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Finnentrop, Finnentrop, 28. November 2015

Rockmusik-Kurs im kjk-Haus: Dimitrios Topalidis und der „Highway to hell“ an der Gitarre

Wie die Verzerrung die Verspannung löst

Dimitrios Topalidis.
Dimitrios Topalidis.
Fotos: Nils Dinkel
Im „kinder-, jugend- und kulturhaus“ dreht sich an diesem Nachmittag alles um Rockmusik. Genauer gesagt: Um Riffs und Rhythmen auf der Gitarre. Um „Powerchords“, „Hammer-ons“ und „Palm Muting“. Und um die Hits der Rockmusik. Kursleiter Yanik Kluge gibt Anschauungsunterricht am Sechssaiter und guckt den Teilnehmern auf die Finger.

Zum Debüt geht´s gleich an einen Klassiker in der Geschichte der Rockmusik: „Highway To Hell“ von AC/DC. Konzentriert schaut Dimitrios Topalidis auf das Griffbrett seiner Akustikgitarre, auf die Saiten, auf seine Finger. Konzentriert runzelt er die Stirn. Konzentriert versucht er sich an seinem ersten Rock-Riff. Der Junge wirkt verunsichert, weil er erstmals drei Saiten auf einmal spielen soll. Plötzlich vergreift er sich. Versucht es von vorn, vergreift sich erneut. Der 16-Jährige hätte es sich einfacher vorgestellt, sagt er. Und lässt sich von Yanik Kluge erneut zeigen, wie es die Profis der australischen Hardrocker machen.

Seit drei Monaten versucht Dimitrios sich an der Gitarre. Schwerpunkt: Rockmusik. Auf die Idee hat ihn ein Freund gebracht, der in Griechenland wohnt. Zehn Jahre spiele der jetzt schon Gitarre. Mühelos wirke das oft, sagt Dimitrios. Und gleichzeitig beeindruckend, irgendwie cool und lässig. Rockig halt. Das ist der Punkt, an den auch Dimitrios kommen will. Deswegen übt er viel zu Hause. In der Schule gibt es außerdem einen Gitarrenkurs, den er belegt. Und jetzt, an diesem Montagnachmittag und den drei folgenden, will Dimitrios im kjk-Haus etwas dazulernen. „Powerchords“ für den Anfang Die Lektion beginnt mit „Powerchords“, der elementaren und zugleich weniger filigranen Drei-Finger-Technik der Rockmusik. Bei diesem Barré-Griff ruhen drei Finger auf drei Seiten und rutschen von Bund zu Bund. Die andere Hand schlägt die Saiten an. „Smoke on the Water“ von „Deep Purple“ ist mit diesem Schema bekannt geworden.

„Auf C anfangen, dann auf G“, sagt Yanik. Dimitrios blickt auf seine Gitarre, greift mit der linken Hand die Saiten. Schlägt mit rechts an. Gemeinsam spielen er und Yanik jetzt eine Weile lang „Powerchords“. So lange, bis die Dimitrios es hinkriegt. Acht Anschläge bei variierendem Rhythmus. Erst offen und laut. Dann gedämpft. „Palm Muting“ ist der Begriff dafür, wenn die Anschlaghand auf die Saiten drückt und deren Klang dämpft.
Yanik Kluge.

