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Kirchhundem, Kirchhundem, 14. April 2016

Humorvoller Vortrag des Psychiaters Manfred Lütz: Über das Mögliche und das Unerreichbare

Die Philosophie des Glücks

Gutgelaunt in Kirchhundem: Manfred Lütz.
Gutgelaunt in Kirchhundem: Manfred Lütz.
Fotos: Jill Arens.
Manfred Lütz, bekannter Arzt und Psychiater, philosophierte am Mittwochabend, 13. April, über das Thema Glück. In seinem Vortrag vor den gespannten Besuchern der Aula der Haupt- und Sekundarschule Kirchhundem ging es auch um sein neues Buch „Wie Sie unvermeidlich glücklich werden. Eine Psychologie des Gelingens“. Der gebürtige Bonner engagiert sich in zahlreichen Ehrenämtern und beschreibt auch die sinnvolle Hilfe für andere Menschen als besonderen Weg zum Glück.

Manfred Lütz‘ „Regierung“ – damit ist seine Ehefrau gemeint – habe ihm aufgetragen, nicht mehr so viele Vorträge zu halten, sagt der Psychiater eingangs. Trotzdem steht der Allrounder wieder vor Publikum und möchte primär verdeutlichen: Sein neues Buch ist ein Anti-Ratgeber. Mittlerweile gibt es für jede Lebenssituation einen Ratgeber, Schritte, die den Menschen zum Glück und hin zum perfekten Leben führen sollen. Doch nach Lütz funktioniert dies längst nicht. Soziales Engagement macht glücklich Seine Thesen gründet Lütz auf privaten Erlebnissen und schlüssigen Argumenten. Grundlegend sei das Verständnis und die Annahme, dass Leid, Schuld, Kampf und Tod normale und alltägliche Aspekte darstellen, mit denen sich jeder Mensch auseinandersetzen muss. Weil diese Aspekte unvermeidlich sind. Wie kann man jedoch trotzdem glücklich, also unvermeidlich glücklich werden?

Dafür sollte man sich laut Lütz zuerst einmal Fakten des Glücks ins Gedächtnis rufen: Wer ständig über das Glück spricht, sei meist unglücklich. Glück sei etwas sehr Persönliches, das man meist erst im Nachhinein spüre. Glück sei sehr subjektiv und individuell, gebunden an Gerüche, Melodien usw. – und daher auch nicht mach- oder definierbar. Höchstens indirekt, denn durch soziales Engagement könne Glück nachwirken. „Jammern macht gesellig“ Obwohl oft so bezeichnet, stelle auch der Erfolg kein Synonym für das Glück dar. Wichtig ist laut Lütz, sich auf die eigenen Fähigkeiten zu konzentrieren und ein gelingendes, nicht unbedingt erfolgreiches Leben zu führen. Jeder Mensch sei Experte für sein eigenes Leben und könne das Glück als inneres Gefühl erfahren. Heutzutage hätten viele Menschen das sogenannte „Utopie-Syndrom“, welches das gezwungene Streben nach dem Unerreichbaren in den Vordergrund stellt – anstelle des Möglichen und Machbaren. Aus diesem Grund säßen mittlerweile auch einige Patienten wegen existentieller Gründe beim Psychiater. Dennoch bringt auch das Unglück Vorteile mit sich: „Jammern macht gesellig“, so Lütz.

In seinem Vortrag vereinte er ernste Themen und eine humorvolle Erzählweise. Das Publikum dankte ihm für seine Tipps mit vielen Lachern und reichlich Applaus.
Ein Artikel von Jill Arens

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