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Kreis Olpe, 09. März 2019

Aus der Sicht einer Schülerin- Lea Engelbrecht bloggt für LokalPlus

Schule schwänzen im Kampf für unsere Zukunft?

Jugendliche setzen sich dafür ein, dass die Menschen auch in Zukunft die Natur möglichst ursprünglich erleben können.
Jugendliche setzen sich dafür ein, dass die Menschen auch in Zukunft die Natur möglichst ursprünglich erleben können.
Symbolfoto: Sven Prillwitz
Kreis Olpe. Für diesen Blog suche ich immer nach Themen, die meine Leser hoffentlich interessieren und gut zum Thema „Welt der Jugendlichen“ passen. Als ich diesen Text geplant habe, bin ich über etwas gestolpert, das offensichtlicher nicht hätte sein können.

Die momentan wohl in den Medien am prominentesten vertretene Jugendliche ist Greta Thunberg, 16 Jahre alt und aus Schweden. Vor ungefähr einem halben Jahr begann sie, jeden Freitag vor dem Stockholmer Reichstag für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Mit „Fridays for Future“ hat sie eine weltweite Bewegung angestoßen.Jugendliche wollen die Zukunft rettenIm Prinzip ist es eine einfache Sache: Statt freitags wie gewohnt in die Schule zu gehen, protestieren weltweit Tausende Jugendliche für unseren Planeten, für unsere Heimat, die aber gleichzeitig die Heimat vieler vor uns war und eine Heimat für alle nach uns bleiben soll. Forderungen sind unter anderem ein schneller, vollständiger Umstieg auf erneuerbare Energien, die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens, aber auch die Absenkung des Wahlrechts auf 16 Jahre.

Nach der Meinung der Demonstrierenden zerstörten die Politiker, die nichts gegen die Klimakrise tun, ihre Zukunft.  Um Greta Thunberg zu zitieren: „Warum soll ich für eine Zukunft lernen, die es bald vielleicht nicht mehr gibt, wenn niemand etwas tut, um sie zu retten?“ Regelverstoß für AufmerksamkeitSo schön, so gut. Doch der Haken an der Sache ist, dass die Schüler die in den meisten Ländern vorhandene Schulpflicht verletzen.  Rechtlich gesehen handelt es sich bei den geschwänzten Tagen um unentschuldigte Fehlstunden. Auch die meisten Politiker und Lehrer meinen, dass die Schüler doch lieber in ihrer Freizeit demonstrieren sollten.

Das Argument der Schüler an dieser Stelle lautet aber, dass sie und ihre Forderungen gerade durch den Regelverstoß die Reichweite bekommen, die sie benötigen. Wie man sieht, hat das bisher gut funktioniert. Egal, wie man zu dem Thema steht, nahezu jeder hat mittlerweile etwas von „Fridays for Future“ mitbekommen und die nötige Medienpräsenz hat das Projekt jetzt auch. Beide Seiten der Medaille betrachtenWie sehe ich das alles? Ganz ehrlich, ich bin skeptisch. Den Ansatz finde ich sehr gut, denn es ist an der Zeit, an meine und auch an die nachfolgenden Generationen zu denken. Würden alle Länder so viele Ressourcen verbrauchen wie Deutschland, benötigten wir drei Erden. Man muss nicht gut in Mathe sein, um zu verstehen, dass das auf Dauer so nicht aufgehen kann.

Ich finde es gut, dass die Jugendlichen versuchen, etwas zu verändern, denn Engagement und Zusammenhalt sind wichtige Werte. Und sie kämpfen schließlich für unsere Zukunft.   Doch man muss dieses wichtige Thema in einem größeren Zusammenhang sehen als „nur“ das Schule schwänzen am Freitag. Selbstverständlich erreichen die Aktivisten mehr Aufmerksamkeit, wenn sie gegen Regeln wie die Schulpflicht verstoßen.Das restliche Leben muss passenDoch meiner Meinung nach muss auch das restliche Leben dazu passen. Ist es nicht eine Form von Selbstbetrug, wenn man jeden Freitag für mehr Klimaschutz kämpft, aber dann selbst kleinste Strecken mit dem Auto oder Roller fährt, regelmäßig zu McDonalds geht oder in den Ferien weite Flugreisen  macht? Oder wenn man jährlich ein neues Handy haben muss?

Dieser Artikel soll kein Fingerzeig auf die „schlechte Jugend“ sein. Ich finde es gut, dass das Engagement existiert und so das Klischee der faulen und antriebslosen Jugendlichen zumindest teilweise widerlegt wird.  Doch wer sich mit seinem Kampf für den Klimaschutz rühmt, weil er an den Demonstrationen teilnimmt, sollte sich vielleicht ganz besonders fragen, ob diese Einstellung sich auch im eigenen Alltag so wiederfindet.
Ein Artikel von Lea Engelbrecht

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