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Kreis Olpe, Kreis Olpe, 7. April 2016

Gewerkschaft nimmt Stellung zu geplanten Werksverkäufen

IG Metall: DURA-Angebot „fragwürdig“ und „unmoralisch“

Werksverkauf bei Dura: IG Metall spricht von
Symbolfoto: Thomas Fiebiger
Gewerkschaft nimmt Stellung zu geplanten Werksverkäufen
Der Automobilzulieferer Dura plant den Verkauf der drei Werke in Selbecke (Kirchhundem), Lenhausen (Finnentrop) und Plettenberg (Märkischer Kreis). Begründung: Die Werke, in denen Leisten und Blenden produziert werden, hätten massive Verluste von mehr als 100 Millionen Euro erwirtschaftet. Jetzt ist der Belegschaft der Kauf der Werke für den symbolischen Preis von 1 Eiro angeboten werden. In einer ersten Stellungnahme zeigt sich Torsten Kasubke, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Märkischer Kreis, skeptisch und spricht von einem „unmoralischen Angebot“:

„1. Das Vorgehen des Unternehmens bleibt fragwürdig. Noch vor Ende unserer Verhandlungen am 6. April hat eine PR-Agentur für DURA eine Pressemitteilung versendet unter Bezugnahme auf die noch nicht abgeschlossenen Gespräche.

2. Von einer Verweigerungshaltung der Arbeitnehmerseite kann nicht die Rede sein. Im November informierte die Unternehmensführung über die Pläne zum Personalabbau. Erst gestern fanden erste offizielle Gespräche zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite statt. Und auch gestern konnte die DURA-Spitze kein detailliertes Konzept vorlegen. Solange kein detailliertes Konzept vorliegt, können wir weder zustimmen noch verweigern. Darüber hinaus haben die Betriebsräte unter Beteiligung der IG Metall Experten in den Bereichen Betriebswirtschaft sowie Arbeits- und Rechtswissenschaft engagiert. Hier arbeiten wir gemeinsam an alternativen Konzepten. In der nächsten Woche werden wir die Beschäftigten auf Mitgliederversammlungen informieren. Gemeinsam werden wir die nächsten Schritte beraten. Übernahme bezieht sich nur auf Produktionsbereich 3. Das Angebot zur Übernahme des Unternehmensteils Leisten und Blenden werden wir prüfen. Wir bleiben nach erster Einschätzung skeptisch. Das geäußerte Übernahmeangebot bezieht sich alleine auf den Produktionsbereich. Der Firma Leisten und Blenden gehören weder Maschinen noch Patente. DURA Leisten und Blenden verfügt personell nicht über Kräfte in den Bereichen Verwaltung, Vertrieb, Vermarktung und Entwicklung. Unter diesen Voraussetzungen könnte DURA Leisten und Blenden quasi nur als Subunternehmen tätig werden. Auch deswegen wirkt das Angebot der Unternehmensgruppe auf den ersten Blick unmoralisch.

4. Wir stehen in regelmäßigem Kontakt zu politischen Verantwortungsträgen. Unter Rücksichtnahme auf das von DURA geäußerte Übernahmeangebot werden wir uns mit Politik und Wirtschaftsministerium in Düsseldorf zusammensetzen und nach realistischen Möglichkeiten suchen. Die IG Metall verfügt über Know How im Bereich der Unternehmensübernahme durch die Belegschaft. Wir werden uns der Verantwortung stellen.
„Existentielle Fragen“

5. Für weitere Gespräche zur Unternehmensübernahme wird sich DURA zu folgenden Punkten äußern müssen: Werden die Produktionsmittel ins Eigentum der neuen Belegschaftsgesellschaft übergehen? Wird das Europa-Geschäft der Firma Leisten und Blenden Teil dieser neuen Firma sein? Wird DURA dafür Sorge getragen, dass die Bereiche Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung zur neuen Gesellschaft gehören? Nur eine frühzeitige Klärung dieser existenziellen Fragen kann zu erfolgsversprechenden Verhandlungen führen. Die Unternehmensspitze hat das Angebot unter dem Vorbehalt einer Einigung innerhalb von 30 Tagen geäußert, was eine realistische Umsetzung erheblich erschwert.“ (LP)

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