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Kreis Olpe, Olpe/Attendorn. 10. Juni 2015

Niedrigwasser legt alten Bahndamm bei Stade frei

Bigge bietet seltene Blicke

Ruhrverband lässt tief blicken
Fotos: Volker Lübke
„Da stand die alte Schule.“ Helmut Siedenstein erinnert sich noch an die Zeit in der alten Stader Volksschule. Heute liegt die Fläche, auf der bis Anfang der 1960er-Jahre die alte Dorfschule stand, in der Bigge. Die Sanierung des Staudamms in Attendorn ermöglicht Anwohnern wie Touristen ungewohnt Perspektiven auf die Talsperre.

Vor 50 Jahren wurde der Biggesee aufgestaut. "Davor gab es hier unten einige kleine Dörfer", erzählt Helmut Siedenstein, während er mit seinen Enkeln über den alten Bahndamm zwischen Rhode und Sondern wandert.
Helmut Siedenstein weiß noch gut, wie es bis Anfang der 1960er Jahre im Biggetal aussah, bevor die Talsperre aufgestaut wurde.
„Ungefähr zwei Meter geht es da noch runter“, erklärt der Großvater den Kindern. „Da vorne war eine Brücke. Wir mussten ja unter den Eisenbahnschienen durchfahren.“ Tatsächlich, als die drei ein Stück weiter gehen, sehen sie die Unterführung.
Die Bahnunterführung muss etwa 2,50 Meter hoch gewesen sein, vermutet Helmut Siedenstein.
„Es ist noch einiges zu sehen, wenn man es vorher kannte“, sagt Siedenstein. Am Ende des freigelegten Bahndammes ist im steil aufragenden Ufer der verschlossene Tunnel Richtung Sondern zu erahnen. Am südlichen Ufer fallen quaderförmige Steine auf dem wüstenartigen Grund des Sees auf. „Das hieß Kallekuhle. Da stand ein Vierfamilienhaus.“
Die Bachläufe fördern fleißig Wasser ins Tal. Der Ruhrverband muss wegen der Dammsanierung ständig nachregeln.
Die Bachläufe liefern weiter Wasser ins Tal. Auch am Überlauf des Stader Vorsperrwerks stürzen Wassermassen in die Tiefe. Am anderen Ende der Biggetalsperre öffnet der Ruhrverband die Schotten des Grundablasses, um den Pegel auf 297,50 m ü.N.N. abzusenken bzw. zu halten. So wenig Wasser führte der See zuletzt im Extrem-Sommer 2003. Die Asphaltierungsarbeiten am Biggedamm sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Wann Westfalens größte Talsperre das nächste Mal so wenig Wasser führt, kann niemand vorhersagen. Der Ruhrverband hofft natürlich, dass ähnliche Arbeiten frühestens in 50 Jahren wieder anstehen.
Sämtliche Bauwerke, deren Teile normalerweise unter Wasser liegen, werden kontrolliert. Hier die Lister-Staumauer.
Deshalb wird an allen Ecken und Enden, an vielen Bauwerken und Buchten die Gelegenheit genutzt. An der Lister-Staumauer beispielsweise heißt es zurzeit „Unkraut jäten in der Steilwand“. Per Kran wird ein Mitarbeiter abgeseilt, der die Mauer von Pflanzenbewuchs befreit und die Fugen abdichtet.
Ungewöhnlicher Job: Unkraut jäten in der Vertikalen.
Bei einem Garten dieser Ausmaße, noch dazu in der Vertikalen, eine Aufgabe, die einige Zeit in Anspruch nimmt. Auch am Schiffsanleger in Sondern wird mit schwerem Gerät gearbeitet. Der Schiffsverkehr wird dadurch nicht beeinträchtigt. Lediglich der Anleger Stade wird wegen des Niedrigwassers nicht angefahren.
Auch am Schiffsanleger in Sondern wird die Gelegenheit genutzt.
Der niedrige Wasserstand hat den alten Bahndamm bei Stade freigelegt.
Nur gut, dass die Stader Vorsperre stabil ist, sinnieren die Biggebesucher in dem um 15 Meter abgesenkten Hauptsee.
Die Aufgabe der Bigge, die Versorgung von Ruhr und Ruhrgebiet, müssen zurzeit andere Wasserspeicher in Westfalen übernehmen.
Untypische Perspektiven: Der Pegel reicht nicht mehr.
Nicht überall ist das Wasser noch erreichbar. Die Ufer fallen steil ab.
Ein Artikel von Volker Lübke

Bildergalerie: Bigge bietet seltene Blicke