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Kreis Olpe, Kreis Olpe, 15. Januar 2016

1.740 „Beschäftigte 2. Klasse“

Schauplatz Ernährungsindustrie: In der Branche gehören Leiharbeit und Werkverträge zum Alltag. Aber dauerhafte „2. Klasse-Jobs“ sollen durch ein Gesetz bald ein Ende haben, fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).
Schauplatz Ernährungsindustrie: In der Branche gehören Leiharbeit und Werkverträge zum Alltag. Aber dauerhafte „2. Klasse-Jobs“ sollen durch ein Gesetz bald ein Ende haben, fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).
Foto: NGG
„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Leiharbeiter und Beschäftigte mit einem Werkvertrag sollen im Kreis Olpe besser gestellt werden.“ Das fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Der Gesetzentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles zur Begrenzung von Leiharbeit und Werkverträgen sei zwar ein „Schritt in die richtige Richtung“, sagt Isabell Mura.

Der Geschäftsführerin der NGG Südwestfalen gehen die geplanten Änderungen aber nicht weit genug: „Die Politik muss endlich dafür sorgen, dass heimische Stammbelegschaften nicht dauerhaft durch Beschäftigte zweiter Klasse ersetzt werden“, so Mura. Dabei sollten insbesondere die Betriebsräte „ein Wörtchen mitreden“ können.

Im Kreis gab es nach Angaben der Gewerkschaft im vergangenen Jahr rund 1.740 Leiharbeiter. Zehn Jahre zuvor waren es noch etwa 600. „Leiharbeiter machen dabei oft genau den gleichen Job wie die Stammbelegschaft – nur für weniger Geld. Außerdem haben sie meist weniger Urlaub, häufig keine Extra- Alterssicherung und müssen manchmal in der Werkskantine auch noch höhere Preise bezahlen“, kritisiert Mura. Besonders in der Fleischindustrie und in der Ernährungswirtschaft sei Leiharbeit weit verbreitet. Auch im Kreis Olpe setzten viele Chefs mit „Billig-Jobs“ darauf, Tarif- und Sozialstandards zu umgehen. „Missbrauch gehört zum Alltag“ Dieses Kalkül stecke ebenfalls hinter den Werkverträgen. Hier wird der Mitarbeiter für eine bestimmte Tätigkeit, ein Gewerk, bezahlt. Isabell Mura: „Auch hier gehört Missbrauch zum Alltag. Es ist eine schlechte Ausrede, wenn Firmen immer wieder mit flexiblen Arbeitskräften für wechselnde Auftragslagen argumentieren und diese in Wahrheit wie Stammpersonal einsetzen.“

Nach dem Vorschlag des Bundesarbeitsministeriums soll die Leiharbeit künftig auf maximal 18 Monate begrenzt werden. Bei Werkverträgen soll stärker überprüft werden, ob dahinter nicht tatsächlich ein normales Arbeitsverhältnis steckt. „Aber damit diese Kontrolle wirklich funktioniert, brauchen die Betriebsräte mehr Mitbestimmungsrechte. Sie müssen erkennen, ob ein Werkvertrag wirtschaftlich gerechtfertigt ist“, fordert die NGG-Geschäftsführerin. Ohne starke Arbeitnehmervertreter sei der Missbrauch von Leih- und Werkvertragsarbeitern nicht in den Griff zu bekommen. (LP)

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