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Finnentrop, Finnentrop-Heggen, 30. November 2015

Nigerianisches Paar bringt Baby in Attendorn zur Welt / Taufe in der Pfarrkirche

Monatelang schwanger auf der Flucht

Die glücklichen Eltern Christa und Chris.
Die glücklichen Eltern Christa und Chris.
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Eine besondere Taufe fand am Sonntag, 29. November, in der St. Antonius Pfarrkirche in Heggen statt: Pastor Jochen Andreas taufte Grace Caroline Christ, deren Eltern aus Nigeria stammen. Sie mussten aus ihrer Heimat flüchten, sind derzeit in der zur Notunterkunft umfunktionierten Jugendherberge in Heggen untergebracht und bemerkten die Schwangerschaft erst auf der Flucht.

Nicht nur die anderen Afrikaner, die zurzeit in der Jugendherberge wohnen, waren gekommen, auch einige Gemeindemitglieder aus Heggen wohnten der Taufe bei. Für die Eltern Christa und Chris ein besonderer Moment, denn ihre Flucht hatte unter erschwerten Bedingungen stattgefunden.

Der Vater der 23-jährigen Christa gehört in Nigeria der Opposition an. Das sei mit einem Anschlag auf sein Haus und seine Familie quittiert worden, erzählt Paul van Maldegem, Einrichtungsleiter der Jugendherberge und zugleich Grace Carolines Pate. „Die Familie ist dann geflohen, viele innerhalb von Nigeria. Christa und ihr Mann Chris hingegen haben sich auf den Weg nach Europa gemacht“, erzählt van Maldegem. Ankunft in Italien Was das Paar zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Christa war zum Zeitpunkt der Flucht schon schwanger. Das hätten sie aber erst auf den Weg durch Afrika festgestellt, als es kein Zurück mehr gab. „Die beiden sind wie viele andere mit einem Boot über das Mittelmeer gekommen und in Italien gestrandet“, so van Maldegem. Hier sei Christa zwar kurzzeitig in einem Hospital betreut worden, aber „die waren dort von den ganzen Flüchtlingen völlig überfordert“, sagt van Maldegem. Daher hätten sich Christa und ihr Partner dazu entschlossen, weiter nach Deutschland zu fliehen.

Weil die 23-Jährige mittlerweile hochschwanger war, seien beide in ständiger, in wachsender Sorge um die Gesundheit des ungeborenen Babys gewesen. „Sie haben mir erzählt, dass sie fast den gesamten Weg gelaufen sind. Nur ab und zu durften sie in einem Auto mitfahren.“ Anfang November kamen sie schließlich zur österreichisch-deutschen Grenze. „Dort bekamen sie zwei Plätze in einem Bus und sind schließlich in Heggen angekommen“, sagt van Maldegem. Ein bisschen mehr Privatsphäre Zwei Wochen später, am 15.November, erblickte Grace Caroline Christ im Attendorner Krankenhaus das Licht der Welt. „Mutter und Tochter waren sehr schwach. Die Strapazen einer acht Monate langen Flucht hatten ihre Spuren hinterlassen.“ Paul van Maldegem ist noch immer tief betroffen. „Nach dem Krankenhausaufenthalt ist sie nun wieder in Heggen. Die Familie bewohnt dort ein Familienzimmer und hat somit auch die Möglichkeit auf eine Privatsphäre, die es in vielen provisorischen Unterkünften nicht gibt. Hier tun alle alles, damit es der kleinen Familie gut geht. Alle sorgen ganz besonders für sie.“ Und auch für die Zukunft der kleinen Familie setzt sich Paul van Maldegem ein. „Ich mache diesen Job schon seit einigen Jahren und weiß, welche Möglichkeiten es gibt.“ Für Christa, Chris und Grace Caroline Christ versucht er zurzeit einen Platz in einem Junge-Familien Projekt zu bekommen. Das bedeutet allerdings der Umzug nach Köln oder Dortmund. „Aber da leben sie mit andern kleinen Familien zusammen, die ein ähnliches Schicksal erfahren haben. Sie haben ihre eigene kleine Wohnung und werden fachkundig betreut und unterstützt.“

Unterstützung gab es auch von der Heggener Kirchengemeinde nach der Taufe. Alle waren zum Taufkaffee ins benachbarte Pfarrheim eingeladen. Ein Geschenk gab es natürlich auch noch, wie es sich für eine Tauffeier gehört.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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