Es ist der zweite Kurs, den Yanik Kluge als leitet. Damit kehrt er gewissermaßen zu seinen musikalischen Ursprüngen zurück. Der 24-Jährige hat das Gitarrespielen nämlich bei Michael Hunold gelernt, der als Diplom-Sozialpädagoge das kjk-Haus leitet. Yanik Kluge studiert soziale Arbeit, absolviert während der Semesterferien Praktika. Und weiht Jungen wie Dimitrios in die Geheimnisse und Grundlagen der Rockmusik ein. „Am Anfang gilt es erstmal darum, die Basics zu vermitteln“, sagt Kluge. Und meint Akkorde und Spieltechnik in der Theorie. Danach erst dürfen die Teilnehmer zur Gitarre greifen. ZZ-Top löst Verzweiflung aus Der Triumph ist von kurzer Dauer. Die Methode des „Hammer-on“ bezeichnet das schnelle, kräftige Aufsetzen eines Fingers der Greifhand auf eine Saite. Diese schlägt auf das Bundstäbchen am Griffbrett der Gitarre, gerät dadurch in Schwingung und sorgt für einen anderen Ton. Das geht Dimitrios nach wenigen Versuchen ganz gut von der Hand.
Dann löst ein Song von ZZ-Top Verzweiflung aus. Zu kompliziert. Dimitrios runzelt die Stirn, bricht mittendrin ab. Schaut Yanik Kluge angestrengt zu, der das Riff spielt.

Scheinbar mühelos gleiten seine Finger über die Saiten und Bünde. Nach einigen Sekunden steigt Dimitrios wieder ein. Nicht nur die Griffe, auch der Rhythmus liegen ihm noch nicht. Es wird besser, klingt aber noch nicht rund. Neuer Versuch. Wieder die gerunzelte Stirn, der Kopf nur wenige Zentimeter über dem Griffbrett. Die Augen auf die Hand fixiert, die die Saiten anschlägt. Und genau das sei der Fehler, sagt Yanik Kluge nach einer Weile. Und ermahnt Dimitrios, sich weniger auf diese Hand zu konzentrieren.

Während des Kurses ist der größte Raum für andere Kinder im kjk-Haus tabu. In einer entspannten Atmosphäre setzt sich Kluge neben seinen Schüler. „Es ist etwas anders als in der Schul-AG, wo die Kinder etwas wählen müssen. Die sind oft nicht bei der Sache. Dieser Kurs ist absolut freiwillig“, erklärt Kluge. Was es braucht, um gut Gitarre spielen zu können, um den ersten Schritt auf dem Weg zum Rockmusiker zu machen? Geduld und genügend Enthusiasmus, sagt Kluge. Und natürlich Übung, auch zu Hause. Wechsel an die E-Gitarre Als die Klänge verzerrt aus den Boxen dröhnen, läuft es bei Dimitrios rund. Yanik Kluge und seine Schüler sind jetzt im Gitarrenraum. Hier greifen sie zur E-Gitarre. Jetzt klingt es nach Rockmusik. Und damit gleich weniger nach Unterricht. Mehr nach Härte, nach Lautstärke.

Dimitrios versucht sich wieder am „Palm Muting“. Und Ozzy Osbournes „Crazy Train“ geht ihm jetzt gut von der Hand. Er ist warmgespielt. Insgesamt zwei Anläufe braucht es, bis er den komplexeren Teil des Riffs ohne Probleme hinkriegt. Dann geht es weiter zum nächsten Klassiker der Rockmusik, „Paranoid“ von Black Sabbath. Die Methode des „Sliding“ bereitet Dimitrios noch Probleme. Doch der elektrisch verzerrte Klang treibt ihn an, liegt ihm besser. Nach einigen Versuchen ist „Paranoid“ auch bei Dimitrios deutlich herauszuhören.
Im Rock-Rhyhtmus: Schüler Dimitrios und Lehrer Yanik.
Und kurz bevor die erste von insgesamt vier montäglichen Lektionen im kjk-Haus endet, geht es für Dimitrios noch einmal zurück auf seinen persönlichen „Highway to hell“. Noch immer bereitet ihm das Intro des AC/DC-Songs sichtlich Mühe, zum Teil auch Probleme. Und nach mehreren Versuchen klingt es dann schon mehr als passabel. Dimitrios hat einen weiteren kleinen Schritt zum Rockgitarristen gemacht.
Ein Artikel von Nils Dinkel

Bildergalerie: Wie die Verzerrung die Verspannung löst