Milchbauern schlagen Alarm

Diskussionen über Preise und Mengen bei WLV-Veranstaltung


Die Milchbauern sehen sich durch niedrige Preise teilweise in ihrer beruflichen Existenz bedroht.
Die Milchbauern sehen sich durch niedrige Preise teilweise in ihrer beruflichen Existenz bedroht.

Mehr als 750 Bauern folgten der Einladung der WLV-Milchausschüsse (Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband) zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung in der Reister Schützenhalle in Eslohein. Daran nahmen auch die Teams des Bundes deutscher Milchviehhalter (BDM) teil, um die Vorschläge zur Reaktion auf das anhaltende Preistief für Milcherzeuger zu diskutieren. Die Richtung war durch das Motto des Abends bereits vorgegeben: Motto: „Der Milchmarkt brennt!“


Die Landwirte kamen überwiegend aus Südwestfalen, aber auch aus dem Münsterland und aus dem benachbarten Oberbergischen Kreis. Prominenteste Redner waren WLV-Vizepräsident Wilhelm Brüggemeier und BDM- Vorsitzender Romuald Schaber. Dem Vorschlag des BDM zur staatlich gelenkten Mengenbegrenzung durch ein „Marktverantwortungsprogramm“ setzte Brüggemeier die Arbeit des Bauernverbandes entgegen, die sowohl auf politischem Wege auf die Erschließung größerer Märkte weltweit setzt, als auch den Einzelhandel in Deutschland stärker mit in die Verantwortung nehmen, die Erzeuger angemessen zu bezahlen. Denn dass die zu große Menge den Preis der Milch am Markt drücke, war eindeutiger Konsens der Versammlung. Gastredner Berthold Hungenbach von der Molkerei "Campina" machte deutlich, dass die zeitweise Mengenbegrenzung Anfang des Jahres durch seine Molkerei zwar möglich gewesen sei und deutlich zu einer Reduzierung der Menge geführt habe, aber sehr kostenträchtig und daher kein dauerhaftes Instrument sei.
„Hohe Produktionskosten“
Peter Hettlich vom NRW-MKULNV bemängelte aus Sicht des Landwirtschaftsministeriums in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer, dass viele Milchviehbetriebe deutlich zu hohe Produktionskosten hätten und diesen mit einer Beratungsinitiative begegnet werden solle. Man konnte sich zwar am Ende des Abends im sauerländischen Reiste auf keine gemeinsame Vorgehensweise einigen - deutlich war aber das Signal aller Milchbauern, dass sie „kein Geld mehr haben“ und dringend Hilfe von außen brauchen. Das hatte Milchbauer Brüggemeier bereits eingangs drastisch formuliert: „Die Situation ist deshalb auch so belastend für Familien, weil man an seinen persönlichen betrieblichen Entscheidungen zu zweifeln beginnt.“ (LP)
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