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Kirchhundem, 08. Juni 2017

LokalPlus im Gespräch mit der DLRG-Ortsgruppe Oberhundem

Fast 60 Prozent der zehnjährigen Kinder sind keine sicheren Schwimmer

Im Durchschnitt besitzen nur 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen ein Jugendschwimmabzeichen.
Im Durchschnitt besitzen nur 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen ein Jugendschwimmabzeichen.
Foto: Barbara Sander-Graetz
Kirchhundem/Lennestadt. 59 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. Eine repräsentative Forsa-Umfrage hat dies deutlich aufgezeigt. Der Vizepräsident der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Achim Haag, hatte das in Hannover bekannt gegeben. LokalPlus hat mit Carsten Picker von der DLRG-Ortsgruppe Oberhundem über dieses Thema gesprochen.

Zwar gebe es für die Region Lennestadt/ Kirchhundem noch keine Zahlen, aber auch die hiesige DLRG merkt nach eigenen Angaben bereits, dass viele Kinder immer unsicherer im Schwimmen sind. Carsten Picker erklärt, dass sicheres Schwimmen nicht gewährleistet sei, wenn Kinder das Abzeichen „Seepferdchen“ haben. „Um sicher zu sein, muss es mindestens das Abzeichen Bronze sein.“

Viele Eltern stecken ihre Kinder in Schwimmkurse und denken, ein Seepferdchen würde ausreichen - aber man müsse am Ball bleiben und weiter üben, so Picker weiter. Für das Seepferdchen muss eine Strecke von 25 Metern zurückgelegt werden, das Bronze-Abzeichen erhält man erst bei einer Distanz von 200 Metern. Hohes Risiko im Urlaub „Es ist einfach wichtig, sicher zu schwimmen“, so der DLRGler. Besonders im Urlaub, ob am Meer oder im Pool, sei es ein hohes Risiko für die Kids und auch für die Eltern. „Also ich wüsste nicht, ob ich da so beruhigt liegen könnte, wenn mein Kind nicht sicher schwimmen kann“, äußert Carsten Picker.

Er ist der Meinung, dass das Schwimmen selbstverständlich sein sollte, „so wie Fahrrad fahren.“ Allerdings sei es auch immer wieder in den Kommunen zu beobachten, dass das Schwimmen bei vielen Eltern einen nicht so hohen Stellenwert habe, wie es sein sollte, erklärt der Oberhundemer. Richtig schwimmen statt spielen Eltern sollten bei dem Thema viel mehr Initiative zeigen und auch privat mehr schwimmen gehen. Schwimmen gehen heißt in diesem Sinne aber eben nicht, rutschen, spielen und im niedrigen Wasser plantschen, erklärt Picker: "Da findet das eigentliche Schwimmen nämlich nicht statt."

Der DLRGler freut sich allerdings, dass das Schwimmen bei den Grundschulen in Lennestadt und Kirchhundem fester Bestandteil des Stundenplans sei. „Effektive Zeit zum Lernen bleibt da aber leider nur wenig“, fährt Picker fort. Bei der Busfahrt, in der Umkleide plus Rückfahrt bleibe da eventuell noch eine halbe Schulstunde. Den Lehrern könne man keinen Vorwurf machen. „Sie möchten ja und sind auch engagiert“, aber bei so vielen Kindern und den unterschiedlichen Leistungsstufen seien einfach Grenzen gesetzt.   Keine Badschließung im Kreis Die bundesweite Umfrage ergab, dass auch die Bäderschließungen eine Rolle spielen, dass immer weniger Kinder sicher im Schwimmen sind. „Davon sind wir Gott sei Dank nicht betroffen“, so Picker abschließend.

Die DLRG Ortsgruppen Lennestadt und Oberhundem möchten die Öffentlichkeit darauf hinweisen, wie wichtig es ist, dass Kinder sicheres Schwimmen erlernen. Nobbi vor dem Lennestädter Kino Zu diesem Zweck haben die beiden Ortsgruppen zusammen mit dem Lichtspielhaus Lennestadt eine Aktion geplant. Am Sonntag, 11. Juni, stellen sich die DLRG Lennestadt und die DLRG Oberhundem  ab 13.30 Uhr mit einem Info-Stand vor dem Lichtspielhaus Lennestadt vor. Mit dabei sind ein Einsatzfahrzeug, ein Motorrettungsboot sowie das DLRG-Maskottchen „Nobbi“.
60 engagierte DLRG-Mitglieder der beiden Ortsgruppen möchten dann auf ihre ehrenamtliche Arbeit hinweisen und Eltern und Kinder auf die Angebote der DLRG hinweisen.

Als Unterstützung und Anerkennung des großen Engagements der DLRG lädt das Lichtspielhaus die anwesenden DLRG-Mitglieder zu einer kostenfreien Sondervorstellung des Films „Baywatch - Der Film“ ein.
Ergebnisse der Umfrage:
  • Im Durchschnitt besitzen nur 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen ein Jugendschwimmabzeichen
  • Mittlerweile haben rund 25 Prozent der Grundschulen keinen Zugang zu einem Bad
  • 14 Prozent bezeichnen sich als sehr guter Schwimmer und 33 Prozent als guter Schwimmer
  • Für einen durchschnittlichen Schwimmer halten sich 40 Prozent, als schlechten Schwimmer bezeichnen sich 9 Prozent und drei Prozent „outeten“ sich als Nichtschwimmer
  • Der Anteil der Nichtschwimmer und unsicheren Schwimmer in der Bevölkerung beläuft sich damit auf 52 Prozent
  • Die Rettungsschwimmer der DLRG haben im vergangenen Jahr 1071 Menschen vor dem Ertrinken gerettet
Ein Artikel von Christine Schmidt

Bildergalerie: Fast 60 Prozent der zehnjährigen Kinder sind keine sicheren Schwimmer