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Kreis Olpe, Kreis Olpe, 22. Januar 2016

Lebhafte Podiumsdiskussion mit der parlamentarischen Staatssekretärin Ingrid Fischbach

Experten diskutierten über Pflege

Teilnehmer der Podiumsdiskussionen (v. l. n. r.): Ulrike Klein, Petra Vorwerk-Rosendahl, Christoph Becker, Wolfgang Nolte, Ingrid Fischbach, Uli Mertens und Wolfgang Fischbach.
Teilnehmer der Podiumsdiskussionen (v. l. n. r.): Ulrike Klein, Petra Vorwerk-Rosendahl, Christoph Becker, Wolfgang Nolte, Ingrid Fischbach, Uli Mertens und Wolfgang Fischbach.
Mit dem Entwurf für das Pflegestärkungsgesetz II verabschiedet das Bundeskabinett eine neue Grundlage für die Versorgung alter und kranker Menschen. Das Gesetz soll 2016 in Kraft treten und ab 2017 wirken. Schwerpunkte sind u. a. die neue Definition von Pflegebedürftigkeit und die Einteilung in Pflegegrade. Die Frauenunion des Kreises Olpe begrüßte rund 70 Interessierte zu einer lebhaften Podiumsdiskussion in den Räumen der Katholischen Hospitalgesellschaft Südwestfalen.

Wie die Umsetzung der Regelungen in der Praxis aussieht, diskutierten auf Einladung der Frauenunion am vergangenen Montag regionale Experten aus dem Gesundheitswesen. Auf dem Podium stellten sich Ulrike Klein, Leitung der Senioreneinrichtungen, Geschäftsführer Wolfgang Nolte und Wolfgang Fischbach, Schulleiter der Fortbildungsakademie für Gesundheitshilfe von der Katholischen Hospitalgesellschaft Südwestfalen sowie Christoph Becker, Geschäftsführer des Caritasverbandes Kreis Olpe und Uli Mertens, Leitung der Caritasstation Attendorn den Fragen des Auditoriums. Moderiert wurde die Diskussion durch die Bezirksfrauenunionsvorsitzende Südwestfalen, Petra Vorwerk-Rosendahl.

Ingrid Fischbach, parlamentarische Staatssekretärin der CDU hatte zu Beginn den rund 70 Besuchern in ihrem Impulsreferat versiert und gut verständlich einen Abriss zum Entstehungsprozess und den Hintergründen zum Pflegestärkungsgesetz gegeben. Die Podiumsteilnehmer unterstrichen in ihren Beiträgen die Probleme zwischen Theorie und gelebter Praxis. Insbesondere die hohe Arbeitsverdichtung durch aufwändige Dokumentation und ständige Kontrolle unterschiedlicher Institutionen wurde bemängelt. „Die Probleme sind bekannt und werden natürlich kontrovers diskutiert. Ich nehme ihre Anregungen und Probleme aus der Praxis gerne mit nach Berlin“, so Ingrid Fischbach. "Kritisch hinterfragen" Dass sich der Einsatz lohne, zeigte die parlamentarische Staatssekretärin am Beispiel des sog. Pflege-TÜVs, hinter dem sich die Begutachtung der Pflegeeinrichtungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MdK) verbirgt. „Die Aussagekraft der Begutachtungen muss kritisch hinterfragt werden, wenn alle Einrichtungen eine eins vorm Komma haben.“ Ein Teilerfolg des Pflegestärkungsgesetzes sei daher, dass der Pflege-TÜV auf neue Füße gestellt wurde. Der Pflege-TÜV werde mit Unterstützung der Wissenschaft, die schon wichtige Vorarbeiten geleistet habe, grundsätzlich überarbeitet. Zentraler Maßstab für eine gute Pflegeeinrichtung müsse eine hochwertige Pflege sein, die nach den neuesten pflegefachlichen Erkenntnissen geleistet werde. „Das muss der Pflege-TÜV abbilden“, so Fischbach.

Mit den Änderungen in der Pflege wird auch die Ausbildung in der Pflege neu diskutiert. Für die generalistische Pflegeausbildung werden die drei Pflegefachberufe "Altenpflege", "Gesundheits- und Krankenpflege" und "Gesundheits- und Kinderkrankenpflege" zusammengeführt. Es entsteht ein neuer Pflegeberuf mit Schwerpunktsetzung. Das Thema der generalistischen Pflegeausbildung habe sie zu Beginn der Diskussionen durchaus kritisch gesehen, erklärte Ingrid Fischbach. Sie sei nicht unbedingt ein Verfechter der Generalistik gewesen. Steigender Bedarf an Unterstützung Die demographische Entwicklung führe allerdings zu einem steigenden Bedarf an pflegerischer Unterstützung und Betreuung von Menschen, die pflegebedürftig sind, an einer chronischen oder akuten Krankheit leiden, präventive oder rehabilitative Maßnahmen erhalten oder am Ende ihres Lebens palliativ versorgt werden. Zugleich sinke die Zahl der Schulabgänger. Diese Herausforderungen verlangten eine umfassende Investition in die Pflegebildung zur Sicherstellung der professionellen pflegerischen Versorgung der Bevölkerung. Insgesamt bestand bei den Podiumsteilnehmern Einigkeit: die Grundelemente der Pflege seien immer dieselben. Die Versorgungssysteme zwischen alten und jungen Patientinnen, Patienten oder Pflegebedürftigen zu unterscheiden, mache daher vor der Betrachtung zukünftiger Herausforderungen wenig Sinn. Abschließend nahm Ingrid Fischbach die konkreten Wünsche der Podiumsteilnehmer entgegen. Sie wolle sich in Berlin dafür einsetzen. (LP)

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