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Kirchhundem, Kirchhundem, 9. März 2016

150 Menschen nehmen an Mahnwache teil

Buntes Zeichen für Willkommenskultur

Klare Ansagen: Auf zahlreichen Schildern sprachen sich die Demonstranten für Gastfreundschaft und gegen Fremdenfeindlichkeit aus.
Klare Ansagen: Auf zahlreichen Schildern sprachen sich die Demonstranten für Gastfreundschaft und gegen Fremdenfeindlichkeit aus.
Fotos: Sven Prillwitz
Rund 150 Menschen haben am Mittwochnachmittag, 9. März, auf dem Dorfplatz ein Zeichen für Gastfreundschaft und Integration gesetzt. Die Flüchtlingshilfe Kirchhundem hatte als Reaktion auf den mittlerweile vierten Anschlag auf eine geplante Asylunterkunft in Rinsecke zu der Mahnwache aufgerufen.

Sprüche wie „Miteinander statt Gegeneinander“, „Kein Mensch ist illegal“, „Vor Gott sind alle gleich“ und „Rassismus gefährdet die geistige und emotionale Entwicklung Ihrer Kinder“ standen auf den zahlreichen Schildern, die Teilnehmer der Mahnwache in die Höhe hielten. Ebenso klare Worte fanden die Redner. Kirchhundem sei in den letzten Wochen bundesweit zu unerfreulicher Bekanntheit gelangt, sagte Ansgar Kaufmann von der Flüchtlingshilfe in Anspielung auf die Anschläge in Rinsecke.

Dieses Bild von Kirchhundem sei aber nicht repräsentativ. Im Gegenteil: „Kirchhundem ist nicht fremdenfeindlich. Hier herrscht eine echte Willkommenskultur“, betonte Kaufmann. In jedem Dorf engagierten sich Einwohner in der Flüchtlingshilfe und berichteten von „bereichernden Erfahrungen“. Kaufmann: Hilfe für Notleidende selbstverständlich Menschen in Not zu helfen, sei wichtig und selbstverständlich. „Deswegen setzen wir heute ein Zeichen für eine Kultur der Gastfreundschaft und der Integration“, rief Kaufmann der bunt gemischten Menschenmenge zu. Kommunalpolitiker, Vertreter von Wohlfahrtsverbänden und Kirche, Mitarbeiter der Verwaltung sowie Bürger und Flüchtlinge waren dem Aufruf zu der Kundgebung gefolgt. Christoph Becker, Geschäftsführer des Caritasverbandes Olpe, warb dafür, den direkten Kontakt zu Flüchtlingen zu suchen. „Wir sollten mit- statt übereinander reden. Wer auf diese Menschen, die unsere Hilfe brauchen, zugeht und mit ihnen redet, kriegt ein ganz anderes Bild von ihrer Situation“, sagte Becker. Er forderte die Zuhörer außerdem dazu auf, sich aktiv gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und für Respekt, Gleichberechtigung und Toleranz einzusetzen. „Vielfalt wird unsere Zukunft sein“, sagte Becker. Ein Flüchtling aus dem Iran bedankte sich anschließend bei den Versammelten für ihre Anwesenheit auf dem Dorfplatz und das gemeinsam gesetzte Zeichen. Reinéry sichert volle Unterstützung zu Auch Bürgermeister Andreas Reinéry dankte der Flüchtlingshilfe für das „fantastische bunte Bild“, das die Gemeinde damit nach innen wie nach außen abgebe. Er sicherte der Initiative die „Unterstützung von Bürgermeister, Rat und Verwaltung aus vollem Herzen“ zu und betonte ebenfalls die Hilfsbereitschaft der Gemeinde in der Flüchtlingsarbeit. Allerdings warnte Reinéry davor, die Anschläge auf die geplante Asylunterkunft in Rinsecke vorschnell als fremdenfeindlich einzustufen: „Davon können wir noch nicht sicher ausgehen. Solange die Ermittlungen laufen, werden wir diesen nicht vorgreifen.“
Flyer mit rechtem Inhalt
Im Vorfeld der Mahnwache sind in Kirchhundem Flyer der rechtsextremen Partei „Der III. Weg“ verteilt worden. Die Handzettel landeten auch in den Briefkästen des Rathauses und der Polizei. Die Partei steht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes.
Ein Artikel von Sven Prillwitz

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