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Finnentrop, 17. Dezember 2017

„LokalPlus hilft“ beim Warenkorb Finnentrop

Stundenlanger Einsatz für Entlastung und Dankbarkeit

„LokalPlus hilft“ beim Warenkorb Finnentrop
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Lenhausen. Zur Vorweihnachtszeit gehört der Adventskalender: jeden Tag ein Türchen öffnen zur Einstimmung auf das frohe Fest. Eine liebgewordene Tradition, die wir in diesem Jahr zum Anlass nehmen, ebenfalls Türen zu öffnen und hinter die Kulissen zu schauen. Wir besuchen Einrichtungen und Vereine im Kreis Olpe, die sich um Menschen kümmern, sich sozial engagieren und vielleicht nicht immer so im Fokus stehen, wie sie es verdient hätten. Wir sprechen mit Menschen, lassen uns herumführen und helfen für ein paar Stunden mit. Hier lest ihr, was Barbara Sander-Graetz beim Warenkorb Finnentrop erlebt hat.

Gut gefüllte Kisten mit Obst und Gemüse. Heute auch eine große Kiste mit Putenaufschnitt, zudem Dutzende Brote, Joghurts, Käse, Milch, Süßigkeiten und Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis, Zucker, Mehl und Öl stehen bereit. Warten darauf, über die Theke zu gehen. Allerdings handelt es sich nicht um Ware im Supermarkt. LokalPlus ist heute zu Gast beim „Warenkorb“, genauer gesagt bei der Warenausgabe in der ehemaligen Grundschule Lenhausen, um einmal hautnah bei der Arbeit der ehrenamtlichen Helfer dabei zu sein. In gut drei Stunden werden die meisten Kisten leer sein, denn für viele bedürftige Menschen ist das Angebot überlebenswichtig.

Um 14 Uhr geht es los an diesem Dienstag. Heute ist Hauptausgabe. Das heißt, rund 75 Personen werden erwartet, die Lebensmittel für sich und ihre Familien holen. Die Hauptausgabe findet zweimal im Monat statt. Zeitversetzt um eine Woche gibt es die Zwischenausgabe. Hier werden nochmals rund 50 bis 60 Familien versorgt. Jeder ist hier mit einer eigenen Karte registriert. Die Frauen in der Ausgabe kennen oftmals die Familien und wissen, was sie brauchen und mögen. Täglich im Einsatz Manche warten schon eine Stunde früher draußen. Doch Karin Becker, die zusammen mit Elisabeth Grüneböhmer, Simone Schulte und Ulla Rau vor kurzem die Organisation des Warenkorbes übernommen hat, öffnet die Türen nicht vor 14 Uhr. Geht auch nicht, denn heute sind die ehrenamtlichen Helfer schon seit 9 Uhr im Einsatz. Was man nicht vermutet: Die Helfer des Warenkorbs sind täglich im Einsatz. Sie holen Lebensmittel aus den Geschäften, sortieren sie und lagern sie für die nächste Ausgabe. Jeden Tag, jede Woche.

