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Kreis Olpe, 21. Mai 2020

Barbara Glees, Lebenshilfe Wohnen NRW, im Interview

Herausforderung Wohnstättenleitung: Neuer Alltag in Corona-Zeiten

Berichtet von einer herausfordernden Zeit: Barbara Glees, Wohnstättenleiterin der Lebenshilfe Wohnen in Olpe.
Berichtet von einer herausfordernden Zeit: Barbara Glees, Wohnstättenleiterin der Lebenshilfe Wohnen in Olpe.
Foto: privat
Olpe. Wochenlang standen die Wohnhäuser der Lebenshilfe NRW im Kreis Olpe – wie alle sozialen Einrichtungen – vor besonderen Herausforderungen: Kontaktsperre zum Schutz der Bewohner und Mitarbeiter. Im LP-Interview beschreibt Barbara Glees, Wohnstättenleiterin der Lebenshilfe Wohnen, die Situation – und betont, dass auch die Lockerungen im Besuchsrecht nicht für entspanntes Zurücklehnen in den Einrichtungen für Menschen mit Behinderung sorgen.

Wie viele Bewohner waren von den Schutzmaßnahmen der Bundesregierung betroffen?

In den Häusern der Lebenshilfe Wohnen in Olpe waren 38 Bewohner betroffen. Einzelne Bewohner sind bereits zu Beginn der Pandemie vorübergehend zu ihren Angehörigen gezogen. Die Mehrheit der Bewohner wurde jedoch in der Einrichtung durch diese Zeit begleitet.

Wie haben die Bewohner auf die Ausgangssperre reagiert?

Die Mitarbeiter haben direkt zu Beginn der Pandemie mit den Bewohnern gesprochen und anhand von Piktogrammen und leichter Sprache versucht zu erklären, was gerade auf der Welt passiert und welche Regelungen es gibt. Ein Teil der Bewohner hat dies mehr oder weniger verstanden oder aber auch den Mitarbeitern vertraut, dass die Maßnahmen so sein müssen.

Auf die Ausgangssperre haben sie unterschiedlich reagiert. Bewohner, die häufig selbstständig durch die Geschäfte liefen oder ihre Angehörigen besuchten, vermissten dies natürlich sehr. Für andere wiederum war es akzeptabel. Soweit es umsetzbar war, fanden Spaziergänge statt, jedoch eher in abgelegenen Gebieten. Auf dem Gelände konnten sie sich stets frei bewegen.
Anhand von Piktogrammen und Bildern wurden Regelungen und Auflagen auch durch hergestellte Spiele erklärt.
Wie haben das Team und die Bewohner die Wochen „rumgekriegt“?

Es war schon eine sehr herausfordernde Zeit. Da die Werkstätten für Menschen mit Behinderung geschlossen wurden, waren die Bewohner seit dem 13. März den ganzen Tag in der Einrichtung. Dies war für sie eine Veränderung in ihrer Tagesstruktur. 

Um einem Lagerkoller zu entgehen, ließen sich die Mitarbeiter sehr viel einfallen. Neben den Spaziergängen wurde gespielt, gebastelt, gemalt, den Angehörigen geschrieben, gesungen und es wurden viele Gespräche geführt. Die Stimmung im Haus war in dieser ganzen Zeit erstaunlicherweise überwiegend gut. 
Die Mitarbeiter ließen sich immer viel einfallen, um die Bewohner zu unterhalten - es wurde gespielt, gemalt oder musiziert.
Wurden Sie von den Familien der Bewohner unterstützt?

Sowohl der Kreisverband der Lebenshilfe unterstützte die Bewohner als auch die Angehörigen. So wurden zwischendurch besondere Essen, wie Olper Beff oder Pizza, für alle gesponsert. Oder ein Kuchen oder Süßigkeiten für alle gebracht. Den Angehörigen war die Herausforderung, dem mein Team gegenüberstand, sehr bewusst.

Seit einigen Tagen wurden die Besuchsregeln wieder gelockert – gut oder schlecht?

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn sie ist ein zweischneidiges Schwert. Die Einrichtungen der Eingliederungshilfe und Pflege sind nicht mit normalen Haushalten vergleichbar. Dort leben viele Menschen, die zur Risikogruppe gehören. Und jede Lockerung, so sehr wir sie uns gerade für unsere Bewohner und Angehörigen wünschen, birgt wieder Gefahren für alle.

