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Kreis Olpe, Kreis Olpe, 10. September 2015

Industrie 4.0: Thema für duale Ausbildung

Im Gespräch mit dem Leiter des Bundesinstituts für Berufsbildung, Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, und Willi Brase (MdB) ging es beim Familienunternehmen Achenbach Buschhütten GmbH & Co. KG um die Zukunft der beruflichen Bildung. Im Mittelpunkt stand die Digitalisierung der Industrie.
Im Gespräch mit dem Leiter des Bundesinstituts für Berufsbildung, Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, und Willi Brase (MdB) ging es beim Familienunternehmen Achenbach Buschhütten GmbH & Co. KG um die Zukunft der beruflichen Bildung. Im Mittelpunkt stand die Digitalisierung der Industrie.
„Die duale Ausbildung muss moderner werden, damit sie für Schüler attraktiv bleibt!“ Dieser Appell des Geschäftsführenden Gesellschafters Axel E. Barten, Vize-Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen, richtete sich an prominente Vertreter von Politik und Berufsbildung. Der heimische Bundestagsabgeordnete Willi Brase (SPD) besuchte gemeinsam mit dem Präsidenten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser das Familienunternehmen Achenbach Buschhütten GmbH & Co. KG.

Esser zeigte sich beeindruckt, wie sehr sich der Hersteller von Walzwerken die Digitalisierung im Sinne seiner Kunden nutzbar macht. André E. Barten, Junior-Chef und ebenfalls Geschäftsführender Gesellschafter, zeigte die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Produkte beispielhaft auf. Hierbei erfolgreich zu sein, erfordere entsprechend exzellent qualifiziertes Personal. Es werde immer schwieriger, geeignete Bewerber für die duale Ausbildung zu gewinnen. „Wichtig ist es, schon Grundschulkinder, von Natur aus allesamt kleine Forscher, bei ihrer Begeisterung für Technik zu packen, unabhängig, wohin ihr Weg später einmal führen wird“, meinte Dr. Gabriele Barten, zuständig für Marketing und Kommunikation, zum Engagement des Unternehmens. Mit viel persönlichem Einsatz und Erfolg laufen die Projekte ‚Sachen machen bei Achenbach‘ und der ExperiMINT Forscherclub mit zweitägigem Sommercamp im Science College Overbach seit fast zehn Jahren. „Ohne fundierte IT-Kenntnisse sollte kein Schüler mehr die Schule verlassen“ Das Unternehmen beschäftigt neben Facharbeitern im gewerblich-technischen Bereich auch viele Ingenieure. „Die Bachelor-Qualifikation allein ist für viele Maschinen- und Anlagenbauer wie beispielsweise auch für Achenbach oft nicht ausreichend“, so André E. Barten. „Da fehlt es an Spezialisierung und Tiefe.“ Die verstärkte Digitalisierung aller Prozesse bilde sich in den mittelständischen Unternehmen sehr individuell ab. Jeder Betrieb müsse, da waren sich alle einig, da seinen eigenen Weg finden. Dies gehe aber nicht ohne die entsprechenden Kompetenzen im Unternehmen. Diese Einschätzung teilten auch Dr. Thorsten Doublet, Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände Siegen-Wittgenstein und Hartwig Durt, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Siegen. Deshalb kooperieren die Sozialpartner in dieser Frage auch und werden gemeinsam mit weiteren Partnern aktiv.

Esser pflichtete insofern bei, als dass auch er die Forderung nach mehr IT-Kompetenzen bei Schulabgängern und in der Ausbildung unterstützte: „Ohne fundierte IT-Kenntnisse sollte kein Schüler mehr die Schule verlassen, da müssen wir nachbessern. Und es ist zu klären, ob wir IT-Kompetenz künftig als Standard-Schlüsselqualifikation in unseren Ausbildungsordnungen brauchen. Ebenso haben wir bei jedem Ausbildungsberuf die Frage nach einem Neuordnungsbedarf vor dem Hintergrund der Digitalisierung zu stellen.“ „Stellen uns als Modellregion zur Verfügung“ Dies sah auch Willi Brase so, der als Mitglied des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technologiefolgenabschätzung dafür plädierte, die positiven Chancen, die im „Internet der Dinge“ liegen, für die Ausbildung von Facharbeitern nutzbar zu machen. Dazu wäre es auch sinnvoll, beispielsweise die Ausbildungsordnungen im Metallbereich zu untersuchen, inwiefern sie den aktuellen Entwicklungen gerecht werden. „Dies sollte aber unbedingt mit den mittelständischen Betrieben passieren, denn schließlich stellen sie mehr als 80 Prozent der Ausbildungsplätze.“ Insofern sollten die Ausbildungsordnungen auch auf ihre Bedarfe eingestellt werden. Dies wurde von Klaus Fenster, Geschäftsführer Berufsbildung bei der IHK Siegen, ausdrücklich unterstützt: „Gern stellen wir uns als Modellregion für ein solches Projekt zur Verfügung. Unsere Betriebe brauchen das und werden bereitwillig mitmachen.“ Dies bestätigte auch Familie Barten - der erste Betrieb für ein solches Projekt wäre also bereits gewonnen. (LP)

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