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Kreis Olpe, Attendorn, 24. März 2016

Landwirte demonstrieren vor Lidl / Neue Verhandlungen

Protest gegen den Preisverfall

Bauern protestieren gegen Preisverfall
Fotos: Barbara Sander-Graetz
„Wir machen Dein Frühstück – Aber wir können davon nicht leben!“: Mit diesem Slogan haben 16 Landwirte aus der Region am Mittwochmorgen vor dem Lidl-Markt in Attendorn gegen den Preisverfall ihrer Produkte bei sogenannten Discountern demonstriert. Damit beteiligten sie sich an einer bundesweiten Protestaktion des Bauernverbands.

Zwei Brötchen, ein Croissant, Butter, Marmelade, Käse, Wurst, Schinken, Müsli, ein Ei, Marmelade und Milch für den Kaffee: Von diesem großen Frühstück landen gerade einmal 1,07 Euro beim den Landwirten, rechneten sie vor. „Das ist definitiv zu wenig, um zu überleben“, erklärte Josef Geuecke, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Olpe im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband. Landwirte erhalten nach seinen Angaben heute im Durschnitt nur noch 22 Prozent von dem, was Verbraucher an der Ladenkasse ausgeben. Bei Brot und Co. seien es sogar nur noch fünf Prozent.

Dabei sind die Verbraucher durchaus bereit mehr zu zahlen für die qualitativ hochwertigen Produkte aus der heimischen Landwirtschaft. Das zeigte sich bei den vielen Gesprächen, die die Bauern vor Ort mit Kunden des Discounters führten. „Doch wir richten uns heute nur in zweiter Linie an den Kunden“, erklärte Landwirt Peter Arens aus Weringhausen. „Wir wollen den Lebensmittelhandel auf unsere Situation aufmerksam machen, denn es stehen neue Preisverhandlungen an.“ Vier Unternehmen geben den Ton an Immerhin teilen sich vier große Unternehmen rund 85 Prozent des Marktes auf – und sie bestimmen die Preise. „Da steht man sonntags morgens in der Kuhscheiße und weiß, man arbeitet, aber verdient kein Geld“, sagte Bauer Michael Richard aus der Pettmecke. „Dabei kann natürlich auch der Verbraucher etwas durch sein Einkaufsverhalten ändern.“ Das geht ganz einfach bei der Milch. Kauft der Kunde die billige Discountermilch, kommen bei den Bauern maximal 25 Cent pro Liter an. „Würde der Verbraucher beispielsweise teurere Milch kaufen, bekommt auch der Bauer mehr. Ich verkaufe meine Milch an ,Landliebe´“, erzählt Michael Richard, „da bekomme ich einen Cent mehr pro Liter. Das macht für mich im Jahr rund 4000 Euro mehr Einnahmen, und das ist für mein landwirtschaftliches Unternehmen eine Menge Geld“.

Rund 30 Prozent mehr müssten die Bauern für Milch, Schweinefleisch und Getreide einnehmen, um zumindest „zurechtzukommen“. Das bedeutet in Zahlen beispielsweise: 17 Cent statt 13 Cent für ein Kilo Schweinfleisch. Ein kleiner Schritt für den Verbraucher, ein großer für die Landwirte.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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