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Kirchhundem, Kirchhundem, 6. August 2015

Allein der Bereich "Asyl" verschlingt 217.000 Euro mehr als geplant

Kirchhundem zieht die Notbremse: Haushaltssperre

Haushaltssperre bei der Gemeinde Kirchhundem - doch Kämmerer Tobias Middelhoff ist optimistisch.
Haushaltssperre bei der Gemeinde Kirchhundem - doch Kämmerer Tobias Middelhoff ist optimistisch.
Foto: LP
Es ist eine "Notbremse", wie Kirchhundems Kämmerer Tobias Middelhoff erklärt: Um einem drohenden Nothaushalt zu entgegen, hat er die Haushaltssperre angeordnet. Doch er zeigt sich optimistisch.

"Wie bekannt, befinden wir uns im letzten Jahr der Haushaltssicherung", sagte Middelhoff auf Anfrage von LokalPlus. Das heißt: In diesem Jahr muss der Etat komplett ausgeglichen sein, um weiteren drohenden Konsequenzen zu entgehen. Schwierige Planungen Anfang des Jahres legt die Gemeinde immer den geplanten Haushalt für das kommende Jahr fest. Schwierig, wie der Kämmerer betont: "Ich vergleiche das immer mit einem Privatmann. Stellen Sie sich vor, Sie bekommen am Anfang eines Jahres Ihr komplettes Gehalt für das ganze Jahr und sollen dann damit wirtschaften - dabei wissen Sie gar nicht, was finanziell alles auf Sie zukommen kann."

Ein Autounfall. Eine kaputte Heizung. Unwetterschäden. Das sind nur einige Beispiele. Und Möglichkeiten dieser Art müssen immer - sowohl im Privathaushalt als auch bei einer Gemeinde - eingeplant werden. Die Frage ist: Wieviel rechnet man für solche Unwägbarkeiten ein?

"Ein Haushalt", so erklärt Middelhoff, "unterliegt immer einer gewissen Dynamik." Am Beispiel Kirchhundem: Alleine für den Bereich "Asyl" hatte die Gemeinde mit 243.000 Euro schon weitaus mehr Geld eingeplant als in den vergangenen Jahren - doch es reicht nicht. Middelhoff: "Dieser Bereich kostet uns bis jetzt schon 217.000 Euro mehr als einkalkuliert." 76.000 Euro einsparen Die Haushaltssperre ist eine Möglichkeit, um Kosten einzusparen. "Wir haben uns mit den Vertretern der verschiedenen Fachbereiche zusammengesetzt und überlegt, wo wir sparen können." Alles in allem kommt die Verwaltung auf einen Betrag von 76.000 Euro. Also wird weiter geprüft, wo noch gespart werden kann. Die einzelnen Bereiche müssen in der Haushaltssperre nun mit den vorhandenen Summen auskommen.

Doch Tobias Middelhoff ist optimistisch: "Wir sind guter Dinge es bis Ende des Jahres zu schaffen. Wir versuchen unser Bestes." Derzeit stehen noch Zuschüsse für verschiedene Bereiche aus, außerdem beobachte man die Entwicklung der Gewerbesteuer.

Mitte des nächsten Jahres weiß die Verwaltung, ob die Bemühungen ausgereicht haben. Falls ja, wäre Kirchhundem damit die erste Kommune in NRW, in der das Verfahren einen guten Ausgang genommen hat. Middelhoff: "Dann unterliegen wir einem anderen rechtlichen Rahmen und sind wieder freier in der finanziellen Gestaltung." Schlimmste Konsequenz: Nothaushalt Sollte es nicht klappen, kommt die Gemeinde in den Nothaushalt. Dann, so der Kämmerer, "können wir nur noch finanzieren, was absolut gesetzlich und vertraglich festgelegt ist."

Doch diese Alternative liegt in weiter Ferne. Kirchhundem will es schaffen. Und Tobias Middelhoff ist vor allem mit Blick auf die Hilfe von Kollegen, Bürgern, Politik und Unternehmen guter Dinge: "Alle ziehen an einem Strang. Wir erfahren von allen Seiten sehr viel Unterstützung und möchten dafür herzlich danken."
Ein Artikel von Kerstin Sauer

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