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Kreis Olpe, 03. März 2018

Im Interview: Wedding Planer Frank „Froonck“ Matthée

"Hochzeiten auf dem Land sind meistens noch zu spießig"

Froonck kommt gebürtig aus Olpe. Nun ist er in ganz Deutschland unterwegs, um Hochzeiten zu planen.
Froonck kommt gebürtig aus Olpe. Nun ist er in ganz Deutschland unterwegs, um Hochzeiten zu planen.
Foto: Froonck
Kreis Olpe. Er ist ein Olper Junge. Aber schon früh zog es ihn in die große Welt: Frank „Froonck“ Matthée, der aus dem Fernsehen bekannte Wedding Planer. Bekannt geworden ist er als Berater in der Serie „4 Hochzeiten und eine Traumreise“ des Privatsenders Vox. Im Interview mit LokalPlus erzählt der gebürtige Olper von seinen verrücktesten Hochzeiten, was seine Mitschüler damals über ihn gedacht haben und was er an seinem Job und seiner Heimat liebt.

War die Serie „4 Hochzeiten und eine Traumreise“ auch schon mal zum Dreh im Kreis Olpe? Falls ja, erzählen Sie doch bitte davon.

Soweit ich mich jetzt erinnere, noch nicht. Aber es sind ja mittlerweile auch fünfeinhalb Jahre und damit ca. 600 Hochzeiten ins Land gegangen. Also liebe Ölper, Olper und Büterlinge: Bewerbt euch, seid nicht so zurückhaltend-stur, sondern geht mal heraus aus euch und zeigt, wie ihr feiern, mich überraschen und die Zuschauer mitreißen könnt. Denn wir Ölper haben schon einiges drauf.

In Olpe sind Sie geboren. Wie sind Sie aufgewachsen und was sind Erinnerungen an Ihre Heimat?


Ich bin sehr dankbar, dass ich behütet, friedlich, frei und naturnah aufgewachsen bin. Es war einfach perfekt. Es gab einen großen Nachbarschaftszusammenhalt und keine Einschränkungen. Wir konnten überall unbesorgt spielen, im riesigen Wald Erkundungstouren machen, uns im Sommer auf der Wiese gegenüber meines Elternhauses verstecken oder in Kessenhammer planschen, im Winter auf der Straße Schlitten fahren und im Garten Skilaufen. Es gab viel weniger Häuser und mehr Natur.

Diese frische Sauerland-Luft ist mir gut bekommen. Ebenso wie das weltweit gerühmte Pils viel später. Und alle Haus- und Garagentüren standen einfach offen, die Bonanza-Räder oder Rollschuhe wurden irgendwo liegen gelassen. Eine große Vertrautheit herrschte, man war offen, unbekümmert und half einander.

Sie sind Wedding Planner. Wann und wie sind Sie dazu gekommen?

Wie die Jungfrau zum Kinde: einfach unerwartet und überraschend. Nach einigen diversen Studien und einer siebenjährigen Tätigkeit in der Werbeindustrie mit Abschluss „Wir müssen uns von dir trennen!“ wollte ich mich endlich selbstständig machen und erfuhr von diesem Traumjob in den USA.  Ich wusste sofort, das ist mein Beruf und machte mich an die Arbeit.

Ich habe mir alles selber beigebracht und konnte natürlich meine gesamte Erfahrung aus Eventmanagement, internationaler Projektleitung, Marketing, Werbung, Medien, Kundenbetreuung und Psychologie wunderbar einbringen. Jetzt sind es bereits knapp 16 Jahre, und ich bin international etabliert – unglaublich. „Das Sauerland war mir zu rustikal“War schon immer klar, dass Sie nach dem Abitur das Sauerland verlassen?

Irgendwann schon. Zumindest als klar war, dass ich studieren will. Ich war als Teenie schon rebellisch und anders als meine Freunde und Schulkameraden, wollte immer über den Tellerrand hinausschauen. Nach dem Abitur war es die große Europa-Reise, später folgten Ägypten und Thailand. Außerdem habe ich seit Kindheitstagen einen besonderen Bezug zu Berlin, diese weltoffene und diverse Metropole hat mich schon als kleiner Knirps fasziniert. Das kreative verrückte „freie“ Leben sowie die Theater-Szene haben mich auch immer begeistert. Im Sauerland war es mir einfach zu rustikal, zu vorhersehbar und zu einheitlich, es fehlten die bunten Vögel. 