Vier Gefriertruhen und fünf Kühlschränke sind dabei eine unerlässliche Hilfe. Besonders Obst und Gemüse muss sofort aussortiert werden. „Viel ist es immer am Samstag“, sagt Elisabeth Grüneböhmer. Sie weiß, wovon sie spricht. „Gerade von den großen Geschäften wie Lidl, Aldi, Kaufpark und Edeka bekommen wir dann die Restware der Woche, und die muss sofort durchgesehen und richtig gelagert werden, damit wir sie am darauffolgenden Dienstag ausgeben können.“ Vom Empfänger zum Helfer „Wir holen die Lebensmitteln von 18 Geschäften, und die müssen natürlich sortiert werden“, erklärt Elisabeth Grüneböhmer. „Was nicht mehr verwendet werden kann, kommt sofort in den Abfall. Um an die Lebensmittel zu kommen, braucht der Warenkorb auch Fahrer, die die Ware in den Geschäften abholen. Vier Männer  und eine Frau sind da im Einsatz. Einer von ihnen ist Radiauje Tanic. Seine 75 Jahre sieht man dem Mann aus dem ehemaligen Jugoslawien nicht an. Seit zwei Jahren fährt er für den Warenkorb. „Am Anfang hat mir der Warenkorb geholfen, jetzt helfe ich dem Warenkorb“, grinst er mich an. Heute war er in Altenhundem in den Geschäften, die ihre Lebensmittel spenden.
Die ersten Kunden kommen in den Ausgaberaum. Hinter jedem Tisch steht eine ehrenamtliche Helferin. Jede von ihnen hat ein gewisses Sortiment unter sich, was nun verteilt wird. Dabei soll es gerecht zugehen, damit auch jeder etwas bekommt. Marlene Wilmes kann Geschichten erzählen: „Manche können alles gebrauchen. Die müssen wir wirklich bremsen und ihnen sagen, dass auch noch andere etwas haben wollen. Wir hatten auch mal einen Kunden, der kam mit der Lupe, um nach den Verfallsdaten auf den Verpackungen zu schauen. Der war allerdings nur einmal da.“ Überraschungsbesuch mit Geschenken Aber der größte Teil ist bescheiden und dankbar. Auch Kinder kommen mit. Für ein Mädchen gibt es einen großen Adventskalender, was ein Strahlen in ihr Gesicht zaubert. Überraschend kommen an diesem Tag auch Sarah Ditzel und Alexander Klement, Betriebsratsvorsitzender der Finnentroper Firma Faurecia, vorbei. Sie haben zwei Kombis voll mit Geschenken und einen große Palette voll Schokonikoläuse.

„Wir von der Belegschaft haben uns rund 45 Wunschzettel vom  Weihnachtswunschbaum geholt und die dortigen Kinderwünsche erfüllt“, sagen Ditzel und Klement. 189 waren es insgesamt. Alle Wunschzettel haben einen Paten gefunden. „Die Geschenke geben wir in der Ausgabe am 12. und 19. Dezember den Eltern mit“, erklärt Karin Becker. Über Schokolade zusätzlich freuen sich die Kinder immer. Planungen für die Weihnachtsausgabe Im Ausgaberaum reißt die Schlange der Kunden nicht ab. Frischer Spinat, Kürbis und Zucchini wechseln den Besitzer. Taschen füllen sich, Regale und Kisten leeren sich. Wer möchte, kann sich im Foyer noch mit Kaffee und Kuchen stärken, und auch ein kleines Schwätzchen gibt es gratis dazu. Karin Becker plant schon die Weihnachtsausgabe. Dann gibt es zusätzlich Kaffee, Kakao und Nutella. Auch Fleisch wird sie kaufen und verteilen. „Jeder möchte zu Weihnachten ein Festessen, auch bedürftige Menschen“, sagt Becker. Möglich wird das durch Spenden: „Mit denen kaufen wir auch die Grundnahrungsmittel zu.“ „Der Aufwand wird immer größer“ Ziel der Tafel ist es nicht, die Kunden komplett zu versorgen, sondern eine Entlastung zu schaffen, um die Lebensqualität der bedürftigen Menschen zu erhöhen. „Bei manchen ist am 15. noch verdammt viel Monat über“, sagt Becker.

Stunden später ist es geschafft. Am kommenden Dienstag bei der Zwischenausgabe wird wieder eine Traube vor der Tür stehen und auf die Ausgabe warten. „Irgendwann wird sich sicher auch mal die Frage stellen, ob man das alles noch ehrenamtlich stemmen kann. Der Aufwand wird immer größer, auch wenn wir ein tolles Team haben, das immer zur Stelle ist“, antwortet Karin Becker auf die Frage, wie der Warenkorb wohl in fünf Jahren aufgestellt sein wird, „Wir werden ja alle nicht jünger“, so die 77-Jährige.
Spendenkonto

Der Warenkorb benötigt immer Spenden, um Grundnahrungsmittel zu kaufen. Spendenquittungen werden auf Wunsch ausgestellt.

Empfänger: Caritas Konferenz Rönkhausen

Kontonummer: DE20 4606 2817 1200 9061 01.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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