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Kreis Olpe, Kreis Olpe, 8. Juli 2015

Kreis Olpe verliert 12.000 Einwohner

Drolshagen verliert laut einer Studie der Bertels-Stiftung am wenigsten Einwohner im Kreis Olpe.
Drolshagen verliert laut einer Studie der Bertels-Stiftung am wenigsten Einwohner im Kreis Olpe.
Luftbild: Matthias Clever
Weniger, älter, bunter: Der demografische Wandel schlägt nach einer am Mittwoch, 8. Juli, vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung bis 2030 voll durch. Nordrhein-Westfalen wird in den nächsten 15 Jahren rund 480.000 Einwohner verlieren. Besonders hart trifft es ländliche Regionen wie den Kreis Olpe.

Der Kreis Olpe verliert bis 2030 rund 12.000 Einwohner. Das entspricht der derzeitigen Bevölkerungszahl von Kommunen wie Drolshagen oder etwa Kirchhundem. Dies zeigt eine Bevölkerungsprognose aus dem Datenportal „Wegweiser Kommune“ der Bertelsmann-Stiftung.

Für die Studie haben die Forscher die zahlenmäßige Entwicklung der Bevölkerung für Städte und Gemeinden ab 5.000 Einwohner sowie aller Landkreise berechnet. In 15 Jahren werden in Nordrhein-Westfalen somit nur noch 17,07 Millionen Einwohner leben. Das sind rund 2,7 Prozent weniger als noch 2012, als 17,55 Millionen Menschen in NRW wohnten. Ein Trend zeichnet sich ab: Während Städte wie Münster oder Köln wachsen, dünnt der ländliche Raum extrem aus. Finnentrop hat die größten Verluste Die Forscher der Bertelsmann-Stiftung prognostizieren Finnentrop den prozentual höchsten Rückgang im Kreisgebiet. 2030 werden nur noch 14.800 Einwohner in der Gemeinde leben – 2012 waren es noch 17.020. Das bedeutet einen Rückgang von 13,1 Prozent. „Zum Glück waren in der Vergangenheit die tatsächlichen Bevölkerungszahlen immer positiver als prognostiziert, dennoch ist das alarmierend“, sagte Dietmar Heß auf Anfrage von LokalPlus.

Finnentrops Bürgermeister sprach von einer „Bildungswanderung“. „Jüngere Leute verlassen uns im größeren Stil, um etwa zu studieren und kommen nicht wieder.“ Aber auch in der Gruppe der Ü-60-Jährigen verliere die Gemeinde Einwohner. „Hier fehlen bestimmte Einrichtungen wie etwa ein Demenz-Heim.“ Die Kommune versuche durch Maßnahmen wie die Schaffung/Beibehaltung eines „vernünftigen Bildungsstandortes“ sowie durch Freizeitangebote, einer kräftigen Wirtschaft und vielem mehr die Menschen vor Ort zu halten, beziehungsweise neue Einwohner zu gewinnen.
Die Gemeinde Finnentrop verliert mit prognostizierten 13,1 Prozent die meisten Einwohner im Kreis Olpe.
Heß: „Den negativen Trend der Bevölkerungsentwicklung werden wir leider nicht komplett aufhalten können.“ Unterstützung beim Umgang mit dem demografischen Wandel fordert Dietmar Heß vom Kreis Olpe ein. „Innerhalb des Kreises tut man nichts, um die unterschiedlichen Begebenheiten auszugleichen. Hier werden nur die Zentren weiter gestärkt.“ Die Kreis-Politik müsse sich Gedanken machen, wie auch den benachteiligten Kommunen geholfen werden könnte. „An die Autobahn kommen wir leider nicht näher dran“ Finnentrop habe außerdem einen entscheidenden Nachteil: Die fehlende Anbindung an die Autobahn. Heß: „An die Autobahn kommen wir leider nicht näher dran.“ Darunter litten aber auch die beiden anderen Kommunen des Süd-Ost-Kreises – nämlich Kirchhundem und Lennestadt. Diese folgen im Negativ-Ranking auf dem zweiten und dritten Platz.
Die größten Verluste im Zeitraum von 2012 bis 2030 drohen in den nachfolgenden Kommunen:

Kirchhundem 11,1 Prozent (von 11.940 auf 10.620);

Lennestadt 9,2 Prozent (26.130 auf 23.740);

Wenden 8,0 Prozent (19.570 auf 18.010);

Olpe 7,3 Prozent (24.660 auf 22.860);

Attendorn 5,2 Prozent (24.400 auf 23.120)

Drolshagen steht am besten da Statistisch gesehen steht im Kreis Olpe Drolshagen am besten da. Laut Bertelsmann-Forschern verliert die Kommune im Nordkreis nur 5,1 Prozent Einwohner. Das bedeutet in absoluten Zahlen einen Rückgang von 590 Einwohnern. Die Einwohnerzahl entwickelt sich von 2012 bis 2030 absolut von 11.790 auf 11.200.
Obwohl es das beste Ergebnis des Kreises ist, herrscht keine Freude in der Verwaltung: „Es ist ein Negativ-Trend, der nicht gut ist“, sagte Rainer Lange, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. Die direkte Autobahn-Anbindung sei ein Standortvorteil vor anderen Kommunen des Kreises. Auf der Internetseite wirbt die Kommune: „Eine besondere Aufwertung ihrer Bedeutung als Wirtschaftsstandort erfährt die Stadt Drolshagen aufgrund ihrer geographisch zentralen Lage. Eigene Anschlussstellen an die Autobahnen A 45 und A 4 gewährleisten eine optimale Verkehrsanbindung an die Ballungszentren Ruhrgebiet (60 km), Rheinschiene (70 km) sowie das Rhein-Main-Gebiet (150 km) und die dort gelegenen Flughäfen.“ Viele Baugrundstücke verkauft Allerdings gebe es „keine konkrete Erkenntnisse, warum die Zahlen niedriger sind“. Die Kommune habe zwar das Thema demografischer Wandel erkannt und sei an vielen Fronten aktiv, doch messbare Ergebnisse, warum in Drolshagen die Zahl vergleichsweise niedrig ist, gebe es nicht. „In der jüngsten Vergangenheit haben wir viele Rest-Baugrundstücke verkaufen können.“ Dies liege unter anderem auch an dem breiten Angebot für alle Altersgruppen. Durchschnitt-Olper ein Jahr älter als der Durchschnitts-Deutsche Apropos: Nicht nur weniger Einwohner stellen die Kommunen und den Kreis vor Herausforderungen: Die zunehmende Alterung im Kreis Olpe bedeutet auch einen erhöhten Pflegebedarf. 2030 wird die Hälfte der Bürger des Kreises älter als 49,1 Jahre sein, während das sogenannte Medianalter 2012 noch 44,2 Jahre betrug. Damit ist der Durchschnitt-Olper genau ein Jahr älter als der Durchschnitts-Deutsche.
Ein Artikel von Matthias Clever

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