Sie kommen gebürtig aus Olpe. Wird man auf dem Land komisch angeguckt, wenn man als Wedding Planner Karriere machen möchte? 

Das kann ich nicht beurteilen, da ich ja zu diesem Zeitpunkt nicht mehr dort lebte. Auf jeden Fall wurde ich als Außenseiter behandelt, weil ich als kleiner Junge Ballett tanzen wollte und meine Mitschüler wohl schon vor mir wussten, dass ich schwul bin. Toleranz und Akzeptanz Andersdenkender wurden damals in der Tat überhaupt nicht groß geschrieben, was leider keine unvorhergesehenen und außergewöhnlichen Karrieren zuließ. Das war mir alles zu engstirnig und klein. Heute sind viele froh, dass sie mit mir in die Schule gingen oder bewundern gar meinen Lebensweg.
Wie oft kommen Sie zurück in Ihre Heimat, vielleicht auch als Hochzeitsgast oder Planner?

Im Rahmen meiner ersten Sendung „Frank – der Weddingplaner“ auf Pro7 betreute ich mal ein Brautpaar im Wendschen, ansonsten besuche ich meine Eltern natürlich.

Da ich aber zwischen Berlin, Nizza und Köln/VOX pendele sowie dauernd auf Geschäftsreise durch die Welt unterwegs bin, ist das nur ein paar Mal im Jahr. Außerdem hat sich Olpe sehr verändert und leider seine Heimeligkeit sowie seinen Charme verloren. Viele Orte aus der Kindheit und Jugend sind leider nur noch Erinnerungen.

Den schönsten Tag im Leben eines Paares vorbereiten – was lieben Sie an ihrem Job?

Alles! Die Herausforderung, dass es ohne Probedurchlauf perfekt sein muss, dass es dem Brautpaar und den Gästen gefällt und alle begeistert sind. Die hohe Erwartungshaltung von meinen Kunden sowie mir selber zu erfüllen bzw. zu übertreffen. Die integrale Planung aller beteiligten Gewerke, sich in verschiedenen Branchen auszukennen, die harmonische Inszenierung als Gesamtkunstwerk.

Es ist abwechslungsreich und komplex, kreativ und kaufmännisch gleichzeitig. Und natürlich die Freudentränen sowie das Strahlen von Braut und Bräutigam oder den zwei Partnern zu sehen, am Glück dieser beiden teilzuhaben, die Liebe spüren zu können. Dafür bin ich sehr dankbar. Gothic-Hochzeit mit Särgen und StacheldrahtWas war die verrückteste Hochzeit, die Sie geplant haben?

Was ist verrückt? Meine erste Hochzeit fand 2003 in einem Berliner Jugendstil-Schwimmbad mit Wasserballett statt, in Tunesien ließ ich den Bräutigam per Parasailing zur Strandzeremonie ankommen, eine Gothic-Hochzeit stattete ich mit Särgen und Stacheldraht aus, an der Côte d’Azur heizten den Gästen Gogo-Tänzerinnen ein, bei einer Balkan-Hochzeit tanzte die Braut ausgelassen auf dem Tisch zu den Tunes des besten Balkan-Pop-DJs aus Wien, in Berlin ließ ich Marokko zum Leben erwecken, in Köln mietete ich die Messehalle für ein indisches Hochzeitsspektakel, ein festliches Dinner mit Haien begeisterte ein Schweizer Brautpaar in Hamburg.

Sie kommentieren die bekannte TV-Serie „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“. Glauben Sie, die Zuschauer lieben die Sendung auch wegen Ihnen?

