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Lennestadt, 14.01.2022

Rückblick auf Hochwasser am 14. Juli

Als die Flut kam: „Ich bekomme immer Gänsehaut, wenn ich davon erzähle“

Familie Starke aus Elspe war von dem Hochwasser im Juli 2021 betroffen.
Familie Starke aus Elspe war von dem Hochwasser im Juli 2021 betroffen.
privat
Elspe. Genau sechs Monate sind seit dem Tag, an dem das Hochwasser kam, vergangen. Sechs Monate, in denen für viele Familien noch immer nicht alles ist wie zuvor. Die Angst, Erinnerungen und auch einige Schäden sind geblieben. Auch Familie Starke aus Elspe hat noch immer damit zu kämpfen.

Sebastian Starke sitzt in seinem warmen, schönen Esszimmer. Im Wohnzimmer steht noch ein riesiger, geschmückter Weihnachtsbaum. Ein Stockwerk tiefer, im Untergeschoss, ein völlig anderes Bild: leere Räume, frisch verputzte Wände und ein Badezimmer im Aufbau. Hier hatten die drei kleinen Kinder ihre Zimmer. „Die Flut hat hier alles zerstört“, sagt Sebastian Starke.

Er erinnert sich genau an den 14. Juli. Er sah von seinem Haus aus die Wasseroberfläche der anliegenden Bächen „Elspe“ und „Bremker Bach“. „Das gab es noch nie“, weiß Sebastian Starke. Mit dem Pegel stieg die Nervosität, auch bei den Nachbarn. Niemand habe einschätzen können, was da auf einen zukommt.

Katastrophe drohte auch Elspe

Ein befreundeter Feuerwehrmann schilderte ihm am Telefon die katastrophale Lage in Oedingen. Durch den Anruf wusste Sebastian Starke, was in Elspe drohen würde. Denn das Haus der Familie steht am tiefsten Punkt im Ort. Die Einfahrt zur Garage samt anliegendem Untergeschoss nochmals viel tiefer als die Straße. Videos von jenem Nachmittag zeigen, wie die Wassermengen nur so die Einfahrt runterschießen und die Garage vollläuft.


„Wir haben nur noch versucht, uns und die Wohnräume zu schützen“, erzählt der 43-jährige Familienvater. Sandsäcke wurden in der gesamten Nachbarschaft gestapelt. Einige Gegenstände holte Sebastian Starke noch aus den Kinderzimmern. Zu dem Zeitpunkt waren die Kinder im Kindergarten und bekamen vom Hochwasser selbst nichts mit.

Feuertür hält Wassermassen nicht stand

Immer mehr Wasser kam. Irgendwann habe jeder gewusst: Sandsäcke bringen nichts mehr. Zusammen mit einem Bekannten stand Sebastian Starke im bewohnten Untergeschoss. „Es gab nur noch einen riesigen Knall“, erzählt der Familienvater angespannt. Die Feuertür zwischen Garage und Wohnraum konnte der Flut nicht mehr standhalten und brach. Das Wasser schoss nur so durch die Räume. Die zwei Männer konnten sich nur noch aus dem Fenster retten. „Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich davon erzähle.“

Familie Starke aus Elspe war von dem Hochwasser im Juli 2021 betroffen.

Eine ganze Etage war innerhalb von Sekunden zerstört. Fassungslos stand Sebastian Starke vor seinem Haus. 1,60 Meter hoch stand das Wasser in dem Zuhause der Familie.

Auch die Nachbarn traf es hart. „Wir hatten noch das Glück, dass wir in der oberen Etage wohnen konnten“, so Starke. Einige der Nachbarn mussten für einige Zeit sogar ihre Häuser verlassen, weil die Wohnräume zerstört waren.

Riesige Hilfsbereitschaft in ganz Elspe

130.000 Liter mussten aus dem Haus der Starkes gepumpt werden. Ob Feuerwehr, Landwirte, Freunde, Vereine und Dorfbewohner – die Hilfsbereitschaft sei riesig gewesen, erinnert sich Sebastian Starke. Sofort waren Helfer zu Stelle. „Es war unglaublich, wie viele Menschen angepackt haben und wie ein Dorf zusammengehalten hat. Dafür sind wir sehr dankbar.“


Direkt am Tag des Hochwassers kamen etliche Helfer - bekannte und auch unbekannte- nahmen sich Schüppen und halfen, den Dreck zu beseitigen. Sebastian Starke ist von dieser Solidarität im Ort noch immer beeindruckt und kann seine Dankbarkeit kaum in Worte fassen. Noch heute sind einige Gegenstände bei den Nachbarn gelagert, die ihre Räume sofort zur Verfügung stellten. “Es ist schön, wenn man in solchen Situationen nicht alleine ist und so viel Unterstützung bekommt„, so der 43-Jährige.

Auch die Stadt Lennestadt handelte sofort und stellte Container für die Mengen an Müll zur Verfügung. Auch die Aktion “Lennestadt hilft“ griff der Familie unter die Arme, was Sebastian Starke sehr zu schätzen weiß.

Familie Starke aus Elspe war von dem Hochwasser im Juli 2021 betroffen.

Und heute? Außerhalb des Hauses ist nichts mehr zu sehen. Und trotzdem ist der Alltag weiterhin eingeschränkt, weil die räumlichen Möglichkeiten fehlen. Zwei der Kinder müssen bei den Großeltern im Obergeschoss schlafen.


„Wann bekomme ich mein Zimmer zurück?“, ist wohl eine normale Frage. Um die Kinder zu schützen, wird nur wenig über das Hochwasser gesprochen oder die Kids in die Räume gelassen. „Sie sollen hier wieder schlafen und spielen können, ohne Angst zu haben“, sagt der 43-jährige Vater.

Komplette Sanierung nötig

Aktuell wird die Etage komplett saniert. Noch immer sind Spuren vom Schlamm zu sehen. „Manchmal öffnet man auch Kisten und findet dort noch Schlamm“, so Starke.

Erst vor zwei Jahren war die Etage fertig geworden. Jetzt muss man wieder von vorne anfangen. Die Räume werden nun anders gebaut, sicherer. Wände, die trocknen können, die dickste Feuertür, die möglich war, und Wassermelder werden für die Zukunft verbaut. Starke wünscht sich seitens der Stadt ein Konzept, wie die Wasserführung bei solchen Regenfällen geändert werden kann und hofft auf Ideen.

Denn die Angst, dass so etwas erneut passieren könnte, bleibt. Regnet es viel, beobachtet der 43-Jährige mit Argusaugen die Bachläufe. „So etwas darf nie wieder passieren“, sagt Sebastian Starke.

Ein Artikel von Christine Schmidt

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