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Lennestadt, 13. September 2017

Elektroschrott: Zu wertvoll für die Tonne

Im „Repair Café" werden defekte wieder zu funktionierenden Geräten

Im „Repair Café
Foto: Patricia Korn
Altenhundem. Wenn der Mixer in der Küche streikt und die Heckenschere die Gartenarbeit verweigert, landen elektrische Geräte schnell auf dem Müll. Doch warum gleich tief in den Geldbeutel greifen, um eine neue Maschine zu besorgen? Die ehrenamtlichen Fachleute des „Repair Cafés" in Altenhundem wollen das ändern: Jeden ersten Samstag im Monat, jeweils von 15 bis 17 Uhr, tüfteln sie an defekten Kleingeräten, bei denen ihre Besitzer keinen Rat mehr wissen.

„Raus aus der Wegwerfgesellschaft“: So lautet das Motto, unter dem Diplom-Sozialarbeiterin Karin Blumentrath vom Deutschen Roten Kreuz, das Repair Café vor gut drei Jahren im DRK-Beratungshaus in Kirchundem gegründet hat. Die Grundidee stammt ursprünglich jedoch aus Holland. Eine Gruppe aus zehn ehrenamtlichen Helfern steht den Interessierten zur Seite. Gemeinsam versuchen sie, defekte elektronische Kleingeräte zu reparieren und so zur Vermeidung von Elektro-Schrott beizutragen, erklärt „Repair Café“-Leiter Christian Buhl. Seit 2015 ist die Hobby-Werkstatt nun im DRK-Haus Lendel, Lennewiesen 4 (neben dem Lidl-Markt), zu finden.Reparatur durch qualifizierte FachleuteDie ehrenamtlichen Fachleute finden durch ihre verschiedenen Qualifikationen für jedes Gerät eine passende Lösung. „Reiner Lehrig gilt im Team als Computerspezialist, und Uwe Steinberg kennt sich besonders mit der Mechanik von Nähmaschinen aus“, sagt Buhl. Roland Jentzsch und Jürgen Haverland sind die Elektrotechniker unter den Fachleuten. „Falls der Besucher ein Ersatzteil benötigt, kann ich dieses durch Kontakte zu meiner Firma, in der ich tätig bin, beziehen“, sagt Jentzsch. Aber auch beim Bestellen von Ersatzteilen im Internet leisten die Fachleute Unterstützung. Auch die Frauen der ehrenamtlichen Fachleute helfen im Repair-Café tatkräftig mit. Sie übernehmen die Versorgung mit Kaffee und Kuchen.

Eine Anmeldung oder Terminvergabe zur Reparatur von defekten Geräten sei nicht notwendig, erklärt Buhl. „Die Besucher können von 15 bis 17 Uhr einfach vorbeikommen, füllen zu Beginn einen Reparaturzettel aus und danach hilft ihnen ein Fachmann, der gerade Zeit hat“, sagt er. „Herkulesaufgabe“ PlattenspielerDie Fachleute reparieren Lampen, Küchenmaschinen, Gartengeräte sowie Kaffeevollautomaten, teilweise aber auch Smartphones. Die Geräte seien teilweise bis zu 60 Jahre alt. Und die Bastler haben festgestellt: Je älter die Geräte, desto einfach ist es, sie zu reaprieren. Ausnahme: ein Plattenspieler, dessen Instandsetzung sich als echt kniffelige Herausforderung erwiesen habe, die aber letztendlich auch glückte.

Defekte müssen ihre Ursache laut Roland Jentzsch übrigens nicht nur in Beschädigungen haben. „Häufig ist es so, dass viele Geräte aufgrund mangelnder Pflege nicht mehr richtig funktionieren“, erklärt der Elektrotechniker.  Sein Tipp: „Die richtige Pflege macht`s." Und hilft dabei, Reparaturen zu vermeiden.Finanzierung durch SpendenboxZur Finanzierung des „Repair Cafés“ wird am Eingang eine kleine Spendenbox aufgestellt. „Durch die Spenden finanzieren wir Materialien wie Lötstationen, Öle und Fette“, sagt Buhl. Zurzeit hat die Gruppe in neue Arbeitsunterlagen aus Kunststoff investiert. Die Werkzeuge bringen die Bastler teilweise von zu Hause mit.

„Die Resonanz der Teilnehmer auf das Repair-Café ist sehr gut“, erzählt Buhl. Die Besucher seien von dem Angebot begeistert. „Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die den Geräten fehlen“, sagt Jentzsch und fügt hinzu, dass vielen Personen häufig einfach nur die Erfahrung für eine Reparatur fehle. Übrigens setzen die Bastler die Geräte nicht nur instand, sondern nehmen auch einen Fehlerlauf vor und testen die Isolierung. Sicherheit gehe schließlich vor. Ein Rundum-Sorglos-Paket also, das wesentlich preiswerter sei als eine Neuanschaffung. Eben getreu dem Motto: „Raus aus der Wegwerfgesellschaft“.
Ein Artikel von Patricia Korn

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