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Kreis Olpe, 01. September 2017

Diskussionsrunde mit Kliniken und Politikern in Siegen

Stärkere Vernetzung in der psychiatrischen Versorgung gefordert

Chefärztin Doktor Christine Menges (2. von rechts) und ihr Siegener Kollege Doktor Heiko Ullrich erläuterten Nezahat Baradari (SPD), Ingeborg Mohr-Simeonidis (Die Linke) und Michael Färber (Fachbereichsleiter für Jugend, Gesundheit und Soziales, Kreis Olpe) die Herausforderungen in der psychiatrischen Versorgung.
Chefärztin Doktor Christine Menges (2. von rechts) und ihr Siegener Kollege Doktor Heiko Ullrich erläuterten Nezahat Baradari (SPD), Ingeborg Mohr-Simeonidis (Die Linke) und Michael Färber (Fachbereichsleiter für Jugend, Gesundheit und Soziales, Kreis Olpe) die Herausforderungen in der psychiatrischen Versorgung.
Foto: privat
Kreis Olpe/Siegen. Die psychiatrischen Abteilungen der DRK-Kinderklinik Siegen, des Siegener Kreisklinikums und des St. Martinus-Hospitals in Olpe hatten die regionalen Bundestagskandidaten und jeweiligen Landräte zu einer ausführlichen Gesprächsrunde ins Kreisklinikum Siegen eingeladen. Dort wurde am Donnerstag, 31. August, über psychische Erkrankungen diskutiert.

17,8 Millionen Erwachsene erkranken in Deutschland jedes Jahr an einer psychischen Störung. Das sind genauso viele Erkrankungen wie NRW Einwohner hat. Damit gehören psychische Erkrankungen in Deutschland zu den häufigsten Krankheitsbildern. Diese beschränken sich nicht nur auf Erwachsene, auch immer mehr Kinder und Jugendliche sind betroffen. Dabei hat zum Beispiel eine Erkrankung wie die Angststörung viele Gesichter. Mindestens 110 unterschiedliche Phobien sind bekannt - von der Agora- bis zur Zoophobie. Konkrete Hilfe anbieten zu können, ist schwierig.

Nahezu alle Vertreter der etablierten Parteien folgten der Einladung. Nach einem Rundgang über die Psychiatrische Station, den Patientengarten und die Gerontopsychiatrie in Weidenau diskutierten die Chefärzte Doktor Christine Menges, Doktor Beate Stocks und Doktor Heiko Ullrich zusammen mit den Geschäftsführern der Kliniken und der politischen Vertreter über die aktuelle Situation der psychiatrischen Versorgung sowie die zukünftigen Herausforderungen sowohl auf regionaler als auch auf Bundesebene. Ziel: Probleme aufzeigenZiel der Veranstaltung war es seitens der regionalen Versorger sowie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN), für die ansonsten eher nicht so in der Öffentlichkeit stehenden Krankheitsbilder vor der Bundestagswahl noch einmal die aktuellen Probleme aufzuzeigen und klare Wünsche gegenüber der Politik zu formulieren. So wünschen sich die Chefärzte der Kliniken in Weidenau, auf dem Wellersberg und in Olpe vor allem, dass der Bedeutung psychischer Erkrankungen mehr Rechnung tragen wird.
Chefärztin der Olper Psychiatrie, Doktor Christine Menges (siebte von rechts) und Geschäftsführer Johannes Schmitz (ganz links) diskutierten mit ihren Siegener Kollegen und Politikern über die psychiatrische Versorgung in den Kreisen Siegen und Olpe.
Die Forschung in dem Bereich soll langfristig und strukturell gefördert werden, um psychischen Erkrankungen mit geeigneten Maßnahmen aktiv vorzubeugen und betroffenen Personen schnell bezieungsweise zeitnah Behandlungsangebote machen zu können. Konsens und Wunsch der Gesprächsteilnehmer war es, psychisch erkrankte Patienten nicht vom öffentlichen Leben auszugrenzen, sondern ganz bewusst eine gesellschaftliche Teilhabe sicherzustellen. Starre Sektorengrenzen in der Kritik Deutlich wurde dabei, dass dies nur mit einer notwendigen Personalfinanzierung und der Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen gelingen kann. Insbesondere die starren Sektorengrenzen kritisierten die Teilnehmer. Sie fordern zum Wohle der Patienten eine enge und finanzierte Vernetzungsmöglichkeit von ambulanten und stationären psychiatrischen Angeboten.Statements der Teilnehmer/Parteivertreter aus dem Kreis Olpe:Doktor med. Christine Menges, Chefärztin der Klinik für Psychiatrie am St. Martinus-Hospital, Olpe:
  • „Gute psychiatrische Versorgung kann bei steigendem Bedarf nur auf fachlich hohem Niveau in respektvollen Rahmenbedingungen gelingen, wenn Sektorengrenzen fallen, Krankenkassen nicht mehr die Rahmenbedingungen für die Behandlung diktieren und Bürokratieabbau betrieben wird.“
Nezahat Baradari - SPD:
  • „Die Psychiatrie muss aus der Tabuzone heraus. Ein toleranter und bewusster Umgang mit psychischen Erkrankungen ist notwendig. In den letzten 12 Jahren ist das auf dem gesundheitspolitischen Sektor verschlafen worden. Wir brauchen eine nationale Allianz unter Beteiligung von Experten aus dem Bereich der Politik, Medizin, Pflege, Institutionen, Patientenvertreter, Therapeuten und Betreuungskräfte sollten daran beteiligt werden. Insbesondere die Diagnostik, Therapie und Prävention der psychischen Erkrankungen sollte unter Hinzuziehung der Fach- und Forschungsgesellschaften erfolgen.“
Johannes Vogel - FDP:
  • „Psychische Erkrankungen gehen uns alle an und können jede Familie treffen. Sie leisten hier wichtige Arbeit. Daher sind wir politisch gefordert, durch richtige Schwerpunktsetzung zu unterstützen. U. a. durch eine bessere Klinikfinanzierung auf Landesebene, als auch durch Maßnahmen gegen den Pflegefachkräftemangel.“
Ingeborg Mohr-Simeonidis – Die Linke:
  • „Jeder kämpft ausschließlich für seine Organisation. Alle Beteiligten inkl. der kassenärztlichen Vereinigung und Krankenkassen müssen zu solidarischer Sichtweise verpflichtet und dann an der Entwicklung von Gesamtlösungsansätzen beteiligt werden.“
Christian Hohn - Die Grünen:
  • „Ich denke, dass die Bürgerversicherung die Sicherstellung nicht nur der notwendigen Finanzierung für eine moderne psychische Behandlung und Versorgung ist. Wichtig ist mir auch die Einbeziehung der Selbsthilfe und die Entwicklung hin zu einem selbsthilfefreundlichen Gesundheitswesen.“
Michael Färber, Fachbereichsleiter für Jugend, Gesundheit und Soziales – Kreis Olpe:
  • „Im Kreis Olpe sollten festgestellte Versorgungsbedarfe wie z. B. ein tagesklinisches Angebot für die Kinder- und Jugendpsychiatrie, insbesondere von den Krankenkassen als Kostenträger ernst genommen und befriedigt werden. Wir brauchen sektorenübergreifende Analysen und Lösungen!“
(LP)

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