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Finnentrop, Finnentrop-Heggen, 3. Juli 2015

Bezirksregierung erläutert Unterbringung von Flüchtlingen in Jugendherberge

Notlösung für unvorhersehbare Situation

Die Jugendherberge in Heggen.
Die Jugendherberge in Heggen.
Foto: Barbara Sander-Graetz
„Es kommen Menschen zu uns und keine Monster“, sagte Bürgermeister Dietmar Heß am Donnerstagabend vor rund 350 Zuhörern. Und reagierte damit bei der Einwohnerversammlung in der Schützenhalle Heggen auf den einzigen Einwand gegen die temporäre Unterbringung von Flüchtlingen in der Jugendherberge des Ortes. Anwesend waren auch Vertreter der Bezirksregierung Arnsberg, die sich zu dem Notfallplan äußerten.

Dass die Asylsuchenden künftig in der Jugendherberge und damit direkt neben dem Kindergarten und der Schule leben, bereitete einem Einwohner Sorgen. „Die sind doch traumatisiert – und dann direkt neben unseren Kindern?“, fragte er. Heß verwies auf die 165 Flüchtlinge, die aktuell in der Gemeinde untergebracht sind und dauerhaft bleiben sollen: „Haben Sie davon schon mal etwas gemerkt?“ fragte Heß, der sich erneut für eine Willkommenskultur gegenüber den Flüchtlingen aussprach.

„Auch wir haben von dieser Zuweisung sehr kurzfristig erfahren und wollten auf jeden Fall vor dem Heggener Schützenfest eine Versammlung haben, damit nicht irgendein Halbwissen im Dorf kursiert“, begründete der Bürgermeister das kurzfristig auf die Agenda gesetzte Thema.
Warb für Verständnis und Willkommenskultur: Bürgermeister Dietmar Heß.
208 Menschen will die Bezirksregierung Arnsberg hier ab Oktober für vier Monate unterbringen. Danach nimmt die Jugendherberge den üblichen Betrieb wieder auf. Erst in der vergangenen Woche hatte die übergeordnete Behörde die Gemeinde Finnentrop angesichts des erwarteten weiteren Anstiegs der Flüchtlingszahlen von dem Plan mit der Notunterkunft in Kenntnis gesetzt (LokalPlus berichtete).

Die Fakten zur Unterbringung lieferte Hauptdezernent Thomas Sommer von der Bezirksregierung Arnsberg. Die deutliche Zunahme an Asylsuchenden und Flüchtlingen sei nicht absehbar gewesen. Bis zum Herbst muss die Bezirksregierung jetzt insgesamt 2000 Plätze für Menschen in Not bereitstellen. „Wir haben mit dem Deutschen Jugendherbergswerk, Landesverband Westfalen-Lippe und Landesverband Rheinland, gesprochen und um Hilfe gebeten. Im Winter sind die belegungsschwachen Zeiten, und wir haben daher von dieser Seite das Okay bekommen.“
Kriminaldirektor Peter Andres (links) und Hauptdezernent Thomas Sommer von der Bezirksregierung Arnsberg standen Rede und Antwort.
Die Vereinbarungen umfassen 13 insgesamt Jugendherbergen in Westfalen-Lippe und im Rheinland, davon sechs mit einer Festbelegung mit 896 Plätzen und sieben nochmals optional mit insgesamt 928 Plätzen. Generell seien Unterkünfte wie etwa ehemalige Kasernen rentabler, weil hier gleich bis zu 800 Personen einquartiert werden könnten. Weil die Bezirksregierung aber verantwortlich sei für Kosten und Logistik, müssten schnelle Lösungen her, so der Hauptdezernent weiter. „Was ist, wenn die rechte Szene hier aufmarschiert?“ Sorgen machten sich die Nachbarn der Jugendherberge in Heggen am Donnerstagabend bezüglich möglicher rechtsradikaler Umtriebe. „Was ist, wenn die rechte Szene hier aufmarschiert?“, wollte Gudrun Schneider wissen. „Im Gegensatz zu Orten im Ruhrgebiet ist das hier eigentlich ein weißer Fleck“, sagte Kriminaldirektor Peter Andres. Dennoch werde der Staatsschutz die Situation in Heggen beobachten.

Eine Nachfrage bezüglich der ärztlichen Versorgung deckte noch Handlungsbedarf von Seiten der Bezirksregierung auf. „Wir haben nur eine Praxis im Dorf, die jetzt schon oft ein volles Wartezimmer hat. Wer kümmert sich um die 208 Flüchtlinge?“, fragte ein weiterer Einwohner.
Vertraten das Jugendherbergswerk: Geschäftsführer Wolfgang Büttner, sein Stellvertreter Eckhard Westhelle und Dirk Müller, Herbergsvater von Heggen (von links).
Hier gestand Sommer ein Problem ein. Man stehe zwar zunächst für die ärztliche Grundversorgung ein, aber dann sei auch die hausärztliche Versorgung gefragt. „Vielleicht können wir da eine Kooperation mit dem benachbarten Ärzten in den umliegenden Krankenhäusern eingehen“, so seine Überlegungen.

Fest steht, die Flüchtlinge werden im Durchschnitt zwei bis drei Wochen bleiben, bevor sie den Ländern zugewiesen werden. Der Wechsel werde fließend erfolgen. „In Heggen selber wird keiner auf Dauer bleiben“, sagte Sommer.

Ulli Brömme, ehemaliger Major und Vorsitzender des Schützenvereins beendete die Diskussion mit einem Versprechen. „Wir hier sind gute Gastgeber“, sagte er.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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