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Kreis Olpe, Kreis Olpe, 8. März 2016

Verkauf von Pfefferspray und Schreckschusspistolen auf Rekordhoch

Polizei sieht zunehmende Bewaffnung mit Sorge

Polizei sieht Trend zur Waffe mit Sorge
Symbolfoto: Nils Dinkel
Seit den Übergriffen auf Frauen in Köln in der Silvesternacht bewaffnen sich immer mehr Bürger: Bei der Kreispolizeibehörde Olpe seien so viele Anträge auf einen kleinen Waffenschein wie noch nie zuvor gestellt worden, sagt Michael Kopsan, Opferschutzbeauftragter der Polizei. Zudem sei Pfefferspray zwischenzeitlich ausverkauft gewesen. Die zunehmende Bewaffnung bereitet der Polizei insbesondere wegen der erhöhten Risiken für den Träger der Waffe Sorgen.

Das hat laut Kopsan zwei Gründe. Zum einen die Aufregung in einer Extrem- und ungewohnten Situation, in der eine Person bedroht wird. „In solchen Momenten sind die wenigsten Menschen Herr ihrer Sinne und müssen dann auch noch erst eine Waffe hervorholen, die oft genug in der Handtasche mitgeführt wird“, sagt der Polizist. Und warnt vor der großen Gefahr, dass die Waffe auch in die Hände des Täters gelangen und sich die Situation für das Opfer dadurch noch verschlimmern könnte.

Außerdem seien Besitzer einer Schreckschusspistole oder von Reizgassprühgeräten oftmals überhaupt nicht mit der Anwendung vertraut, sondern setzten in Notsituationen allein auf den abschreckenden Effekt. „Es besteht also die Gefahr, dass sich der Träger einer Waffe auch noch selbst verletzt“, so Kopsan. Der Opferschutzbeauftragte der Polizei sieht die Tendenz zur kleinen Waffe insbesondere bei den Schreckschusspistolen daher „mit gemischten Gefühlen“. „Falsches Sicherheitsgefühl“ Statt sich zu bewaffnen, sollte „man die Augen aufhalten, sensibel für die Situation sein und den gesunden Menschenverstand benutzen“. Auf diese Wiese ließen sich Gefahrensituationen rechtzeitig erkennen und vermeiden, erklärt der Polizist. Frauen empfiehlt er außerdem, insbesondere abends und nachts in Gruppen oder zumindest zu zweit unterwegs zu sein.

Auch Elvira Schmengler warnt vor einem „falschen Sicherheitsgefühl“: Wenn Mädchen und Frauen sich bewaffneten, sei das eher kontraproduktiv, so die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Olpe. Generell sei Hysterie auch nach den Vorfällen von Köln unangebracht, sagt Schmengler. Hilfreicher als das Tragen einer Waffe sei vielmehr, an Kursen zur Selbstverteidigung teilzunehmen. Hierbei lernten Mädchen und Frauen, sich zur Wehr zu setzen, vor allem aber, selbstbewusst aufzutreten. Und das wirke häufig abschreckend genug auf Täter, weil diese sich in der Regel auf „schwache Opfer“ konzentrierten. (LP)
Der kleine Waffenschein
Der kleine Waffenschein berechtigt den Inhaber dazu, eine Schreckschusspistole mit sich zu führen. Mit dieser lassen sich – im Unterschied zu einer Schusswaffe – keine Projektile abfeuern, sondern Reizgas und Kartuschenmunition. Pfefferspray dagegen dürfen Personen ab 14 Jahren ohne Waffenschein mit sich führen, sofern das Reizstoffsprühgerät mit einem Prüfsiegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) versehen ist. (pri)
Ein Artikel von Sven Prillwitz

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