Na klar ;-) Ich weiß das von unzähligen Mails und persönlichen Begegnungen auf Messen oder bei Autogrammstunden: Die Zuschauer freuen sich, dass jemand die sehr subjektiven Bewertungen der Bräute zurechtrückt und sie auch mal rügt, dass ich das Sprachrohr der eigenen Gedanken bin, Hintergründe und Bräuche erkläre oder Tipps gebe, wie man etwas besser machen kann. Oft bekomme ich zu hören, dass das Brautpaar aufgrund meiner Kommentare viel gelernt hat. Darüber bin ich natürlich hoch erfreut. Und Nicht-Hochzeiter amüsieren sich – umso besser. 
Finden Sie, dass Hochzeiten hier auf dem Land noch zu klassisch oder spießig sind?

Ja, meistens ist das leider so. Es liegt aber weniger an der Tradition, die im ländlichen Bereich deutlich mehr gepflegt und hochgehalten wird. Es ist eher die Konformität und der Konservativismus, also alles wie immer und wie alle anderen - nein das ist nicht „my cup of tea“. Man sollte sich von bestimmten Standards „die man immer so gemacht hat“ lösen und individueller denken. Das würde einfach vielen gut tun, viele glücklicher und zufriedener machen und gerade die Hochzeit einzigartiger und damit unterscheidbarer und so unvergesslicher.

Wie würde denn dann die perfekte Hochzeit für Sie aussehen?

Das Brautpaar muss sich selber treu, also authentisch bleiben, seine Hochzeit feiern, nicht fremdbestimmt agieren. Und seine Wünsche umsetzen, egal was die traditionelle Familie oder Nachbarn denken. Nur dann kann es der große Glückstag werden, das Fest des Lebens, von dem die beiden Partner träumen. Wichtig ist, dass das Paar oder seine Helfer viel Liebe ins Detail stecken, sich Gedanken machen, den Saal und die Dekoration persönlich zu gestalten, so dass eben auch die Persönlichkeiten der Gastgeber deutlich werden.

Alle Gedanken, die man sich macht, alles, was man an Gefühl hineinsteckt, das spüren die Gäste dann auch bei der Hochzeit. Und darauf kommt es an: die Gäste willkommen zu heißen, damit sie sich wohlfühlen und das Brautpaar aus vollem Herzen feiern. Letzteres soll sich gehen lassen und genießen. Am großen Tag locker bleibenWenn Sie künftigen Brautpaaren einen Tipp geben müssten, welcher wäre das?

Genau das: Am Tag der Tage abschalten, die Kontrolle abgeben, sich in den Tag fallen lassen und mit Leidenschaft und Freude gemeinsam mit den Anwesenden feiern, als ob es keinen Morgen gäbe. Wenn zuvor alles gut geplant ist, kann auch nichts wirklich Dramatisches passieren. Vom Wetterdruck muss man sich frei machen, denn das kann niemand – auch leider ich nicht beeinflussen. Und zwei Tage vor der Hochzeit Urlaub nehmen, sich entspannen, sich pflegen mit Beauty-Behandlungen zum Beispiel, und noch mal in Ruhe gemeinsam den Ablauf durchgehen. „Man kann es sowieso nie allen recht machen“Finden Sie es nicht etwas skrupellos, dass bei der Sendung der schönste Tag für jedes Brautpaar hinterher so von den Gastbräuten zerpflückt wird?

Nein, überhaupt nicht. Sie sagen es selber: Es passiert hinterher, wenn der Tag längst gefeiert und als tolle Erinnerung bei den Beteiligten abgespeichert ist. Außerdem: Warum sollte man sich nicht der Kritik stellen, die ja wirklich subjektiv ist und meist singulär, wenn man selbstbewusst seinen großen Tag feiert? Man kann es sowieso nie allen recht machen, und sogar nicht allen Gästen, die man selber eingeladen hat.

Davon muss man sich - wie beim Wetter – wirklich befreien. Denn darum geht es auch nicht: den anderen zu gefallen. Sondern für sich selber das schönste und einmaligste und bemerkenswerteste Fest zu begehen.
Ein Artikel von Christine Schmidt

Bildergalerie: "Hochzeiten auf dem Land sind meistens noch zu spießig"