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Lennestadt, Lennestadt, 20. April 2016

Realschule: Reaktionen auf abgelehnten Antrag auf Dreizügigkeit

Enttäuschung und Unverständnis

UPDATE: Realschule: Reaktionen auf abgelehnte Dreizügigkeit
Symbolfoto: Nils Dinkel
Mit Enttäuschung und Unverständnis haben Lennestädter Ratsmitglieder und Eltern auf den Beschluss der Bezirksregierung Arnsberg reagiert, den Antrag auf eine erneute Dreizügigkeit an der Lessing-Realschule in Grevenbrück abzulehnen (LokalPlus berichtete). Bürgermeister Stefan Hundt kritisiert das Auswahlverfahren, das schulnah wohnende Schüler benachteilige, und blickt den Gesprächen mit der Bezirksregierung und den benachbarten Kommunen gespannt entgegen. Die Grünen-Fraktion hingegen bezeichnet die Entscheidung als „folgerichtig".

Bürgermeister Stefan Hundt (auf telefonische Anfrage) „Die Bezirksregierung muss natürlich einen Blick auf das Ganze haben. Deswegen ist es auch wichtig, die Bürgermeister der benachbarten Kommunen an einen Tisch zu holen, um die Angelegenheit und die regionalen Zusammenhänge zu diskutieren. Schade finde ich es aber, dass solch ein Auswahlverfahren durchgeführt werden muss von der Schulverwaltung und dann auch solche Kinder keinen Platz an der Schule kriegen können, die in unmittelbarer Nähe wohnen.

Wir müssen uns jetzt darüber unterhalten, wie es generell mit den Schulstandorten weitergeht. Wir haben unser Schulsystem vor Jahren neu aufgebaut, und die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Wir haben in Lennestadt kluge und mutige Entscheidungen getroffen, haben zeitnah und vorausschauend entschieden und gehandelt.“
Die Grünen (per Pressemitteilung) „Die Entscheidung der Bezirksregierung Arnsberg ist aus unserer Sicht nur folgerichtig. Natürlich haben wir Verständnis für die betroffenen Kinder und Eltern. Der Fehler ist allerdings gemacht worden, als man sich nicht konsequent nach den Empfehlungen von Wissenschaftlern und Pädagogen gerichtet hat und die Sekundarschule, die unserer Meinung nach zukunftsweisend ist, nicht konkurrenzlos starten ließ.

Es geht aber auch um die Eltern, die ihre Kinder an der Sekundarschule angemeldet haben, weil sie darauf vertraut haben, dass diese Schulform die Hauptschule und die Realschule ersetzt und deshalb das Leistungsspektrum an dieser Schule ein breites ist. Durch den Erhalt der Realschule als Konkurrenz ist dies zumindest erschwert worden. Wir begrüßen ausdrücklich die Aufnahme von Gesprächen der Bürgermeister der betroffenen Kommunen mit der Bezirksregierung.“
CDU (per Pressemitteilung) „(…) Die Eltern wollen, dass ihre Kinder an einer wohnortnahen Realschule beschult werden, und da ist Grevenbrück die einzig verbliebene im gesamten östlichen Kreisgebiet. Der Hinweis auf andere – weiter entfernte - Realschulen oder andere Schulformen ist eine Farce. Das freie Wahlrecht auf eine Schulform wird in keinster Weise in diesem Bescheid gewürdigt. Der Rat der Stadt kann jetzt überlegen, ob er gegen die Entscheidung der RP (Regierungspräsidentin, Anm. d. Red.) Klage erheben wird. Wir sehen aber auch, dass eine Klage den jetzt betroffenen Kindern und Eltern kaum noch helfen wird, denn das Schuljahr geht in wenigen Wochen zu Ende und alle brauchen jetzt Sicherheit.

