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Finnentrop, Finnentrop-Heggen, 11. August 2015

Stefan Volpert wirft Bürgermeister Dietmar Heß gezielten Rausschmiss vor

Streit um verhinderten Wahlkampf beim Seniorenfrühstück

Fühlt sich ungerecht behandelt: Stefan Volpert.
Fühlt sich ungerecht behandelt: Stefan Volpert.
Der eine spricht von der „Demontage der Demokratie in Finnentrop“, der andere von Verwunderung und „einer Unmöglichkeit“. Der eine ist Stefan Volpert, unabhängiger Bewerber für die Bürgermeisterwahl in Finnentrop; der andere ist Dietmar Heß, Amtsinhaber seit 1997. Es geht um Wahlkampf – oder vielmehr um versuchten Wahlkampf und Verhältnismäßigkeit. Und zwar beim Seniorenfrühstück, das am Dienstagvormittag in der Schützenhalle Heggen stattfand.

Rund 120 ältere Einwohner der Gemeinde saßen beim Frühstück zusammen, unter ihnen Bürgermeister Dietmar Heß. Mit ihm an einem Tisch saßen außerdem Jochen Schäfer, 1. Vorsitzender des Schützenvereins, Pastor Jochen Andreas, und Monika Wiechers aus der Verwaltung, unter anderem für die Seniorenarbeit und die Organisation des einmal im Monat stattfindenden Frühstücks zuständig. Dann tauchte Stefan Volpert erstmals in der Halle auf. Mit Infomaterial zu seiner Kandidatur. Und ab diesem Zeitpunkt gehen die Schilderungen über die weiteren Vorfälle auseinander. Volperts Version Volpert behauptet auf seiner Facebook-Seite und im Gespräch mit LokalPlus, dass Dietmar Heß seine Anwesenheit erst als „Unverschämtheit“ bezeichnet habe. Ob eine „Gegenkandidatur möglicherweise Majestätsbeleidigung“ sei, fragt Volpert rhetorisch und sieht sich in der Opferrolle. Für ihn handle es sich bei dem Frühstück um eine öffentliche Veranstaltung. Die er nutzen wollte, um auch die älteren Mitbürger zu erreichen. Die, die den Wahlkampf nicht über das Internet und die sozialen Medien verfolgen. Er habe sich dennoch „freundlich zurückgezogen, um draußen zu warten und Flyer zu verteilen“ – nach einem kurzen Gespräch mit Jochen Schäfer. Der habe „keine Veranlassung gesehen, als Vorsitzender des Schützenvereins mir gegenüber von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen“. Heß´ Sicht der Dinge Laut Dietmar Heß habe sich Volpert einfach an den Tisch gesetzt und angefangen zu frühstücken – ohne sich vorzustellen. Und ohne vorherige Anmeldung. „Ich habe ihm gesagt, dass ich das unmöglich finde“, erklärt Heß auf Nachfrage von LokalPlus. Auch weil sich die Veranstaltung ausschließlich an Senioren aus der Gemeinde richte, die sich zwecks Planung vorab für das Frühstück anmelden. Weshalb von einer öffentlichen Zusammenkunft gar nicht die Rede sein könne. Und erst recht nicht von einer Bühne für den Wahlkampf. Heß will nach diesem kurzen Wortwechsel einen Fototermin wahrgenommen haben und betont, sich „nicht mehr aktiv mit Herrn Volperts Anwesenheit beschäftigt“ zu haben.
Bürgermeister Dietmar Heß.
Vielmehr habe sich der unabhängige Bewerber mittlerweile mit Jochen Schäfer unterhalten. Das bestätigt der 1. Vorsitzende des Schützenvereins Heggen gegenüber LokalPlus. „Ich habe Herrn Volpert erklärt, dass es sich nicht um eine öffentliche Veranstaltung handelt und – auf seine Nachfrage - auch bestätigt, dass es unangemessen ist, hier Flyer zu verteilen“, sagt Schäfer. Daraufhin habe Volpert gefragt, ob er sein Infomaterial nach dem Frühstück vor der Halle verteilen dürfe, und das Gebäude verlassen. Volpert spricht von Rauswurf, Heß von Hinweis Eine knappe Stunde will Volpert vor der Schützenhalle gewartet haben, ehe er erneut hineinging, um seine Flyer an die noch Anwesenden zu verteilen. Dann habe ihn Monika Wiechers „aus der Halle schmeißen lassen“. Volperts Vermutung: „Man möchte anderen Kandidaten keine Bühne bieten. Dabei war die Veranstaltung doch zu Ende.“

