Nachrichten Dies und das
Kirchhundem, 26. August 2017

Tiere, Menschen und Comic-Figuren

Felix Schreiter aus Kirchhundem „schnitzt" Figuren aus Holz - mit der Kettensäge

Maßarbeit mit der Kettensäge: Felix Schreiter aus Kirchhundem schnitzt in seiner Freizeit Figuren aus Holz.
Maßarbeit mit der Kettensäge: Felix Schreiter aus Kirchhundem schnitzt in seiner Freizeit Figuren aus Holz.
Foto: Christine Schmidt
Kirchhundem. Maler schwingen ihre Pinsel, um Kunstwerke zu schaffen. Felix Schreiter greift dafür zur Motorsäge. Die große Leidenschaft, mit der Säge Figuren aus Holz anzufertigen, hat er bereits vor neun Jahren für sich entdeckt.

Die Späne fliegen, Felix steht mit seiner Motorsäge daneben und zeichnet die Konturen. Aus dem großen Stück Holz soll ein Fisch entstehen. Als würde er malen, bewegt der 30-Jährige die Säge geschmeidig entlang des Blocks und schnitzt eine Flosse. Nach wenigen Minuten ist aus der glatten Oberfläche eine detailreiche und strukturierte Flosse geworden.

„Den Fisch mache ich heute noch fertig“, sagt Felix. Er erzählt, dass er eine Figur relativ schnell hinbekomme. Zum Vergleich: Für eine Figur in Menschengöße, die fertig neben ihm steht, habe er zehn Stunden gebraucht. So einen "kleinen" Fisch bekommt er in zwei bis drei Stunden hin.Vorstellungskraft benötigt Der nackte Block Holz steht vor ihm, und er beginnt mit den ersten Arbeiten. Mit der Sprühdose fertigt Felix eine erste grobe Zeichnung an. Dann wird „ausgeblockt". Das bedeutet: Die ersten Holzblöcke werden weg geschnitzt, sodass ein grobes Objekt entsteht - alles mit einer großen Säge mit großem Blatt. Zwischendurch zeichnet der 30-Jährige immer wieder Konturen ein und arbeitet sich so immer weiter vor. „Man muss sich schon vorstellen können, wie die Figur hinterher aussehen soll.“

Der Kirchhundemer ist gelernter Forstwirt und war deshalb immer mit der Natur verbunden. Seit einiger Zeit arbeitet er allerdings bei der Firma Grünewald in Holfolpe und steht jeden Tag in der Fabrik. „Das ist dann einfach mein Ausgleich, wenn ich von der Arbeit komme und hier sein kann“, sagt Felix über sein Hobby. 
Schon während seiner Ausbildung zum Forstwirt hatte der 30-Jährige jeden Tag mit Holz zu tun. „Irgendwann habe ich dann gedacht: Warum immer nur die Bäume fällen, warum nicht damit arbeiten?“ 2008 nahm Felix schließlich an einem Schnitzlehrgang mit einem Profi teil, der ihm vor allem die Grundtechniken beibrachte. Danach übte der Holzliebhaber einfach auf eigene Faust weiter - und merkte irgendwann: „Ich habe ein Händchen dafür.“

Felix schnitzt alle möglichen Figuren, ob Tiere, menschliche Wesen oder auch Comic-Figuren. Die meisten seiner Werke entstehen auf Anfrage, Kunden kommen und lassen die Wünsche von Felix umsetzen. Er berät die Leute, zeigt, was machbar ist, und fertigt eine grobe Zeichnung an. Mit den Kunden zusammen bespricht er dann die finale Ausrichtung, bevor er loslegen kann. „Die Figuren werden allerdings nie eins zu eins so wie auf dem Papier. Ich bringe meinen eigenen Stil mit ein, und jedes Projekt ist individuell“, so der Kirchhundemer. Eines seiner Werke kopieren? Das würder er wohl nicht schaffen, sagt Felix. Keativität ausleben Aber genau das ist es auch, was ihn so fasziniert: Jede seiner Figuren sei einzigartig. Ihn begeistert die Kreativität, die er ausleben kann. „Außerdem ist es beeindruckend, wie man mit so grobem Werkzeug solche feinen Arbeiten umsetzen kann“, so der 30-Jährige. Feine Arbeiten zeichnen Felix´ Werke aus: kleine Fenster in Häusern, einzelne Steine einer Brücke oder menschliche Gesichter. Alles Details, die die Holzskulpturen zieren. Gesichter machen es Felix allerdings noch etwas schwer, „die kann ich noch nicht perfekt.“

Trotzdem sagt er selbst, dass er eine große Entwicklung bei seinen fertigen Objekten sehe: „Man wächst mit jeder Figur.“ Besonders die letzten Sachen seien größere Figuren gewesen, auf die ist er auch besonders stolz.
Zu seinen neuesten Figuren gehört auch das neue Kunstwerk auf dem Dorfplatz in Kirchhundem. Felix hatte den Kirchhundemern angeboten, für den Platz ein Holzobjekt zu gestalten, das Besonderheiten des Ortes darstellt. So schnitzte der Kettensägen-Künstler die Kirche, die Eisenbahnbrücke und Fachwerkhäuser in den Holzblock.

Ein Fan von Farbe ist Felix nicht. Wenn es ein Kunde allerdings einen anderen als den reinen Holz-Look wünscht, sei das wieder etwas anderes. Trotzdem berät Felix die Leute. Farben wie Braun oder Grau seien in Ordnung, „aber eigentlich mag ich am liebsten die natürliche Farbe.“ Um seine Ruhe zu haben - und auch, um die der Anwohner nicht zu stören - hat der Kirchhundemer seinen eigenen Platz bei dem Sägewerk Horn in Altenhundem. Hier bekommt der 30-Jährige auch Unterstützung, sei es bei Material oder Werkzeugen.
Ein Artikel von Christine Schmidt

Bildergalerie: Felix Schreiter aus Kirchhundem „schnitzt" Figuren aus Holz - mit der Kettensäge