Die CDU-Fraktion Lennestadt hat allerdings auch ein Augenmerk auf die nächsten Schuljahre und wird alles dafür tun, dass die Realschule Grevenbrück eine gesicherte Zukunft hat und dass der Elternwille in den kommenden Jahren Berücksichtigung findet. Wir unterstützen ausdrücklich die Ankündigung der Regierungspräsidentin, die Bürgermeister der Kommunen Lennestadt, Kirchhundem, Plettenberg, Finnentrop, Eslohe, Schmallenberg und Attendorn zu einem gemeinsamen Gerspräch einzuladen, um eine interkommunale Schulentwicklungsplanung zu beraten. Dafür ist es höchste Zeit. Allerdings muss eine solche Planung ohne ideologische Scheuklappen erfolgen und den erkennbaren Elternwillen beachten.“ Heinz Vollmer, Fraktionsvorsitzender der SPD (auf telefonische Anfrage) „Wir haben vom ersten Tag an die Auffassung vertreten, dass der Elternwille hier der maßgebende Faktor sein sollte. Das ist aber mit dieser Entscheidung nicht der Fall. Wenn man eine andere Schulform installieren will in einer Kommune oder auch eine Nachbarkommune, muss man mit entsprechender Werbung dafür sorgen, dass die Schülerzahlen stimmen. Das ist bei der Sekundarschule in Meggen der Fall. Die Gesamtschule in Finnentrop aber hat das Problem, kaum noch Schüler zu haben, was jetzt zum Problem für Lennestadt wird. Dass vielleicht sogar Schüler, die direkt vor der Realschule wohnen, eine Absage kriegen, geht natürlich gar nicht. Wir werden uns aber auch für eine Initiative einsetzen, mit der die Sekundarschule beworben werden soll.“ Daniel Wittrock, UWG (per Pressemitteilung) „Mit Unverständnis hat die UWG Lennestadt die Entscheidung gegen die Fortführung der Dreizügigkeit in Grevenbrück aufgenommen. Wäre eine Ausnahmegenehmigung nicht vertretbar gewesen? Warum wird dem viel gepriesenen Elternwillen nicht entsprochen? Im Gegenzug zur CDU-Fraktion überprüft die UWG Lennestadt nun, ob ein Antrag auf Klage gegen die Entscheidung am Verwaltungsgericht nicht doch Erfolg verspräche. Inwiefern dies im Lennestädter Rat von Erfolg gekrönt ist, bleibt aufgrund der Mehrheitsverhältnisse abzuwarten. Vorab wird aber nochmals das Gespräch mit den Eltern gesucht. Hierfür möchten wir auch nochmals auf unseren Stammtisch am 22. April ab 18 Uhr in Bonzel hinweisen.“ Peter Steinhoff, Elterninitiative (auf telefonische Anfrage) Peter Steinhoff (Elterninitiative Lessing-Realschule Grevenbrück – Schuljahr 2016/17) aus Theten ist von der Entscheidung aus Arnsberg „maßlos enttäuscht: Natürlich haben wir viele Schulen vor Ort – aber hier geht es um die Schulform. Eltern und Kinder wollen eine Realschule.“ Besonders ärgert er sich über das Argument der Fahrwege: „Offiziell ist festgelegt, dass Fahrtzeiten mit dem Öffentlichen Personennahverkehr von bis zu 90 Minuten pro Strecke machbar sind. Hin und zurück sind das drei Stunden Fahrtzeiten, plus Unterricht bis in den Nachmittag, was den Schülern zugemutet wird.“ Den Umgang mit den Kindern bezeichnet er als katastrophal: „Und dabei wird immer gesagt, dass die Kinder unsere Zukunft sind.“ Nach Peter Steinhoffs Informationen gehen von den 30 abgelehnten Schülern nur vier auf die Sekundarschule, der Rest verteilt sich auf die Realschulen in Plettenberg und Eslohe sowie die Gymnasien. Seiner Meinung nach muss eine dauerhafte Lösung her: „Das Thema ist noch nicht beendet. Man sieht doch, dass die Schulform Realschule gewollt ist.“
Ein Artikel von Kerstin Sauer und Sven Prillwitz

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