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Kreis Olpe, Kreis Olpe, 11. Juli 2015

Heimische SPD-Bundestagsabgeordnete zu Gast bei LokalPlus

Crone: „Region ist geografischer Mittelpunkt“

Die heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone im Gespräch mit LP-Kreisredakteur Matthias Clever.
Die heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone im Gespräch mit LP-Kreisredakteur Matthias Clever.
Foto: Sven Prillwitz
Bis 2030 wird die Einwohnerzahl im Kreis Olpe um 12.000 schrumpfen. Dies prognostiziert aktuell die Bertelsmann-Stiftung. „Der demografische Wandel stellt uns vor große Herausforderungen“, sagte Petra Crone beim LokalPlus-Redaktionsbesuch.

Die heimische Bundestagsabgeordnete und demografiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion sprach mit Matthias Kramer (Geschäftsführer) und Matthias Clever (Kreisredakteur) über Fachkräftemangel, Freizeitangebote sowie Infrastruktur-Maßnahmen für die Region. Gefahr einer Abwärtsspirale „Es reicht heute nicht mehr, eine starke Wirtschaft vor Ort zu haben und genügend Arbeitsplätze anzubieten“, sagte Petra Crone. Heute träfen viele Menschen die Entscheidung für oder gegen eine Kommune aufgrund zahlreicher harter und weicher Standortfaktoren. Dies zeige sich auch bei den Bertelsmann-Berechnungen des Kreises Olpe. Viele Kommunen hätten den Nachteil, dass keine direkte Anbindung an die Autobahn existiert. Aber nicht nur die Verbindung nach außen, sondern auch im Kreis sei wichtig, damit Menschen in die Region zögen beziehungsweise hier blieben.

„Wenn im öffentlichen Nahverkehr Linien wegen geringer Fahrgastzahlen eingestellt werden, sorgt das dafür, dass noch weniger Menschen den Bus nutzen – dadurch entsteht eine Abwärtsspirale“, betonte Crone. Gute Verbindungen seien auch beim Breitbandausbau gefragt. Die Bundesregierung habe daher ein Förderprogramm für ländliche Regionen auf den Weg gebracht. Die Region als geografischer Mittelpunkt Um konkret die Region zu unterstützen, sei der Ausbau der A45 Thema in Berlin. Die Maßnahme ist inzwischen beschlossene Sache und sei ein wichtiger Baustein der Zukunftssicherung des Kreises Olpe und des Märkischen Kreises. „Unsere Region ist ein geografischer Mittelpunkt in Nordrhein-Westfalen. Wir kommen überall schnell hin. Darüber müssen wir uns bewusst werden und nach außen damit offensiv werben“, sagte Petra Crone. Günstiger wohnen Innerhalb von nur einer Stunde sei es möglich, nach Dortmund oder Köln zu fahren. Menschen könnten im Sauerland günstiger als in Städten wohnen und direkt schöne Natur genießen. Auf Großstadt-Angebote müsste aufgrund der Nähe zu Ballungsgebieten nicht verzichtet werden. Die Region habe dadurch ein Pfund, mit dem gewuchert werden müsste.

Probleme gäbe es in ihrem Wahlkreis aber auch: Als Beispiel nannte sie eine Unterversorgung von Ärzten oder mangelnde Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und bedürftige Senioren. Region und Politik könnten vom Osten lernen. Überspitzt formuliert, verlassen in Teilen des Ostens die Menschen die Gegend und Wölfe kämen. Eine Zahnärztin, die einen alten Bus umgebaut hat und mit dem durch die Region fährt und die Menschen behandelt, zählte Crone als positives Beispiel auf. Die Politik sei in der Pflicht, kreative Lösungen zu finden, da die Ärztin etwa sehr hohe bürokratische Hürden gehabt hätte. „Da müssen wir dringend ansetzen und Wege schaffen.“ Neue Wege der Pflege Um Menschen im Alter zu unterstützen, setzt sich Petra Crone dafür ein, dass das Familienpflegezeitgesetz auch für Nachbarn und Freunde gilt. Aktuell sieht das Gesetz vor, dass Familienangehörige die rechtliche Möglichkeit erhalten, Pflege und Beruf zu vereinen. „Oft übernehmen aber auch Nicht-Familienmitglieder die Aufgabe, daher bin ich der Meinung, dass eine Erweiterung Sinn macht.“ Gemeinden lernen voneinander Aber nicht nur die Politik, sondern auch Institutionen, Vereine und letztlich Bürger seien in der Verantwortung, sich mit dem Thema Demografie zu beschäftigen. Einmal im Jahr organisiert Petra Crone daher für Vertreter der Kommunen, Kammern und anderen Multiplikatoren im Wahlkreis einen Arbeitstag, der sich thematisch mit der Verschiebung der Altersstrukturen beschäftigt. Neun der insgesamt 13 Kommunen des Wahlkreises sind inzwischen Jahr für Jahr dabei. „Dort können die Städte und Gemeinden voneinander lernen. Gute Beispiele werden vorgestellt.“

Durch den demografischen Wandel entstehe ein Bedarf an Fachkräften. Als ein Instrument gegen diese Entwicklung will Crone unter anderem Studienabbrecher in den Arbeitsmarkt integrieren. Außerdem sieht die Bundestagsabgeordnete Handlungsbedarf bei der Frauenerwerbstätigkeit. Außerdem will Petra Crone Asylsuchende in den Arbeitsmarkt integrieren. (Bericht folgt)
Ein Artikel von Matthias Clever

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