahren als Rektorin der St. Jakobus-Grundschule in Elspe hat sich die 62-Jährige am Freitagmorgen in den Ruhestand verabschiedet.

„Für mich war das immer mehr als eine Schule. Es war auch ein Stück Zuhause“, sagte Gräbener. Im Februar 1976, damals noch als Anwärterin, hatte sie ihren Dienst an der Schule begonnen. Im Sommer 1997 übernahm sie die Leitung, nachdem der damalige Schulleiter Claus Graber überraschend verstorben war. Ihre Kollegen und ihre Familie hätten sie förmlich dazu gedrängt, erzählte sie am Freitag.

Ihre Stellvertreterin Beate Nöcke bestätigte das. „Sie war die einzige, die die Nerven dafür hatte. Und wir wollten eine interne Lösung haben.“ Die Entscheidung für Gräbener sei die richtige gewesen, denn sie habe mit ihrer ebenso resoluten wie liebenswerten Art die St. Jakobus-Grundschule nachhaltig geprägt. Mit „großer Umsicht“, „technischer Versiertheit“ und „Organisationstalent“ habe ihre Chefin die Schule geführt, sich stets für ihre Kollegen eingesetzt und Eltern mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Realisierung zahlreicher Projekte Und nicht zuletzt habe ihre „Bauwut“ deutliche Spuren hinterlassen, sagte Nöcke – und spielte damit augenzwinkernd auf die zahlreichen Projekte an, die Gräbener angestoßen und betreut hatte, darunter der Ausbau des Dachs, die Neugestaltung des Schulhofes und den Bau eines Mini-Fußballfeldes.

Besonders am Herzen gelegen hätten Gräbener stets die Kinder, die sie nicht nur unterrichtet habe. „Du hast dich auch immer um ihre kleinen und großen Probleme gekümmert und ihnen mit deiner Erfahrung wichtige Hilfen mit auf den Weg gegeben“, sagte Nöcke. Sie wird die St. Jakobus-Grundschule zunächst in Kooperation mit Kätta Tebrügge, Rektorin der Grundschule Saalhausen, kommissarisch leiten.
Gespannt verfolgten die Kinder die Vorführungen und Wortbeiträge.
Ihren Abschied hatte Gräbener vor vier Jahren eingeläutet, als sie noch einmal eine erste Klasse übernahm. „Ich wollte noch einmal eine Gruppe Kinder von Anfang bis Ende durch die Grundschule begleiten“, sagte die 62-Jährige. Die jetzigen Viertklässler, die am Freitag ebenfalls ihren letzten Schultag in Elspe hatten, verabschiedeten sich im Rahmen einer Feierstunde mit einer frechen umgetexteten Version des Charts-Hits „Au Revoir“ von ihrer Klassenlehrerin und Rektorin. Die freute sich neben weiteren Aufführungen von Schülern außerdem über ein Gedicht ihrer Kolleginnen, das die Höhepunkte ihrer Zeit als Schulleiterin zusammenfasste – inklusive des im Schulumfeld längst zur Legende gewordenen Elternabends, den Gräbener einst schlichtweg vergessen hatte.

Zusammen mit ihrem Ehemann Fritz, der tags zuvor in Eslohe seinen Ausstand als Schulleiter gefeiert hatte, wird sie ihr Rentnerdasein künftig sowohl in Oberelspe als auch an der Ostsee verbringen. In Sieversdorf (bei Malente) hat das Ehepaar vor 14 Jahren ein altes Bauernhaus gekauft und restauriert. „Wenn die Kollegen demnächst vormittags unterrichten, werde ich dort eine Runde im Schwimmteich drehen“, kündigte Gräbener an. Zum Abschied ein Appell an die Stadt So ganz wird sie die Grundschule allerdings nicht hinter sich lassen. Gräbener steht als Ansprechpartnerin für ihre kommissarische Nachfolgerin Beate Nöcke bereit und wird sich weiter um die Homepage der Schule kümmern. Dass die Einrichtung für sie mehr als ein Job ist, machte Gräbener auch in ihrer Ansprache bei der Feierstunde deutlich. „Was ich mir für diesen Standort wünsche, ist, dass die tolle Atmosphäre erhalten bleibt“, sagte sie. Und dann, an die anwesende Gleichstellungsbeauftragte Petra Peschke-Göbel als Vertreterin der Stadt gewandt: „Ich hoffe, dass die Schule so erhalten bleibt, wie sie ist, und dass es schnell eine neue Leitung gibt. Das haben meine tollen Kollegen mehr als verdient.“
Das Lehrerkollegium hatte zum Abschied ein Gedicht vorbereitet.

Ein Artikel von Sven Prillwitz

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