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Kirchhundem, 11. April 2019

Diskussionsrunde in der Kirchhundemer Schützenhalle

Baustelle Kirche: „Zwischen Untergang und Auferstehung?!“

(von links) Prof. Dr. Thomas Sternberg, Pfarrer Heinrich Schmidt, Sophia Grotmann, Alexander Sieler, Pater Johannes Nies und Hettwich vom Himmelsberg.
(von links) Prof. Dr. Thomas Sternberg, Pfarrer Heinrich Schmidt, Sophia Grotmann, Alexander Sieler, Pater Johannes Nies und Hettwich vom Himmelsberg.
Foto: Celine Kebben
Kirchhundem. „Ist die Kirche in ihrer heutigen Struktur denn so von Gott gewollt? Wie heilig kann ein System sein, in dem so ein Missbrauch möglich war?" Am Mittwochabend, 10. April, wurden diese Fragen in der Schützenhalle Kirchhundem unter dem Motto „Bedenkenswertes bei Bier und Brezeln“ heiß diskutiert. Kabarettistin Hettwich vom Himmelsberg und Prof. Dr. Thomas Sternberg debattierten, ob die Kirche eher in Richtung „Untergang“ oder „Auferstehung“ unterwegs ist.

Angesichts der heftigen Erschütterung der katholischen Kirche durch den Missbrauchs-Skandal und die vielstimmigen Reformdiskussionen, gaben Pfarrer Heinrich Schmidt und der Pastoralverbundsrat eine Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit den aktuellen Themen. 

Die circa 250 Besucher konnten ihre Meinungen und Fragen auf Karten schreiben. In der anschließenden Diskussionsrunde mit Silvia Greiten, Leiterin der Musikgruppe Horizont, Pater Johannes Nies MSF, Alexander Sieler, dem künftigen Leiter des Jugendspirituellen Zentrums Sauerland, und der angehenden Gemeindereferentin Sophia Grotmann wurde darüber debattiert. "Da steckt Herzblut drin" Hettwich vom Himmelsberg, Kabarettistin aus Attendorn, kennt sich in den innerkirchlichen Diskussionen bestens aus und blickte durch ihre Brille kritisch und humorvoll auf den Alltag in Kirche und Gesellschaft. „Das ist so schön, dass wir so viele sind, das kennt man bei katholischer Kirche gar nicht mehr so“, begrüßte sie die Besucher. Heute erwarteten die Leute mehr von der Kirche. Die, die hingingen, täten es aus Überzeugung. „Man sagt immer, früher war alles besser. Die Kinder braver, die Kirchen voller, die Prozession länger… Das war schön, aber du kannst gerade als Frau doch nicht sagen, früher war alles besser. Bei der Hexenverbrennung und bei der Spülmaschine fängt es doch an“, so die Kabarettistin. 

Himmelsberg sprach über die Rolle der Frauen in der Kirche, die immer wichtiger und notwendiger werde: „Das Evangelium kommt immer auf zwei Beinen daher - hat mal ein Pastor gesagt. Heute, wo wir Frauen immer mehr und überall unseren Mann stehen müssen, da haben wir ein anderes Selbstbewusstsein, schauen an uns runter und sehen: Zwei Beine hab ich auch, das Evangelium kann auch mit mir daher kommen. Ich glaube, wir Frauen, sind gleichermaßen und gleichwertig in Gottes Nachfolge berufen.“ "Theologie ist Interpretation"Außerdem sprach sie über die Veränderungen der katholischen Kirche: „Es ist etwas in Bewegung, aber es ist immer so: Drei Schritte vor, aber schnell wieder sieben Schritte zurück.“ Die Kirche müsse offener, transparenter und öffentlicher werden. Jeder, wirklich jeder, solle „Kirche selber machen“ dürfen.

Sie ist der Meinung, dass Theologie Interpretation - und damit menschengemacht und fehlbar ist. „Die Machtverteilung und Hierarchie, rein auf Männer konzentriert, ist das denn wirklich mit dem lieben Gott per Hotline abgesprochen? Was für eine Theologie brauchen wir, damit wir als Kirche zukunftsfähig sind?“ "Wann ändert sich mal was?" Prof. Dr. Thomas Sternberg, der gebürtig aus Grevenbrück kommt, ist als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken einer der bekanntesten Vertreter der katholischen Kirche, der sich deutlich für weitreichende Reformen einsetzt. Er beschrieb die Missbrauchsfrage in der katholischen Kirche als „besonders abscheulich“, die über einen Vertrauensverlust hinausgehe und großes Entsetzen hervorbringe.

„Wann ändert sich mal was?“, fragte Sternberg. Nur noch 58,2 Prozent der Deutschen seien bekennende, gläubige Christen, und es würden immer weniger. Mit Blick auf die anschließende Diskussionsrunde stellte er die Frage: „Wie kann man gemeinsam Kirche sein, und was kann sie selber machen?“ Bedeutung der KircheEs sei mehr Transparenz und Öffentlichkeit nötig, damit die Kirche für die Gläubigen wieder mehr an Bedeutung gewinnen könne. Sternberg beschrieb den „synodalen Weg“, der entwickelt werde, um die Strukturprobleme der Kirche, wie unter anderem das Zölibat oder die Sexualmoral, zu lösen.

Das Denken der Kirche sei nicht mehr aktuell und die Kirche habe in vielen Punkten über die Zeit an Kompetenz verloren, was es aufzuholen gelte. „In der ‚neuen Situation‘ heute sind die Menschen selbstbewusster und auf andere Weise religiös sozialisiert - viele haben sich an Kirche 'wundgerieben' und sagen, ich will nichts mehr mit der Kirche zu tun haben, aber meinen Glauben so leben.“

Dass ein Frauendiakonat möglich und die stärkere Einbindung von Frauen wichtig sei, betonte Sternberg. „Das Gesicht der Kirche ist längst weiblich vor Ort.“ Auch der Priestermangel sei ein wichtiges Thema, der Einsatz von Leihen, Ehrenamtlichen und Seelsorgern sei längst nicht mehr nur wichtig, sondern dringend notwendig. „Wir werden die Dinge sehr viel stärker selbst in die Hand nehmen müssen. Selber tun - einfach tun“, sagte Sternberg.
Prof. Dr. Thomas Sternberg und Sophia Grotmann in der Disukussionsrunde.
In der anschließenden Diskussionsrunde ging es um eine theologische Neuorientierung und einen Fortschritt im Denken der katholischen Kirche, den Priestermangel, die Sexualmoral, das Zölibat, die Missbrauchs-Fälle, die Rolle der Frauen sowie die Einbindung der Jugend, Leihen und Ehrenamtlichen in der Kirche. Tenor: Die Kirche müsse sich ändern, raus aus ihrer Komfortzone kommen, die Menschen müssten abgeholt werden und die Beziehung zwischen den Menschen und Gott müsse wieder in den Mittelpunkt gestellt werden.

Die musikalische Gestaltung übernahm die Welschen Ennester Gruppe „Horizont“. Vorbereitet wurde der Abend vom neu gewählten Vorstand des Pastoralverbundsrates, dem neben Pfarrer Schmidt Gemeindeassistentin Angelika Berels, Christina Ludwig, Christoph Becker und Ansgar Kaufmann angehören.
Ein Artikel von Celine Kebben

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