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Kirchhundem, 29. Oktober 2017

Interview: „Man bekommt so viel zurück"

Ulrike Peez-Lingemann behandelt Krebskranke kosmetisch - und ehrenamtlich

Ulrike Peez-Lingemann engagiert sich ehrenamtlich und hilft krebskranken Menschen mit ihren Behandlungen.
Ulrike Peez-Lingemann engagiert sich ehrenamtlich und hilft krebskranken Menschen mit ihren Behandlungen.
Foto: Jill Arens
Kirchhundem. Die Diagnose Krebs dürfte jeden Menschen ziemlich aus der Bahn werfen. Betroffenen etwas Gutes tun, während sie sich in gemütlicher Atmosphäre zu entspannen versuchen, und dem schweren Schicksal positiv entgegenwirken: Das ist die Herzensangelegenheit der medizinischen Fachkosmetikerin Ulrike Peez-Lingemann aus Selbecke. Ehrenamtlich setzt sie sich für das Wohl krebskranker Menschen und speziell für den Kampf gegen Brustkrebs ein. Über ihr Ehrenamt spricht sie im Interview mit LokalPlus.
Frau Peez-Lingemann, wofür genau setzen Sie sich ehrenamtlich ein?
Ich setze mich für krebskranke Frauen und Männer ein. Weil sie oft kein Gefühl in Händen und Füßen haben, kann ich mit Körper- und Gesichtsbehandlungen helfen. Danach sollen sie in den Spiegel schauen können und denken „Ich bin ja gar nicht so krank“, denn die Behandlungen steigern das Selbstwertgefühl.
Wann und warum haben Sie sich mit Brustkrebs erstmalig genauer beschäftigt?
Weil immer mehr Frauen betroffen sind, habe ich allgemein viel zum Thema Krebs gelesen. 2006 hatte ich dann die Idee, den Menschen einfach etwas Gutes zu tun. Ich wollte ihnen vor und nach der Chemotherapie helfen, um zum Beispiel fehlende Augenbrauen zu korrigieren und so insgesamt das Selbstwertgefühl zu steigern. Anfangs habe ich mir in zwei Krankenhäusern einen Raum eingerichtet und mich dort um die Patienten gekümmert. Doch als ich sie zu mir nach Hause eingeladen habe merkte ich, dass sie sich außerhalb der eher kühlen Krankenhauseinrichtung viel wohler fühlen.
Ihr Beruf ist ihre Leidenschaft: Anderen Menschen Erholung und Selbstwertgefühl zu ermöglichen, ist ihr eine Herzensangelegenheit.
Ihr Kosmetikinstitut lädt zum Wohlfühlen ein. Inwiefern helfen Sie den erkrankten Frauen?
Ich berate vor und nach der Chemotherapie in Bezug auf Hautirritationen. Zudem haben die Patienten oft Durchblutungsstörungen. Die entstehende Wärme durch Parafinbäder regt die Durchblutung an, genauso wie ein engiftendes Fußbad mit anschließender Fußmassage oder Aromamassagen, um die Haut wieder aufzubauen. Zudem gehört der Aufbau von dunkel und porös gewordenen Nägeln dazu. Wir trinken aber auch Kaffee zusammen, machen Spaziergänge und reden. Auch Angehörige kommen mit. Das ist besonders wichtig bei Jugendlichen, deren Eltern erkrankt sind, da sie meist mit in ein Loch fallen.
Warum ist es Ihnen wichtig, den Frauen etwas Gutes zu tun?
Ich habe einfach festgestellt, wie gut es den Patienten nach meiner Behandlung geht. Den erkrankten Frauen oder auch Männern etwas Gutes zu tun, ist toll und gibt ihnen so viel Kraft. Daher möchte ich auch eine onkologische Fachausbildung machen, um mich in diesem Bereich einfach noch mehr zu spezialisieren.
Wie werden die erkrankten Frauen auf Sie aufmerksam?
Sie bekommen die Information durch die Krankenhäuser. Ich möchte aber einen Flyer anfertigen, der dann in Krankenhäusern und auch Arztpraxen ausliegt. Viele wissen gar nicht, dass sie zu mir kommen können.
