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Kreis Olpe, 28. April 2018

Prof. Beutelspacher im Interview

Wissenschaftler: „Angst macht Mathe zum Lernkiller“

Mathematiker und
Mathematiker und "Magier": Albrecht Beutelspacher von der Uni Gießen.
Foto: Rüdiger Kahlke
Olpe. Zahlen, Formeln, geometrische Figuren. Für viele ist Mathematik ein Buch mit sieben Siegeln. Dieses Buch interessant zu präsentieren, es zu entschlüsseln, ist das Ziel von Prof. Albrecht Beutelspacher. Der Wissenschaftler präsentierte seine „Mathematischen Experimente“ am Montag an der Sekundarschule Olpe. LokalPlus-Mitarbeiter Rüdiger Kahlke sprach mit ihm über die Bedeutung der Mathematik und warum sie für viele in der Schule ein Horrorfach war oder ist.

Mädchen haben die besseren Abschlüsse. Aber: Jungen gelten als die besseren Mathematiker. Warum?

Natürlich haben die Jungs irgendwelche Felder besetzt. Sie sind die Nerds. Die Mädchen sind, glaube ich, radikaler in ihren Entscheidungen. Sie sagen: Will ich mir dieses abstrakte Zeug antun oder nicht? Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass Mädchen und Jungs gleichermaßen für Mathematik begabt sind.

Was die Zahl der Studienanfänger angeht, rangieren die Bereiche Mathematik/Naturwissenschaften an vierter Stelle. Dabei bieten diese Fächer doch große Chancen. Woran liegt das?

Noch viel schlimmer ist es, wenn man sich die Absolventen-Zahlen ansieht. Die sind nämlich dramatisch geringer – sehr viele Abbrecher, weit über 50 Prozent. Ich verstehe es schon, woher das kommt, weil sich viele Kollegen einfach nicht um die Lehre kümmern. Wir könnten viel, viel mehr junge Leute gewinnen, wenn wir attraktive, ihnen zugewandte Veranstaltungen machen würden.

Warum ist Mathe denn so ein Horrorfach für viele?

In Mathematik ist viel, viel mehr als in jedem anderen Fach klar, was ist richtig und was ist falsch. Das ist eine unglaublich scharfe Grenze, was zunächst etwas Gutes ist. Ich kann richtig und falsch unterscheiden. Aber es scheint so zu sein, dass dadurch der Lehrer, ob er es will oder nicht, dadurch der Herr über richtig oder falsch wird. Und das erzeugt Macht, und Macht erzeugt Angst, und Angst ist ein Lernkiller.
 Wie kann man das Fach denn interessant machen?

Indem man es öffnet.

Das heißt?

In verschiedener Weise. Man kann versuchen, die Umwelt mit einzubeziehen. Heute ist Anwendung ein großes Thema. Aber man kann auch Knobelaufgaben, man kann Experimente machen. Es gibt nicht den einen Weg. Aber ich glaube, wir müssen uns davon wegbewegen, dass wir ganz stark Algorithmen-Verfahren lernen, um dann irgendwelche Klausuren zu bestehen. Man muss das Fach öffnen, sodass es was mit mir zu tun hat. Ich glaube, dahin müssen wir kommen.

Es ist ja in Deutsch auch so: Nicht jeder Schüler mag Kommaregeln oder Rechtschreibung. Aber dann liest man hoffentlich noch irgendetwas, und dann liest man Hermann Hesse. Ach: Das ist genau so‘n Typ wie ich. Das ist auch keine Garantie, aber ist wenigstens die Chance zur Identifizierung. „Schule ist ein unglaublich träges System“ Sind die Hochschulen darauf eingestellt, angehende Lehrkräfte entsprechend auszubilden?

Die Mathe-Didaktik an den Hochschulen ist meiner Beobachtung nach im Durchschnitt sehr gut aufgestellt. Da ist klar erkannt, was ist Sache, was soll ich machen? Und es wird auch gelehrt. Aber Schule ist ein unglaubliches träges System. Bis sich da Neuerungen, die von der Basis kommen, durchsetzen, dauert es einfach.

Was können die Akteure im Bildungssystem beitragen, um das Fach aufzuwerten und interessanter zu machen?

Lehrkräfte könnten schon, indem sie nicht nur auf die Verfahren achten, sondern wirklich das Fach öffnen, Lebenswelt-Bezüge anbringen, auch interessante Anwendungen erzählen auch manchmal  von ihrer Begeisterung für die Mathematik erzählen. Damit könnten sie vieles erreichen. Computer ist auch etwas Wichtiges. Digitales lernen, das viel autonomer, individueller passieren kann. Ich kann meine Geschwindigkeit bestimmen. Das ist auch nicht die Lösung aller Probleme, aber es ist eine Komponente, die dazu beitragen kann.

Fast jeder hat ein Smartphone, auf dem er alltägliche Dinge ausrechnen kann. Wozu braucht es überhaupt noch Mathe?

Mathematik ist ein riesiger Arbeitsmarkt, den wir mit unseren Absolventen überhaupt nicht bedienen können. In unglaublich vielen Firmen, Banken, Versicherungen, Logistik- und Kommunikationsunternehmen sind Mathematiker auch an entscheidender Stelle tätig. Nicht um Mathematik zu machen, sondern weil sie klar und schlüssig denken können. Es gibt die formale Mathematik. Wenn sie Gesetze verstehen wollen, müssen sie Mathematik können: wie Rente berechnet wird, wenn sie ihre Gehaltsberechnung verstehen wollen.

Ich glaube, für den normalen Menschen ist es auch die Umwelterschließung. Ich sehe hier die Stuhlreihe, das ist Mathe. Wenn ich den Tisch decke. In ganz vielen Fällen, wo wir Ordnungsstrukturen haben, ist es im Grunde Mathematik. „Du musst an der richtigen Stelle aufhören“ Was war für Sie der Anlass, Mathe in den Fokus zu rücken und das Fach interessant zu machen?

Meine erste Entscheidung war, Mathematik zu studieren. Und dann habe ich auch eine super Lehrerin gehabt. Aber ich hatte schon immer auch unabhängig von Mathematik das Bedürfnis, wenn ich etwas verstanden habe und mir etwas gefallen hat, das auch weiter zu geben. Das hab ich immer mal wieder versucht und hab alle möglichen Formate probiert und manchmal auch in meiner Lehrtätigkeit mal wieder etwas Verrücktes zu machen. Da gewinnt man mit der Zeit auch die Erfahrung, was kommt gut an und welche Art von Mathematik kannst du ´rüberbringen.

Ganz wichtig finde ich auch die Erkenntnis: Du musst auch an der richtigen Stelle aufhören. Die Menschen schenken mir eine Stunde ihres Lebens, und ich erzähle denen über Mathematik, und da sollten sie ein angenehmes Gefühl mitnehmen.

Wäre das Überflüssige wegzulassen nicht auch ein Ansatz für die Schulen? Wer braucht schon Gleichungen mit mehreren Unbekannten?

Es gibt viele Studiengänge, die heute Mathematik-durchdrängt sind. Es ist erstaunlich viel, wo man Mathematik braucht. Das ist vielleicht nicht ein innerer Grund Mathematik zu machen, aber man tut sich schon leichter an der Uni, wenn man keine Angst vor x-Quadrat hat.
Ein Artikel von Rüdiger Kahlke

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