Dietmar Heß bestätigt, dass nun auch Monika Wiechers Volpert darauf hingewiesen habe, dass die Veranstaltung nicht als Plattform für Wahlwerbung missbraucht werden solle. Einen Rauswurf verneint Heß, ebenso wie den Sinn nach dem Frühstück: „Die Schützenhalle war doch schon zu mindestens drei Vierteln leer.“
Kommentar
Volpert schadet sich selbst

Von Sven Prillwitz

Auf seiner Facebook-Seite zeigt sich Stefan Volpert besorgt. Besorgt über den Zustand der Demokratie in der Gemeinde. Wegen des Umgang des Bürgermeisters mit einem Konkurrenten für die Wahl im September. Besorgt muss Volpert auch sein – allerdings wegen seines unbedachten Auftritts und des peinlichen Nachtretens.

Volpert versucht, sich als bürgernaher Kandidat zu inszenieren. Als ein solcher hätte es ihm gut zu Gesicht gestanden, sich vorab telefonisch für das Seniorenfrühstück anzumelden – so wie jeder andere Bürger auch. Einfach aufzutauchen und davon auszugehen, dass es sich um eine öffentliche Veranstaltung handelt, spricht gegen einen ernsthaften Bewerber. Einerseits weil die Verwaltung in den Nachrichtenmedien regelmäßig auf die Veranstaltung und die Notwendigkeit einer Anmeldung hinweist. Andererseits weil gerade ein „externer“ Kandidat – Volpert wohnt in Lennestadt-Bilstein – den Wählern vor der Stimmabgabe signalisieren sollte, sich in der Kommune und mit ihren Gegebenheiten auszukennen.

Mit einem Anruf bei der Verwaltung hätte Volpert außerdem offiziell anfragen können, ob er beim Frühstück überhaupt Wahlkampfwerbung verteilen und betreiben darf. Bei einem Nein hätte er die Teilnehmer nach der Veranstaltung ansprechen können, wie er es jetzt auch getan hat. Oder sich direkt Gedanken machen können, ob er die Senioren nicht mit einer eigenen, speziell auf diese Zielgruppe gemünzten Aktion oder Veranstaltung von seinen Qualifikationen und Vorhaben überzeugen kann.

Dass er die Schützenhalle aber noch ein zweites Mal betreten hat – auch wenn das Frühstück zu diesem Zeitpunkt beendet war –, legt indes den Verdacht nahe, dass Volpert den Konflikt absichtlich gesucht hat. Dass er sich als vermeintliches Opfer inszenieren will, als scheinbar unterdrückten Underdog. Sein effektheischender Facebook-Post bestätigt diesen Verdacht.

Und läuft seinem eigenen Wahlkampf-Motto „Ruhe im Stall“ zuwider. Wenn Volpert tatsächlich nichts mit alten Streitereien zu tun haben und für einen harmonischen politischen Umgang miteinander sorgen will, sollte er nicht künstlich für Unruhe sorgen. Mit seinem Auftritt in Heggen hat er genau das getan – und sich im Wahlkampf selbst geschadet. Und zwar völlig unnötig.

Ein Artikel von Sven Prillwitz

Bildergalerie: Streit um verhinderten Wahlkampf beim Seniorenfrühstück