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Kirchhundem, Kirchhundem, 24. Oktober 2015

Drei Sauerländer produzieren „Kettenfett“ / Lakritzlikör bereits überregional bekannt

Mehr als eine „Bonbonmische“

Diese drei Sauerländer sind die Erfinder von „Kettenfett“.
Diese drei Sauerländer sind die Erfinder von „Kettenfett“.
Die Popularität von „Kettenfett“ steigt weiter: Der Lakritzlikör wird nicht nur auf vielen Schützenfesten und Partys im Kreis Olpe verteilt, sondern hat mittlerweile auch in Kneipen, Bars und Discotheken Einzug gehalten und es über die Grenzen der Region hinaus zu Bekannt- und Beliebtheit gebracht. Die drei Erfinder von „Kettenfett“, die mittlerweile im Rheinland leben, stammen aus der Gemeinde Kirchhundem.

Die Idee kam Benjamin Jürgens, Matthes Schauerte und Jens Peter Vente vor circa fünf Jahren: Damals lernte das Trio einen Finnen kennen, der einen Lakritzlikör aus seiner skandinavischen Heimat mitgebracht hatte und zum Probieren herumreichte. Die drei jungen Männer aus dem Sauerland waren begeistert – und begannen kurz darauf, mit simpelsten Mitteln in ihren Küchen zu experimentierten.Veganes ProduktViele „unangenehme Mischungen“ und etliche Nachtschichten nahmen sie in Kauf, bis die perfekte Mischung für das finale Rezept, das „Kettenfett“, gefunden war. Der Likör wird seither bei einem Lohnabfüller unter schwerster Bewachung und Geheimhaltung produziert und abgefüllt. Dabei war es Jürgens, Schauerte und Vente nach eigener Aussage wichtig, stets natürliches Lakritz zu verwenden und nicht künstliche Aromastoffe. Und nicht nur das: „Kettenfett ist übrigens zu 100 Prozent vegan“, sagt Schauerte.

Eine „Bonbonmische“ könne man immer und leicht herstellen, sagt er. Das sei jedoch nicht der Anspruch gewesen. „Wir wollten etwas Eigenes mit hoher Qualität. Das Ganze dann groß aufzuziehen, stand dabei ziemlich früh fest.“ Was das für Hürden mit sich brachte, wussten sie damals jedoch nicht. Sowohl im Vorfeld als auch jetzt investieren Schauerte, Vente und Jürgens viel Zeit in das Projekt „Kettenfett“. Probleme selbstständig gelöst „Alles wird gemeinschaftlich angegangen. Dies führt das auch immer wieder zu Streitigkeiten, aber auch wieder zu feucht-fröhlichen Zusammenkünften“, sagt Schauerte. Dadurch, dass die drei allesamt branchenfremd waren, standen sie immer wieder vor Problemen. Diese meisterten sie letztendlich in Eigenregie. „Vom Know-how bis hin zur Eigenfinanzierung, wir haben nur wenige Beratungen in Anspruch genommen. Bei den wenigen offiziellen Terminen stellten wir wieder und wieder fest, dass wir mit unseren wenigen Mitteln schon sehr gut aufgestellt sind“, so Schauerte. Auch das Internet sei dabei eine gute Hilfe gewesen.

Produktion und Vertrieb von „Kettenfett“ laufen nach Angaben des Trios gut. Allerdings seien sie immer noch davon entfernt, von dem Geschäft mit dem Likör leben zu können. „Wir müssen immer noch nebenbei arbeiten“, sagt Schauerte. Der Aufwand habe sich bislang aber auch aus einem anderen Grund gelohnt. „Wir werden nicht von dieser Welt gehen, ohne sagen zu können, wir haben ein bisschen was zum Weltchaos beigetragen“, sagt Schauerte und lacht. „Ein Supergefühl. Wir haben etwas geschaffen.“ Regelmäßiger Kontakt zu Abnehmern „Kettenfett“ hat schon einen gewissen Bekanntheitsgrad. Gerade im Sauerland wird häufig damit gefeiert, was die Erfinder freut: „Das ist unsere Heimat, und das ist, was am Ende bleibt.“ Auch im Rheinland komme der Likör schon ganz gut an. Allerdings müsse das Trio derzeit noch regelmäßig den Kontakt zu Abnehmern pflegen, weil diese das Getränk noch nicht immer von selbst nachbestellen. „Hat man eine Kneipe gefunden, muss man dran bleiben und immer wieder nachfragen, anrufen, vorbeifahren und jeden Tag drüber sprechen“, so Schauerte.

Konkurrenz gebe es wenig. Hinter den Lakritzlikören, die bekannt sind und verkauft werden, stehen allerdings in der Regel große Unternehmen. „Kettenfett“ sei jedoch anders, weil unter anderem natürliche Lakritze benutzt und auf künstlichen Aroma- oder Farbstoffe verzichtet werde. Aus diesem Grund müsse das Produkt vorher immer geschüttelt werden, da sich sonst das Lakritz unten in der Flasche absetzt. Der Alkoholanteil von „Kettenfett“ liege mit 25 Prozent außerdem über den für Lakritzlikör gängigen Werten.Name mit Sauerländer Charakter Die Namensgebung, so Schauerte, sei auf die Heimatverbundenheit bezogen. „Kettenfett“ sollte einen Namen haben, mit dem sich die Sauerländer in ihrer Industrieregion identifizieren können. Mittlerweile erfreuen sich auch Merchandise-Artikel wie T-Shirts und Aufkleber großer Beliebtheit; Fotos von „Kettenfett“ von allen möglichen Orten der Welt würden Fans des Getränks dem Trio immer wieder online oder per Smartphone zukommen lassen. Das werten Schauerte und Co. als zusätzliche Motivation.
Ein Artikel von Nils Dinkel

Bildergalerie: Mehr als eine „Bonbonmische“