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Lennestadt, Lennestadt-Bilstein, 10. Juli 2015

Sauerländer Sprachsommer: 20 Drittklässler verbessern Deutschkenntnisse

Gemeinsam zur Schatzkarte

Kurz vor ihrer Theaterpremiere: Die Kinder des achten Sauerländer Sprachsommers.
Kurz vor ihrer Theaterpremiere: Die Kinder des achten Sauerländer Sprachsommers.
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Die 20 Jungen und Mädchen waren am Freitag auf der Burg Bilstein mächtig aufgeregt. Zum Abschluss des 8. „Sauerländer Sprachsommers“ führten sie das Theaterstück „Der Zwischenzauber“ auf, und ihre Familien waren alle gekommen, um zu sehen, was ihre Kinder in den vergangenen zwei Wochen gelernt hatten.

Der „Sauerländer Sprachsommer“ ist ein Förderprogramm für Kinder in der dritten Klasse, die aus Migrationsfamilien kommen. In diesem Jahr waren bis auf ein Mädchen aus Meggen alle Kinder aus den Grundschulen aus der Gemeinde Finnentrop als Teilnehmer dabei. Ihre Heimatländer sind Syrien, Russland, Mazedonien, Albanien, Türkei oder Polen. Allerdings geht es nicht darum, in den Ferien trocken Unterrichtstoff zu pauken - im Gegenteil: Sie lernten spielerisch die deutsche Sprache, aber auch ein rücksichtsvoller Umgang untereinander.

Das geschah in diesem Jahr in der „Knappenschule“, denn am Ende der Ferien wollten alle die Prüfung bestehen und zum Ritter geschlagen werden. „Wir haben neben dem Theaterprojekt jeden Tag auch den Kindern verschiedene Aufgaben gestellt“, erklärte Dirk Kaufmann. Er und seine Kollegin Alexandra Will sind ausgebildete Theaterpädagogen und Diplom-Schauspieler. „So mussten sie sich bei Streitigkeiten untereinander selbst einigen, durften bei den Mahlzeiten nicht herumlaufen und auch petzen und jemanden ausgrenzen, war nicht zugelassen. Wenn diese Aufgaben jeden Tag von der Gemeinschaft erfüllt wurden, gab es am Abend einen Teil einer Schatzkarte, die am letzten Abend schließlich komplett war.“ Ritterschlag zur Belohnung Als sich schließlich gestern alle Kinder an dem Ort, den die Schatzkarte anzeigte, eingefunden hatten, wurde jedes Kind feierlich zum Ritter geschlagen. „Die Gruppe ist über die zwei Wochen unheimlich zusammen gewachsen“, freute sich Uta Hoffmann, die das Sprachcamp als Projektleiterin zum zweiten Mal organisiert hatte. Finanziert wurde das Projekt erneut durch die Eibach Stiftung um Wilfried und Nina Eibach.

Nach einer Reise zu einer Eibach-Niederlassung im kalifornischen Corona sei ihm die Idee gekommen, die Sprachentwicklung von Kindern zu fördern. „Corona liegt nah der mexikanischen Grenze, und dort waren viele Migranten, die nur spanisch sprachen und manchmal in erbärmlichen Verhältnissen lebten“, sagte Wilfried Eibach. Sprache der Schlüssel für weitere schulische Karriere „In den USA gibt es jetzt eine Hilfsorganisation, die dort bis zu 800 Kinder unterrichtet und ihnen englisch beibringt. Warum sollte das nicht auch in Deutschland funktionieren?“ So wurde der „Sauerländer Sprachsommer“ vor sieben Jahren als Pilotprojekt für die Region ins Leben gerufen und von der Eibach Stiftung getragen. „Wir richten uns an Kinder, die nach den Sommerferien in die vierte Klasse kommen, denn danach entscheidet sich, welche weiterführende Schule sie besuchen können“, erklärt Tochter Swantje Eibach, „dabei ist die Sprache ein ganz wichtiger Schlüssel.“
Swanje Eibach von der Eibachstiftung, die Theaterpädagogen und Diplom-Schauspieler Alexandra Will und Dirk Kaufmann sowie Projektleiterin Uta Hoffmann (v.r) freuten sich über den großen Erfolg des 8. Sauerländer Sprachsommers.
Projektleiterin Uta Hoffmann freut sich, dass es auch in diesem Jahr den Kindern gefallen hat. „Ein Junge sollte nach einer Woche abgeholt werden, da die Familie gemeinsam verreisen wollte. Doch er hat gesagt: Ich kann hier nicht weg. Ich werde hier gebraucht, und so hat die ganze Familie ihre Reise verschoben.“ Gebraucht wurde er auch, denn jeder hatte im Theaterstück und in der Gemeinschaft eine wichtige und einmalige Rolle. Entsprechend schwer fiel allen Beteiligten der Abschied.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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