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Kreis Olpe, Kreis Olpe, 10. Mai 2015

(K)ein Nachname wie jedere andere

Meier, Müller, Möse
Anstößig? Lächerlich? „Besonders!“, sagt die 52-jährige Wendenerin über ihren Nachnamen. Die Fahrlehrerin heißt Fick. Bettina Fick. „In der Kombination mit dem Vornamen klingt es nicht so hart.“ Während im Kreis Olpe rund 60 Personen jährlich ihren Nachnamen ändern, hat sich Bettina Fick bewusst dazu entschlossen, mit der Heirat den Namen Fick anzunehmen.

Die wenigsten Menschen haben sich ihren Namen selbst ausgesucht. Die meisten begleitet er dennoch ein Leben lang. Und das meistens problemlos. Doch was ist, wenn jemand mit Familienname nicht Maier oder Müller, sondern Möse heißt?

„Beim Fachdienst Ordnung beim Kreis Olpe können Menschen mit einem vulgären Nachnamen eine Namensänderung beantragen“, sagt Hans-Werner Voß, Pressesprecher des Kreises, auf Anfrage von LokalPlus. Rund 60 Namensänderungen gäbe es im Kreis pro Jahr. Sowohl Vor- als auch Familiennamen lassen sich nur ändern, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Als wichtig genug gelten unter anderem Namen, mit denen die Mehrheit anstößige Gedanken verbindet, lächerlich klingende Namen oder die zu entsprechenden Wortspielen verleiten.Freie Namenswahl Darüber hinaus haben Menschen mit ausländischen Wurzeln nach der Einbürgerung die Möglichkeit, einen deutschen Nachnamen anzunehmen. Außerdem ist eine Rückkehr zum früheren Familiennamen für Verwitwete oder Geschiedene möglich. Das gilt nach einer Scheidung auch für Kinder. Abstoßende, schwer zu buchstabierende oder rufschädigende Namen werden beim Kreis Olpe meist akzeptiert. Welcher neue Name gewählt wird, hängt von den Betroffenen ab. „Grundsätzlich steht die Namenswahl frei. Der Name sollte aber nicht zu ausgefallen sein“, erklärt Hans-Werner Voß. Viele wählten einen Namen, der irgendwann schon mal im Stammbaum vorkam.

Ein solcher Schritt kam für Bettina Fick nie in Frage. Die gebürtige Siegerländerin ist auch mit ihrem Mädchennamen geärgert worden. Aus Wittenberg machten ihre Mitschüler „Wittentitten“ oder „Wittenzwerg“. „Gerade in der Jugend wird man doch oft mit dem Namen aufgezogen. Dies gilt vielleicht nicht bei Müller, Meier, Schmidt – sonst aber schon. Das muss man mit Humor nehmen.“
Bettina Fick hat sich bei der Hochzeit bewusst für den Nachnamen entschieden.
Probleme gibt es eher bei telefonischen Reservierungen – oft wollen die Menschen an der anderen Leitung den Namen nicht verstehen. Daher buchstabiert Bettina Fick ihren Nachnamen immer direkt mit. Im Telefonbuch steht die Familie aus Wenden nicht mehr – und das aus gutem Grund. „Immer wieder gab es obszöne Anrufe. Seitdem wir nicht mehr drinstehen, ist alles gut.“ Der im Sauerland außergewöhnliche Name habe aber auch einen großen Vorteil: Der Name bleibe im Kopf. Wenn Bettina Fick auf ihren Nachnamen angesprochen wird, reagiert sie lässig: „Ich habe den Namen für die schönste Sache der Welt – das ist doch schön.“
Der Name „Fick“
Die Bedeutung des Nachnamens „Fick“ hat nichts mit Geschlechtsverkehr zu tun. Stattdessen handelt es sich dabei um die niederdeutsche Kurzform zu Friedrich (selten auch Ficke oder Vick).
Quelle: GenWiki
(LP)

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