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Lennestadt, Lennestadt, 14. September 2015

Thema Asyl: Verwaltung spricht von vielfältiger und immenser Herausforderung

Flexibilität und Zusammenarbeit als Erfolgsrezept

Die Teilnehmer der Pressekonferenz: Pfarrer Christoph Gundermann, Pfarrer Martin Behrensmeyer, Levent Sengül (Ditib Yesil Moschee), Baktac Tezcan (Alevitisches Kulturzentrum für den Kreis Olpe), Nedim Kalembasi (AK Integration), Gregor Schnütgen (CDU), Heinz Vollmer (SPD), Christa Orth-Sauer (Bündnis 90/Die Grünen), Kerstin Bauer (UWG), Karsten Schürheck (Beigeordneter), Petra Peschke Göbel (Gleichstellungsbeauftragte), Thomas Meier (Bereich Familie, Soziales und Integration) und Bürgermeister Stefan Hundt.
Die Teilnehmer der Pressekonferenz: Pfarrer Christoph Gundermann, Pfarrer Martin Behrensmeyer, Levent Sengül (Ditib Yesil Moschee), Baktac Tezcan (Alevitisches Kulturzentrum für den Kreis Olpe), Nedim Kalembasi (AK Integration), Gregor Schnütgen (CDU), Heinz Vollmer (SPD), Christa Orth-Sauer (Bündnis 90/Die Grünen), Kerstin Bauer (UWG), Karsten Schürheck (Beigeordneter), Petra Peschke Göbel (Gleichstellungsbeauftragte), Thomas Meier (Bereich Familie, Soziales und Integration) und Bürgermeister Stefan Hundt.
Fotos: Sven Prillwitz
Mit einer engen Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung, Ehrenamtlichen und Bevölkerung sowie einem Höchstmaß an Flexibilität will Lennestadt die Flüchtlingskrise meistern: Bürgermeister Stefan Hundt sprach am Montagnachmittag in einer Pressekonferenz im Rathaus zum Thema Asyl von einer „ungeheuren Kraftanstrengung“. Dennoch zeigten er und die weiteren Teilnehmer, darunter die Vorsitzenden der im Rat vertretenen Fraktionen, sich zuversichtlich, die Unterbringung und Integration der Asylsuchenden gemeinsam bewältigen zu können.

Die größte Schwierigkeit dabei: die Unmöglichkeit, mit festen Zahlen zu planen. „Wir können im Moment nicht sagen, was in vier oder in zwei Monaten ist. Wir müssen uns alle zwei, drei Tage wieder neu absprechen“, sagte Hundt. 29 Menschen seien Lennestadt allein in den vergangenen zwei Wochen zugewiesen worden. Am Montag, am Tag der Pressekonferenz, habe die Bezirksregierung Arnsberg die Verwaltung darüber informiert, dass sie 18 weitere Flüchtlinge unterbringen müsse. Nach diesem Stand seien es 309 Menschen aus 31 Nationen, die auf zehn Ortschaften verteilt in 39 Häusern und Wohnungen einquartiert worden sind.

