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Kreis Olpe, Finnentrop-Lenscheid, 22. Mai 2016

Reportage: Mit der Polizei auf Motorradfahrer-Kontrolle

Zahlreiche Motorradfahrer wurden auch an diesem Wochenende wieder kontrolliert
Zahlreiche Motorradfahrer wurden auch an diesem Wochenende wieder kontrolliert
Fotos: Barbara Sander-Graetz

Der Post von Sascha Rathjen aus Freienohl auf Facebook über „Mein heutiger Dank geht an meinen Freund Norman“ entwickelt sich zu einem Renner. Schon über 500 Mal geteilt und fast 1000 Likes zeigen, die Gedanken, die sich Sascha Rathjen zu dem Kreuz am Straßenrand Richtung Wildewiese macht, treffen den Nerv vieler User. Norman ist bei einem Motorradunfall gestorben.

Auch für die Polizei ist die Strecke zwischen Rönkhausen und Wildewiese eine echte Problemstrecke. Besonders bei gutem Wetter wird der kurvenreiche Abschnitt gern als Rennstrecke missverstanden. Das einzige was hilft, sind Kontrollen. Daher waren die Beamten im Rahmen des Projektes „Netzwerk Krad“ auch am Sonntag unter anderem auf dieser Strecke im Einsatz. Die Leitung liegt in den Händen von Polizeihauptkommissar Hans-Jürgen Schüttler. Auf dem Weg zu seinen Kollegen vor Ort hat er zunächst einmal ein paar erschütternde Zahlen. 97 Kradunfälle gab es im Kreis im vergangenen Jahr. Dabei wurden 73 Menschen verletzt. „Bis jetzt sind es schon sieben Unfälle und dabei fängt die Saison erst jetzt an“, weiß der erfahrene Polizist.Zwei Personenkreise bei KradunfällenAn diesem Sonntag ist es verhältnismäßig ruhig. Die Wetterprognosen waren schlecht. Doch es bleibt an diesem Nachmittag trocken und so fahren noch einige los. „Es gibt zwei Personenkreise, die häufig in Kradunfälle verwickelt sind“, weiß Schüttler aus Erfahrung. „Da sind die Raser, die oftmals Unbelehrbaren. Dann kommen die Wiedereinsteiger. Sie sind vor vielen Jahren gefahren, haben dann das Motorrad abgeschafft, da Familie, Haus und Kinder im Vordergrund standen. Jetzt sind die Kinder aus dem abbezahlten Haus und sie steigen wieder auf das Motorrad. Doch sie sind aus der Übung, die Maschinen sind groß und die Fahrer überschätzen sich einfach in ihren Fähigkeiten.“

Am Lenscheid sind heute fünf Beamte im Einsatz. Einer fährt auf einem zivilen Motorrad und kann die Verstöße direkt filmen. Zwei Polizisten sind auf Polizeimotorrädern an der Strecke und in der Mitte stehen versteckt zwei Beamte mit der Laserpistole und messen die Geschwindigkeit. Diese Aufgabe haben heute Josef Besting und Martin Bankstahl übernommen. Langeweile kommt bei ihnen nicht auf. Obwohl sich die Kontrollen in den sozialen Netzwerken blitzschnell verbreitet haben, wird immer wieder im Überholverbot an Fahrzeugen vorbeigezogen und die 70 km/h ist für manche auch nur eine Empfehlung ohne Bindung.

An der Kreuzung Wildewiese wartet Polizist Dirk Wiederhoft mit seinem Motorrad. Seit 35 Jahren ist er auf der Straße mit dem Motorrad unterwegs und weiß: „Das Wetter ist entscheidend. Bei Sonnenschein wird hier gerast.“ Er zieht die Raser aus dem Verkehr, die von seinen Kollegen per Laserpistole erwischt wurden. „Manche zeigen Einsicht, mit manchen hat man auch Mitleid. So wie mit dem Fahrer, der die ganze Zeit hinter einem Auto mit Tempo 40 herfährt, dann überholt und erwischt wird, weil Überholverbot ist. Aber da herrscht bei uns null Toleranz, denn bei einem Unfall hilft auch kein: ja, aber ich wollte doch nur.“ Zahlreiche Verkehrsteilnehmer erhalten Strafen Neben der Strecke am Lenscheid wird an diesem Sonntag auch noch in Wenkhausen, in Kirchhundem und Lennestadt kontrolliert. In Hohenhagen steht mit Ralf Schnell und Martin Beckmann ein Team der Verkehrssicherheitsberatung und betreibt Präventionsarbeit. Die Bilanz am Ende des Tages: 236 Autofahrer müssen ein Verwarnungsgeld zahlen, 21 bekommen eine Anzeige und der Fahrer, der in Welschen Ennest mit 90 km/h in der geschlossen Ortschaft unterwegs war, muss sich erst einmal von seinem Führerschein trennen.

Bei den Motorradfahrern bekommen neun Fahrer ein Verwarngeld und sieben eine Anzeige. Am Lenscheid selber wurde zwölf Mal das Überholverbot missachtet, darunter von acht Bikern. Hier gab es außerdem sechs Anzeigen wegen überhöhter Geschwindigkeit und den Tagesrekord hält bei den Kradfahrern ein Biker, der in Wenkhausen anstatt der erlaubten 50km/h mit 94 km/h unterwegs war. Auch er wird in Zukunft ohne sein Bike unterwegs sein.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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