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Lennestadt, Lennestadt-Maumke/Nürburgring, 18. Mai 2016

Acht Mitglieder des Kegelclubs „Fantabande“ fahren auf Mofas zum Nürburgring / Zahlreiche Pannen

Mit Tempo 30 und dem Zufall zur „Grünen Hölle“

Mit 30 km/h auf der Landstraße in Gänsemarsch-Formation unterwegs: die „Kettenquäler“.
Mit 30 km/h auf der Landstraße in Gänsemarsch-Formation unterwegs: die „Kettenquäler“.
Fotos: privat
Eigentlich waren sie davon ausgegangen, dass es nicht alle auf zwei Rädern ins Ziel schaffen würden. Doch letztendlich kamen alle acht „Kettenquäler“, die in Maumke auf ihren Mofas gestartet waren, am vergangenen Samstagnachmittag, 14. Mai, am Nürburgring an – nach rund zehn Stunden und 160 Kilometern über Landstraßen und Feldwege. Und trotz zahlreicher mitunter schwerwiegender Materialschäden und Pannen.

Vor ein paar Monaten war die Idee entstanden. „Aus einer Laune heraus“, sagt André Friedrichs. Er ist eines von insgesamt zwölf Mitgliedern, die dem Maumker Kegelclub „Fantabande“ angehören. Acht entschlossen sich zu dem ungewöhnlichen Trip, schafften Mofas an, brachten diese in Schuss. Ließen „Kutten“ anfertigen, schwarze Jeansjacken mit abgeschnittenen Ärmeln und dem selbstironischen Aufnäher „Kettenquäler“ auf dem Rücken. Und tippten laut Friedrichs darauf, dass es „zwei, drei Leute sicherlich nicht schaffen werden bis in die Eifel“. Aus diesem Grund begleiteten zwei weitere Mitglieder des Kegelclubs die Mofafahrer in einem Kastenwagen, an Bord Wasser, Sprit und das nötigste Werkzeug.

Der Materialverschleiß begann noch vor Fahrtantritt. Als es am Freitagnachmittag in Maumke losgehen sollte, riss bereits die erste Kette. An einem weiteren Mofa riss einem Fahrer der Gaszug. Irgendwann hinter Wenden verabschiedete sich die erste von zwei Tachowellen. Und dann, kurz vor Waldbröl im Süden des Oberbergischen Kreises, ging einem der „Kettenquäler“ im Dunkeln der Sprit aus. Mitten im Wald. Mit Wasserflaschen zapften die anderen Fahrer aus ihren Mofas Sprit ab. So schaffen sie es mit mehr als zweieinhalb Stunden Verspätung bis zur Pension, dem Nachtlager und Ziel der ersten Etappe. Zehn Stunden für 160 Kilometer Der zweite Tag begann mit einem abgerissen Auspuff. „Das war die Quittung dafür, dass wir auch über zahlreiche Wald- und Feldwege fahren mussten“, sagt André Friedrichs. Insgesamt legten die „Kettenquäler“ rund 160 Kilometer auf Land- und Bundesstraßen, zum Teil auf Fuß- und Radwegen zurück. Durchschnittsgeschwindigkeit: circa 30 Stundenkilometer. Dauer: circa zehn Stunden. Die Pausen, von diversen Pannen erzwungen, nicht mitgerechnet. Immerhin: Immer wieder half der Zufall. Als der erwähnte Auspuff an einem Mofa abgerissen war, fanden die Lennestädter in einem Ort eine Tankstelle. Nebenan war ein Hausbewohner gerade mit seinem Schweißgerät beschäftigt – und brachte den abgerissen Auspuff wieder an. Rund eineinhalb Stunden vor der Ankunft am Nürburgring fehlte an einem anderen Mofa plötzlich eine Zylinderschraube. Der Motor nahm kein Gas mehr. Einen Kilometer weiter stieß die Gruppe auf eine Werkstatt, eine Metallbaufirma. Dort fand sich nicht nur ein Angestellter, sondern auch eine passende Schraube für den Zylinder.

Und so kam die achtköpfige Gruppe schließlich am Samstagnachmittag doch noch an der legendären Rennstrecke in der Eifel an. Verfolgte hier die VLN-Langstreckenmeisterschaft und tags darauf ein Sechs-Stunden-Rennen für Motorräder. Am Morgen des Pfingstmontags ging es zurück nach Lennestadt – auf vier Rädern. „Zwei Leute sind mit Anhängern gekommen, auf die wir die Mofas geladen haben, und haben uns abgeholt“, sagt André Friedrichs. Binnen zwei Stunden waren die „Kettenquäler“, diesmal als Beifahrer, wieder in Lennestadt. Beifall für die Mofa-Gang „Das war auch gut so, denn bequem war die Fahrt nicht. Der eine oder andere hatte richtige Schmerzen nach der Ankunft am Samstag und will die Karre auch die nächsten Wochen erstmal nicht mehr anpacken“, sagt André Friedrichs und lacht. Und schließlich waren da noch die Reaktionen von Motorrad- und Autofahrern sowie Passanten auf die Tempo-30-Biker, durch ihre Kutten als „Gang“ gekennzeichnet: „Wir sind unterwegs immer wieder gefeiert worden für unser Aussehen und die Aktion.“

Und auch weil die Kombination aus Pannen und Zufällen die anstrengende Tour zu einem „noch interessanteren Erlebnis“ gemacht habe, sei es durchaus wahrscheinlich, dass die „Kettenquäler“ nicht zum letzten Mal auf der Straße unterwegs gewesen sind mit ihren Mofas.
Ein Artikel von Sven Prillwitz

Bildergalerie: Mit Tempo 30 und dem Zufall zur „Grünen Hölle“