An dem Konzept der dezentralen Unterbringung und gleichmäßigen Verteilung im Stadtgebiet wolle die Stadt festhalten, betonte Hundt. Der Bürgermeister lobte in diesem Zuge ausdrücklich die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung – nicht nur mit Blick auf Spenden, handwerkliche Tätigkeiten, Betreuung und Sprachangebote, sondern auch bei der Suche nach Wohnraum. So hätten auch Privatpersonen und kirchliche Einrichtungen der Stadt bereits Häuser, Wohnungen und Zimmer als mietbare Unterkünfte angeboten. Zudem soll der Arbeitskreis Integration stärker in den „Mittelpunkt der weiteren Überlegungen und des ständigen Dialogs“ eingebunden werden. „Brauchen unorthodoxe, aber strukturierte Herangehensweise“ Lobende Worte fand Hundt darüber hinaus für Thomas Meier (Bereich Familie, Soziales und Integration) sowie die Gleichstellungsbeauftragte Petra Peschke-Göbel, die im Rathaus federführend Hilfsangebote koordinieren, und alle Mitarbeiter der Verwaltung. „Das ganze Haus macht mit bei der Suche nach Wohnraum. Fast jeder übernimmt zusätzliche Aufgaben“, sagte Hundt angesichts der immensen logistischen Herausforderungen. „Wir brauchen eine vollkommen unorthodoxe, aber klar strukturierte Herangehensweise. Dafür haben wir ein gutes Fundament, auf dem wir aufbauen können und wollen.“ Zumal auch heimische Unternehmen Hilfsbereitschaft signalisiert hätten, was die Beschäftigung von Flüchtlingen angeht. Gespräche sollen folgen.

Neben der ordentlichen Unterbringung der Asylsuchenden komme es nun vor allem darauf an, die Menschen schnellstmöglich in Lennestadt zu integrieren. Ein Hauptaugenmerk liegt laut Hundt auf den Kindern und Jugendlichen. Das Problem dabei: Die Kapazitäten insbesondere der Kindergärten und Grundschulen seien beinahe ausgereizt.
Bürgermeister Stefan Hundt (rechts) und der Beigeordnete Karsten Schürheck.
Weshalb der Bürgermeister und die Fraktionen Flexibilität forderten – und zwar von übergeordneter Stelle: „Eine soziale bzw. pädagogische Dynamisierung der Vorschriften auf die völlig neue Aufgabenstellung hat an den fachlichen entscheidungsbehördlichen Stellen noch nicht stattgefunden“, kritisiert die Verwaltung in einer gemeinsam verfassten Stellungnahme. Hundt und Heinz Vollmer, Fraktionschef der SPD, nannten in dieser Hinsicht das Landesjugendamt konkret beim Namen.

Eine Herausforderung stelle das Thema Asyl außerdem in finanzieller Hinsicht da. Trotz der angekündigten Novellierung des Gesetzes zur Aufnahme von Flüchtlingen (FlüAG) und der Neuberechnung von Schlüsselzuweisungen für die Kommunen bedeute die derzeitige Situation auch eine deutliche Belastung der Haushalte. Nach Stand von Montag geht die Verwaltung von einem Fehlbetrag von rund 940.000 Euro für das laufende und von ca. 1,5 Millionen Euro für 2016 aus. Tendenz vermutlich steigend, denn „die Situation Mitte der 90er Jahre werden wir wohl noch weit überschreiten“, so Hundt weiter. Mindestens 200 weitere Flüchtlinge bis Jahresende Mit der Zuweisung von mindestens 200 weiteren Flüchtlingen rechnet die Verwaltung bis Jahresende. Zusätzlicher Wohnraum soll auch durch die Nutzung der ehemaligen Hauptschule Elspe und den Kauf dreier Containeranlagen geschaffen werden (LokalPlus berichtete). Ob künftig in einer Notsituation auch Schützen- und Turnhallen für die Unterbringung von Asylsuchenden genutzt werden müssen, konnte und wollte Hundt nicht ausschließen. „Noch haben wir Kapazitäten, was den Wohnraum angeht. Und wir suchen weiter. Wir werden uns in diesem Jahr aber wohl noch häufiger außerplanmäßig treffen müssen“, sagte Hundt.

Für Mittwoch, 23. September, lädt die Stadt Lennestadt zu einer Bürgerversammlung in die Schützenhalle Elspe ein. Dabei wollen Politik und Verwaltung die Bevölkerung nicht nur über die generelle Asylsituation informieren und Konzepte zur Unterbringung und Integration präsentieren, sondern auch den Dialog suchen. Außerdem soll ein Patenschaftsmodell vorgestellt werden.
Ein Artikel von Sven Prillwitz

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