Ist die stetige Beschäftigung mit dem Thema belastend?
Nein, wenn das sehr belastend wäre, dann könnte ich es nicht machen. Ich gehe nach den Behandlungen im Wald mit meinem Hund spazieren. Mir geht es gut, wenn es den betroffenen Menschen gutgeht. Man bekommt so viel von den Leuten zurück.
Ulrike Peez-Lingemann blättert durch ihre ehrenamtlichen Bescheinigungen und Artikel über ihre Arbeit.
Wie viel Zeit, Ideen und Arbeit investieren Sie für die ehrenamtliche Tätigkeit?
Das ist schwierig zu sagen. Eine Ganzkörperbehandlung dauert schon 1,5 Stunden mit Ruhe und Wärme. Wenn man dann teilweise noch spazieren geht und Kaffee trinkt, kann das auch mal vier Stunden dauern. Das ist ganz unterschiedlich.
Haben Sie im Rahmen der ehrenamtlichen Tätigkeit schon schlimme Schicksalsschläge miterlebt?
Natürlich habe ich erleben müssen, dass jemand nicht mehr da war. Es gab auch eine Patientin, die noch sehr jung war und die ich auch lange betreut habe. Sie hat sich gewünscht, dass ich sie noch weiter besuche, und das habe ich dann gemacht.
Behandeln Sie eine Frau, die Sie besonders beeindruckt?
Ich habe ein junges Mädchen ein halbes Jahr lang mit Massagen behandelt. Wir waren auch wandern, haben zusammen gegessen und Sekt getrunken. Sie ist sehr stark, obwohl sie weiß, dass sie die schöne Welt leider noch dieses Jahr verlassen muss. Auch ihre Eltern kamen mit, waren aber sehr zerbröselt und weinten. Ihren Freund brachte sie ebenfalls her, um ihm zu zeigen, wo sie immer behandelt wird. Trotzdem ist sie stark und nicht ängstlich, dass sie leider gehen muss.
Sie planen eine Weihnachtsmarkt-Aktion. Wo und was genau soll stattfinden?
Ich mache seit einigen Jahren die Aktionstage „Kompetenz gegen Brustkrebs“ in Olpe mit. Da aus meiner Kundschaft auch einige Frauen erkrankt sind, habe ich mir dieses Jahr überlegt, einen Weihnachtsmarkt ins Leben zu rufen. Die Spenden kommen dem gemeinnützigen Verein Kompetenz gegen Brustkrebs e.V. zugute. Das Herzanliegen dieses Vereins ist es, nach einer Brustkrebsdiagnose durch vielfältige Angebote zu stärken und zu unterstützen. Helfen wird mir in diesem Rahmen außerdem der Gastronom Peter Rameil aus Saalhausen, der mir seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Zuerst werden wir uns am 14. Dezember von 18 bis 21 Uhr bei irischer Musik zu einem gemütlichen Abend versammeln. Am 17. Dezember wird dann ab 11 Uhr der Weihnachtsmarkt, ebenfalls im Gasthof Rameil, stattfinden. Es gibt Apfelpunsch, Glühwein, frischgebackenes Brot, Mandeln, selbstgemachte Marmelade sowie selbstgebackenen Weihnachtskuchen von meinen Kundinnen. Für Kinder gibt es Marshmallows über einer Feuertonne. Kaffee spenden Peter Rameil und seine Frau Dorotha. Ich freue mich natürlich, wenn viele liebe Menschen kommen und mein Projekt unterstützen.
Haben Sie abschließend noch Tipps, wie Brustkrebs frühzeitig entdeckt werden kann?
Ganz wichtig sind Vorsorgeuntersuchungen und das Wissen über Möglichkeiten der Selbstuntersuchung.
Weitab des Krankenhauses können die Patienten bei Ulrike Peez-Lingemann richtig entspannen.
Kosmetikinstitut Baum der Schönheit
Homepage: www.mobile-kosmetikerin.com
Mobil: 01714161082
Telefon: 02723979631














Ein Artikel von Jill Arens

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