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Kirchhundem, 27. Mai 2017

„Hier gibt es tolle aromatische Sachen, nicht nur Kartoffeln“

Siegerländer eröffnet Destillerie in Würdinghausen

André Neumann eröffnet im Herbst seine eigene kleine Destillerie am Kreisel in Würdinghausen.
André Neumann eröffnet im Herbst seine eigene kleine Destillerie am Kreisel in Würdinghausen.
Foto: Christine Schmidt
Würdinghausen. Der Schnaps auf Partys schmeckte ihm nicht. Heute besitzt er seine eigene kleine Schnaps-Brennerei: André Neumann braut in einem kleinem Raum am Würdinghauser Kreisel seinen eigenen „Schnaps“ – bzw. Geister.

„Das ganze Jahr in flüssiger Form festhalten“, erklärt Neumann, das sei einer der Hintergründe, warum ihm das Brennen so viel Spaß mache. „Ich bin ein Mensch, der gerne etwas mit Lebensmitteln macht“, fügt er hinzu und ist zu seiner Leidenschaft, dem Brennen von Geistern, gekommen. Ingwer-, Himbeer- oder Kräutergeister – der 24-Jährige verwendet allerlei Zutaten. Aber immer frisch und aus bester Qualität.

Alles fing an, weil Neumann der Schnaps auf Partys nicht schmeckte. Da ihn die handwerkliche Verarbeitung von Lebensmitteln schon immer interessierte, reizte den 24- Jährigen dann irgendwann die Idee, doch Spirituosen herzustellen, die auch schmecken sollten. Faible für Absinth Mit Kursen und viel Literatur eignete er sich sein gesamtes Wissen zu dem Thema an. Viele Rezepte, vor allem historische, testete er – besonders der Absinth hatte es ihm angetan. Seine ersten Ergebnisse bezeichnet er selber als „ganz akzeptabel“. Knapp fünf Jahre tüftelte er zu Hause im Siegerland an seinen Rezepturen – alles an einem herkömmlichen Tisch.

„Dann wurde es irgendwann ernster“, lacht André Neumann. „Man muss es professionell machen oder gar nicht.“ So kamen bei ihm die ersten ernsthaften Gedanken, sich selbstständig zu machen, auf. Also mussten passende Räumlichkeiten für den Siegerländer her. Aber warum landete er gerade in Würdinghausen?
Neumann, der hauptberuflich technischer Zeichner ist, erklärt, dass er zunächst einen Raum in Siegen im Blick hatte, sich die Immobilie allerdings im Industriegebiet befand. „Das hat mich dann ein bisschen abgeschreckt“, erklärt er. Für Kundenbesuche hätte das besondere Flair gefehlt. „Wenn man dann hier an den Fachwerkhäusern vorbei fährt, ist das schon schöner“, freut sich der 24-Jährige über seine Räumlichkeiten an der Würdinghauser Straße.

Seine Destillate will er hauptsächlich aus regionalen Produkten herstellen. Auch das Ernten übernimmt er selbst, bald wolle er Nadelbaumsprossen sammeln, erzählt er. „Aber auch aus Blüten und Gewürzen kann man tolle Destillate machen“, schwärmt der 24-Jährige. „Hier gibt es tolle aromatische Sachen, nicht nur Kartoffeln“, scherzt Neumann. Geruchssinn entscheidet Der Siegerländer ist sehr perfektionistisch. Erst wenn ihm sein Schnaps zu 100 Prozent schmeckt, ist er auch zufrieden. Bei der Frage, ob er nach dem ganzen Probieren überhaupt noch nach Hause fahren dürfe, lacht er: „Da machen sich meine Kollegen auch immer drüber lustig. Aber natürlich trinke ich nicht.“

Neumann erklärt, dass man zum Testen nicht zehn Pinnchen trinken muss, sondern dass der Geruchssinn zählt. Wenn dann mal probiert werden muss, sei das dann nur eine Fingerspitze.
Da die Geister Zeit zum Reifen brauchen, plant Neumann noch keine genaue Eröffnung, geplant ist aber September, Oktober. Da er die Destillerie aber nur nebengewerblich betreibt, ist es anfangs nicht möglich, spontan vorbei zu kommen. André Neumann bittet Interessierte daher, vorher telefonisch einen Termin abzusprechen. Dann können seine Produkte natürlich erworben werden.
Ein Artikel von Christine Schmidt

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