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Lennestadt, Lennestadt-Maumke, 8. Juni 2015

Tag der offenen Tür des Kulturzentrums Maumke

Aleviten stellen sich vor

Der Vorstand des Alevitischen Kulturzentrum des Kreises Olpe mit Sitz im Maumke.
Der Vorstand des Alevitischen Kulturzentrum des Kreises Olpe mit Sitz im Maumke.
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Zum einem Tag der offenen Tür mit „Asure“ hatte für Sonntag das Alevitische Kulturzentrum des Kreises Olpe in Maumke geladen.

Aleviten? Asure? Die wenigsten wissen, wer genau hier im ehemaligen Gasthof Lämmerweide im Grafweg ein Zuhause gefunden hat. Dabei sind die Aleviten schon seit vier Jahren hier vor Ort und freuen sich über jeden, der an diesem Tag den Weg zu ihnen findet. Bektas Tezcan ist der Vorsitzende versucht zu erklären, was die Aleviten ausmacht. So beten Männer und Frauen nicht getrennt. Auch tragen die Frauen kein Kopftuch. Den Koran nehmen sie nicht wörtlich, sondern dem Sinn nach.
Ein Clown sorgte für die Kinderbelustigung.
Aleviten verehren ganz besonders Ali, Muhammads Cousin und Schwiegersohn, und seine Nachfolger, die zwölf Imame. Selbst darüber, ob sie sich Muslime nennen sollen, sind die Aleviten heute geteilter Meinung. Gewalt lehnen sie ab. Wichtig sind ihnen ein harmonisches Zusammenleben und die Bildung. „Ein Weg ohne Wissen endet in der Finsternis“, dieser Satz des Gelehrten Haci Bektas-i Veli aus dem 13. Jahrhundert hat an Aktualität für die Aleviten auch bis heute nichts verloren. „Unser Kulturzentrum ist ein eingetragener Verein, der auf die Norm- und Wertevorstellung des alevitischen Glaubens und somit auch auf demokratischen Werten basiert“, ist es Bektas Tezcan wichtig zu erklären. Schon 2009 gab es erste Überlegungen, einen Verein für die Aleviten im Kreis Olpe zu gründen. Rund 150 Familien leben hier.
Natürlich gab es auch ein „normales“ türkisches Buffet mit Lamhacun, Börek oder Baklava
„Damals gab es hier zwei Todesfälle und wir hatten keine Möglichkeit, eine Zeremonie nach unserer Kultur zu organisieren. Außerdem kam ein wachsendes Interesse bei den Jugendlichen hinzu, die Religion ihrer Eltern kennen zu lernen.“ So trafen sich engagierte Aleviten zunächst im Maumker Gebäude der AWO um im April 2009 den Verein zu gründen. Zunächst schlossen sich ihm 42 Familien an, heute zählt der Verein rund 50 Familien als Mitglieder. Anfangs war man im Bamenohl z Hause, bevor man im Sommer 2010 im Maumker Grafweg eine Heimat fand. Gemeinsames Singen, Vorlesungen über das Alevitentum, Bildungsseminare, Konzerte, Frauenkegeln, Vermitteln der alevitischen Werte oder gemeinsames Frühstücken sind nur eine kleine Auswahl des Angebotes im Kulturzentrum.
Bektas Tezcan zeigt die Ausre. Diese Süßspeise durften alle Gäste beim Tag der offenen Tür probieren.

Und was ist Asure? „Das ist eine Süßspeise aus vorislamischer Zeit“, erklärt Bektas Tezcan, „Sie besteht aus zwölf Zutaten wie Nüssen, Graupen und getrockneten Früchten. Die Zutaten werden einzeln gekocht und dann vermischt. „Die Bezeichnung Asure kommt vom arabischen Wort „Aschara“ mit der Bedeutung „zehn“. Nach der islamischen Zeitrechnung wird die Süßspeise am zehnten Tag des arabischen Monats Muharram zubereitet und an Nachbarn und Freunde verteilt. Nach islamischem Volksglauben geht dieser Brauch zurück auf Noah. Man glaubt dass er, nachdem die große Sintflut vorüber war und er wieder festen Boden betreten hatte, mit den letzten Resten seiner Vorräte ebendiese Süßspeise zum ersten Mal zubereitete und mit den Überlebenden der Arche als Festmahl verspeist hat.“
Bektas Tezcan (re), Vorsitzender des Alevitischen Kulturzentrums des Kreises Olpe freute sich Dede Celal Cömert begrüßen zu können. Er gilt als direkte Nachkommen der Familie des Propheten Ali.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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