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Finnentrop, Finnentrop, 27. Juli 2015

Finnentroper Metal-Fans rüsten sich für das Wacken-Festival

Nur die eigene Toilette fehlt

Ein Anhänger und der XXL-Grill: Hunger ist halt schlimmer als Heimweh - und beides kann man in Wacken nicht brauchen.
Ein Anhänger und der XXL-Grill: Hunger ist halt schlimmer als Heimweh - und beides kann man in Wacken nicht brauchen.
Fotos: Barbara Sander-Graetz
14 Toastbrote, zehn Packungen Käse, Senf, Grillwürstchen, reichlich Maggi-Würze, Fertigsuppen, Getränke und natürlich Chips und Schokolade: Nein, es ist kein Hilfstransporter für ein Krisengebiet, der am Samstag in Finnentrop beladen wurde. Es sind ein umgebauter Lkw und zwei Autos, in dem acht Jugendliche und junge Erwachsene alle Utensilien unterbrachten, die es braucht, um den einwöchigen Trip zum Mekka der Metal-Fans zu überstehen, dem schon legendären „Wacken Open Air“-Festival. LokalPlus hat die Fans der knallharten Klänge beim Einladen besucht.

In der Nacht von Sonntag auf Montag ging es los. Mit einem umgebauten Lkw und zwei Autos mit Anhänger machten sich Sarah, Victoria, Jessica, Frederik, David, Jeremy, Simon und Janina auf den Weg. Das Ziel: Wacken 2015. Die beschauliche Gemeinde Wacken im Kreis Steinburg ist ab der kommenden Woche wieder voll und ganz in Händen der Headbanger. Während des Festivals steigt die Einwohnerzahl Wackens von 1800 auf knapp 75.000.
Auf nach Wacken: In der Nacht auf Montag haben sich diese acht Finnentroper auf den Weg gemacht.
Darunter ist auch die Gruppe aus Finnentrop. Während manche schon mehrfach vor Ort waren, ist es für Victoria, Jeremy und Janina eine Premiere. „Aber da muss man gewesen sein“, sind sich die drei einig. Und die fünf, die schon mal da waren, wissen, worauf es ankommt: Richtige Musik und Camping. Die Musik ist vor Ort, das Equipment fürs Camping wird eingepackt. Aber Camping ist nicht gleich Camping. Das wissen die erfahren Wacken-Besucher.
Und so werden überlebenswichtige Dinge eingepackt: Zunächst der XXL-Grill. Man müsse ja eine Grundlage haben, bevor das eine oder andere Bierchen gezischt wird. Und damit die Hopfenkaltschale nicht lauwarm getrunken werden muss, nehmen die Finnentroper Trockeneis mit. Kühlung sei halt wichtig, weshalb auch ein eigener Gefrierschrank mit im Gepäck ist. Sicher ist sicher. Ein Generator für Gefrierschrank, Handys und Kochplatte Dazu kommt ein eigener Generator für den Strom. Sei es zum Aufladen der unzähligen Akkus der Handys oder zum Erhitzen von Wasser, denn Fertigsuppen schmecken nun mal nur bedingt mit kaltem Wasser. Und auch der erwähnte Gefrierschrank will schließlich Strom haben. Um die Unmengen an Getränken in Flaschen und Dosen zu kühlen. Der örtliche Supermarkt in Finnentrop kennt das Prozedere und hat die Bestellungen im Vorfeld gelassen entgegengenommen.
Auch die Bequemlichkeit kommt nicht zu kurz. Ein eigenes Sofa ist Pflicht - und manchmal auch Schlafplatz, wenn man es nicht mehr bis ins Zelt, ins Auto oder zum LKW schafft. Holz ist ebenso mit dabei. Aber nicht für den Grill, sondern als Baustoff: Denn die Finnentroper werden sich auf dem Campingplatz eine eigene Dusche zimmern. Nur eines fehlt noch für den absoluten Komfort: „Ein Dixieklo haben wir dieses Jahr nicht mit dabei“, so die Wacken-Fahrer.

Rund zehn bis zwölf Stunden an Fahrzeit sind angedacht. Und dann, kurz vor Wacken, treffe man sowieso auf den Straßen nur noch Menschen mit einem Ziel - und das eigentliche Festival beginne schon im Stau. Die Gruppe aus Finnentrop hofft, in diesem Jahr möglichst nah am Festivalgelände ihren Campingplatz zu bekommen. Immerhin sind sie nur die Vorhut. Am Mittwoch, wenn es offiziell losgeht auf dem Gelände, kommt der Rest nach. Auf die Metal-Party folgt die Regeneration „Es ist die tolle Atmosphäre in Wacken. Dass man mit dem Auto bis zum Campingplatz fahren kann, ist ein großer Vorteil“, erklärt Frederik, „bei ,Rock am Ring´ in Mendig dieses Jahr war man vier Kilometer vom Parkplatz entfernt. Über Schotterwege seine Sachen mit der Sackkarre zum Campingplatz zu bringen, das ist schon eine Zumutung“, sagt Frederik.

Sarah und Jessica freuen sich auf Musik, die „nicht immer Mainstream ist“, aber natürlich auch auf Größen der Szene wie „Dream Theater“ und „In Flames“. „Außerdem ist das ganze Drum und Dran in Wacken einfach klasse. Jeder in dem Ort zieht damit und alle sind eine große friedliche Gemeinschaft.“ Nach Wacken haben alle dann aber erst einmal Urlaub eingereicht. Aus gutem Grund: „Ohne Regenration geht dann nix mehr.“
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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