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Lennestadt, 15. April 2017

Freundeskreis Pirpirituba feiert 25-jähriges Jubiläum

Ein Vierteljahrhundert voller Hilfe und Herzlichkeit

Beim Besuch 2013 schenkte der Freundeskreis den Kindern eigene Trikots.
Beim Besuch 2013 schenkte der Freundeskreis den Kindern eigene Trikots.
Foto: privat
Altenhundem. Was aus einem Gedanken bei einer Geburtstagsfeier entstanden ist, feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum: der Freundeskreis Pirpirituba. 1992 wurde der Verein in Altenhundem zur Unterstützung einer Kleinstadt in Brasilien gegründet. Seitdem haben die Mitglieder einige Projekte auf die Beine gestellt, unter anderem den Bau eines Kindergartens, einer Suppenküchen und einer Näherei.

Die ursprüngliche Idee warf Peter Berkenkopf, der derzeitige Kassierer, seinerzeit in den Raum. Seine damalige Frau kam aus Pirpirituba. Beide erzählten, was für eine Armut in der Stadt herrscht. Franz-Josef Rotter, 1. Vorsitzender des Vereins, erinnert sich, noch genau zu wissen, wie schnell damals dann die Idee aufkam, doch einen Verein zur Unterstützung der Menschen zu gründen.

Seit der Gründung sind nunmehr 25 Jahre vergangen, und der Freundeskreis verzeichnet nicht nur mehr als 300 Mitglieder, sondern auch viele Projekte, die zu einem besseren Leben in Pirpirituba beitragen. „Wir können die Welt nicht retten, aber wir können sie so ein wenig besser machen“, betont Rotter. 1996 Bau eines Kindergartens Gerd Kitscha, 2. Vorsitzender des Freundeskreises, erzählt von vielen Projekten, die durch Spenden und durch Aktionen hier vor Ort, etwa das Waffelbacken auf dem Frühlingsmarkt, ermöglicht würden und immer noch werden. So habe es der Verein bereits vier Jahre nach der Gründung geschafft, einen Kindergarten bauen zu lassen. 120 Kindern wurde dort somit ein Platz geschenkt. Allerdings bedauert der Verein, dass die Gemeinde aus dem Kindergarten ein Gesundheitszentrum gemacht hat - ohne Rücksprache mit dem Freundeskreis.

Neben dem Kindergarten wurden außerdem eine Näherei und eine Nachmittagsbetreuung Pirpirituba errichtet. Dort wird eine Betreuung und Nachhilfe angeboten, „damit die Kinder nicht auf die schiefe Bahn geraden“, so die zwei Vereinsvorsitzenden. Besonders stolz sind Rotter und Kitscha auf das Projekt der Patenschaften und die Suppenküchen. Patenschaft für 18 Euro im Monat Derzeit sind es 152 Patenschaften, die der Freundeskreis übernommen hat. Kitscha und Rotter sind stolz, dass die Anzahl der Patenschaften in der vergangen Jahren immer in diesem Bereich geblieben ist. Auch die beiden Vorsitzenden haben Patenkinder. Für je 18 Euro im Monat kann eine Patenschaft für ein bedürftiges Kind übernommen werden. Das Geld bekommt eine Leiterin vor Ort, damit das Geld tatsächlich den Kindern zugutekommt. Leiterin Joselia übernimmt dann die Aufgabe mit den Müttern einkaufen zu gehen. Sie ist auch diejenige, die vor Ort darüber entscheidet, welche Familien die Hilfe eines Paten bekommen. Franz-Josef Rotter war bereits fünfmal in Brasilien und durfte seinen Schützling kennenlernen. „Von den Menschen kommt einfach so viel Herzlichkeit. Trotz der schlimmen Umstände lachen sie viel.“ Auch Gerd Kitscha erzählt, wie toll es sei, dass die Kinder immer auf einen zukommen. „Man wird ständig umarmt“, lacht der 2. Vorsitzende.

Wie groß die Hilfsbedürftigkeit in Pirpirituba ist, zeigt der große Andrang bei den Suppenküchen. Eigentlich waren die drei Einrichtungen so gedacht, dass die Kinder eine warme Mahlzeit vor Ort essen. Es sei aber so, dass die Kinder mit riesigen Töpfen kommen, um Essen für die ganze Familie zu holen. „Da ist immer so viel los, die stehen sogar bis zur Straße an“, erzählt Kitscha. Das Kochen übernehmen einige Jugendliche freiwillig. Zum Dank an die ehrenamtliche Hilfe, schaffte der Freundeskreis Musikinstrumente für die Jugendlichen an. Noch ist es so, dass die Suppenküchen zweimal die Woche geöffnet sind. „Es wäre ein Ziel, die kostenlose Suppe alle zwei Tage anzubieten“, sind sich die zwei Vorsitzenden einig.
Im Juli geht es für ein paar der Mitglieder des Freundeskreises nach Pirpirituba. Die Kosten tragen die Reiseteilnehmer selbst. Gerd Kitscha fliegt in diesem Jahr auch mit. Vor Ort nimmt der Verein die einzelnen Einrichtungen dann genau unter die Lupe. Wo ist etwas kaputt? Was muss noch angeschafft werden? Und was kann verbessert werden? Sind Fragen, die beantwortet werden sollen.

Immer an der Seite ein Dolmetscher. Mit Englisch komme man da unten nicht weiter, so Rotter. Auch er war bereits vier Mal vor Ort, um sich ein Bild von der Entwicklung zu machen. Geschockt berichtet er von den Behausungen. „Am Rand von Pirpirituba gibt es keine Häuser. Da wohnen die Menschen in Großfamilien in Lehmhütten.“ Trotzdem sei die Dankbarkeit und Herzlichkeit der Menschen einfach beeindruckend: „Die haben selbst nicht viel, geben einem aber immer etwas ab.“ Bei allen Besuchern erfuhr Franz-Josef Rotter immer eine enorme Freundlichkeit. Gerd Kitscha, der zum zweiten Mal nach Pirpirituba reist, erzählt, dass er auf seinen anderen Reisen schon viel Armut gesehen habe. Das war für ihn der Grund, Mitglied im Freundeskreis Pirpirituba zu werden. „Wir können nur punktuell helfen. Aber wenn ganz viele ein bisschen machen, ist schon viel gewonnen.“

Zum 25. Jubiläum richtet der Verein im Frühjahr 2018 ein Konzert mit heimischen Chören aus, die Veranstaltung sei aber noch in Planung. Der Freundeskreis bittet zudem um Hilfe bei sprachlichen Barrieren und sucht einen ehrenamtlichen Dolmetscher für die portugiesische Sprache. Gerd Kitscha bedauert, dass es teilweise lange dauert, bis E-Mails von der Ansprechpartnerin vor Ort übersetzt werden können.

Die Mitglieder des Vereins sind außerdem aufgerufen, ihre aktuellen E-Mail Adressen und Kontaktdaten dem 2. Vorsitzenden Gerd Kitscha an E-Mail: gerd@kitscha.de zukommen zu lassen.
Ein Artikel von Christine Schmidt

Bildergalerie: Ein Vierteljahrhundert voller Hilfe und Herzlichkeit