Die Besuche finden unter größten Hygienemaßnahmen statt, was sehr gewöhnungsbedürftig ist. Es ist derzeit auch gut zu überlegen, ob ein Besuch des Angehörigen unter den bestehenden Regelungen gut ist oder eher kontraproduktiv. Jedoch freuen sich die Meisten, endlich wieder ihre Eltern oder Geschwister zu sehen. Das ist schön zu beobachten.
Die Villa Müller in Olpe, eines der Wohnhäuser für Menschen mit Behinderung der Lebenshilfe.
Mit welchen Schwierigkeiten haben Sie zu kämpfen?

Die Schwierigkeiten einer Leitung, die die Verantwortung trägt, ist es, sich zum einen an geltendem Recht zu orientieren. Wobei sich die Verordnungen ständig verändern. Auf der anderen Seite liegt es in meiner Verantwortung und der des Teams, die Öffnung bedacht und möglichst ohne Gefahren für Bewohner und Team umzusetzen. Wir sind sehr froh, dass wir in den Einrichtungen der Lebenshilfe im Kreis bislang keinen Corona-Fall erleben mussten. 

Als Einrichtungsleitung hat man zudem mit den Schwierigkeiten zu kämpfen, die Dienste abzudecken. Denn der Mehrbedarf ist gegeben, jedoch ohne mehr Personal zu haben. Und das Personal muss hier viel stemmen. In der Presse hört man immer wieder, dass Mitarbeiter in der Pflege ein Bonus gezahlt werden soll. Die Mitarbeiter der Eingliederungshilfe fragen sich natürlich, mit welcher Begründung dies nicht auch für sie gelten soll. Dies hat der Landesverband Lebenshilfe NRW nun auch nochmal deutlich angesprochen. Bestimmungen ändern sich wöchentlichWas ist jetzt für die Bewohner erlaubt, was ist weiterhin verboten?

Die Bestimmungen ändern sich fast wöchentlich. Wir freuen uns natürlich für die Bewohner, dass nach und nach immer mehr ermöglicht werden kann. Wobei manche Verordnungen unserer Ansicht nach zu schnell oder auch widersprüchlich erscheinen.

Bewohner können unter der Beachtung der Hygiene- und Infektionsstandards wieder einkaufen gehen. Es wird mit ihnen geübt, wie man sich zu verhalten hat. Und einzelne werden so demnächst wieder ohne Begleitung in die Stadt gehen können.

Die Rückkehrbestimmungen in die Einrichtung, nach einem Aufenthalt bei den Angehörigen, haben sich aktuell weiter gelockert, so dass wohl Bewohner am Wochenende wieder zu Angehörigen fahren oder zurück in die Einrichtung kommen. Die Werkstätten öffnen wieder und wir sind mit diesen im engen Austausch. Dies alles sind die ersten Schritte in die Normalität für unsere Bewohner. Sorge um Familie, Bewohner, TeamHaben Sie Angst vor Corona?

Ich persönlich habe keine Angst vor einer Erkrankung. Jedoch habe Angst, dass ältere Familienangehörige, Bewohner und Mitarbeiter erkranken. In der Einrichtung leben viele, die der Risikogruppe angehören und bei denen eine Erkrankung schwere Folgen haben kann. Zudem habe ich Bewohner, die eine mögliche Quarantäne auf ihrem Zimmer oder in festen Bereichen sicherlich nicht akzeptieren und verstehen können.

Die Verantwortung der Leitung in diesen Zeiten, das große Ganze im Blick haben zu müssen, stößt inzwischen - mit all den Lockerungen - leider nicht mehr bei allen Angehörigen immer auf Verständnis. Und es gibt Wünsche, dass alles wieder seinen normalen Weg gehen soll.

Aber die Zeiten sind derzeit noch nicht wieder „normal“ und die Sorge ist groß, dass mit den Lockerungen die Gefahren auch wieder steigen und wir ggf. doch noch betroffen sein werden. Wir haben dies als Einrichtung dann auch nicht mehr in der Hand. Das bereitet uns einfach große Sorge.
Ein Artikel von Kerstin Sauer

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