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Kirchhundem, Kirchhundem-Oberhundem, 25. Dezember 2015

Museum für Stickerei: Internationale Werke erzählen Geschichte des Handwerks

Bundesweit einzigartig

Stickerei-Museum Oberhundem: Bundesweit einzigasrtig
Fotos: Ina Hoffmann
In dem 1685 erbauten ehemaligen Pfarrhaus in Oberhundem ist seit 1983 Deutschlands einziges Stickereimuseum beheimatet. Zahlreiche antike Stickereien aus verschiedenen Ländern zeugen von der Geschichte dieses Handwerks.

Stickereimeisterin Henriette Steinacker aus Oberhundem trug während ihrer Auslandsreisen zahlreiche Beispiele für die Stickkunst der besuchten Länder zusammen und brachte sie nach Deutschland. Als die Exponate immer zahlreicher wurden, eröffnete sie 1983 das private Stickereimuseum, um die Ausstellungsstücke der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können. „Wir sind das einzige Museum in Deutschland, das eine derartige Ausstellung zu bieten hat“, weiß Henriette Steinackers Sohn Michael Steinacker. Der Tischlermeister hat vor 25 Jahren nicht nur die Einrahmungswerkstatt im ehemaligen Pfarrhaus übernommen, sondern auch das Museum. Museum und Geschäft in einem „Bis vor etwa drei Jahren waren die Ausstellungsstücke in gesonderten Räumen im ersten Stock untergebracht. Obwohl der Eintritt immer kostenlos war, hatten viele Besucher Hemmungen, nach oben zu gehen und sich die Ausstellung anzusehen“, erzählt Michael Steinacker. „Da haben wir beschlossen, das Geschäft für Stickutensilien im Erdgeschoss neuzugestalten und die Exponate des Stickereimuseums in das Geschäft zu integrieren. Jetzt haben wir ein Museumslädchen“.

Auf 60 Quadratmetern, die ehemals Kuhstall, Tenne und Begegnungsraum des Pfarrhauses waren, finden sich jetzt nicht nur moderne Stoffe, Garne und Stickvorlagen, die zum Kauf angeboten werden, sondern auch antike Stickereien aus verschiedenen Ländern wie etwa dem Niederlanden, Belgien, Dänemark, Frankreich, Ungarn, Paraguay oder Indien. Vielfältiger Einsatz Die ausgestellten Stücke zeigen verschiedenste Arten des Handwerks: Kreuzstich, Flachstich, Plattstickerei, Ayshire-Stickerei, Richelieu oder Hedebostickerei. Die Exponate zeugen von dem vielfältigen Einsatz der Stickerei: Tischwäsche, Wandbehänge, Kissen oder Kleidung, wie etwa ein schottisches Taufkleid aus dem Jahr 1855, können im Museum bestaunt werden. Ein Hingucker im wahrsten Sinne ist ein Taschentuch aus China: erst mit der Lupe, die extra für die Besucher bereit liegt, wird erkennbar, wie fein dieses Tuch bestickt wurde. „Dieses Taschentuch wurde natürlich ohne technische Hilfsmittel wie Lupen oder Nähmaschinen hergestellt, die uns heutzutage zur Verfügung stehen. Es wurde wie alle Stücke hier von Hand bestickt“, weiß Michael Steinacker. Mustertücher als Nachahmer von damals „Wir haben einige Mustertücher in unserer Ausstellung. Diese waren damals dazu gedacht, dass die Mädchen verschiedene Stickarten erlernen, um später einmal Ausbesserungen an beschädigten Wäschestücken vornehmen zu können. Damit nicht auffällt, dass die Wäsche eingerissen war, mussten die Muster möglichst genau nachgeahmt werden können“, so Steinacker. Davon zeugt auch ein neun Meter langes Mustertuch aus Hengelo in den Niederlanden aus dem Jahr 1909. Darin wurden verschiedene Handwerkstechniken angewandt, wie etwa sticken, häkeln, nähen und stricken.

„Ein besonderes Stück ist das Mustertuch von einer Dame namens Ann Boyd. Es stammt aus dem Jahr 1790 und wurde mit menschlichem Haar auf Wollleinen gestickt“, verrät Steinacker. „Das älteste Stück hat meine Mutter aus Ägypten mitgebracht. Wir können es nicht ausstellen, da das 2000 Jahre alte Gewebe keine UV-Strahlung verträgt und natürlich nicht geschädigt werden soll“, so Steinacker.
Die Öffnungszeiten des Museumslädchens: dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 16.30 Uhr.
Ein Artikel von Ina Hoffmann

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