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Finnentrop, Finnentrop, 26. November 2015

Künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht

Sami Geberemariam und die achtjährige Arijona bei der Ausstellungseröffnung.
Sami Geberemariam und die achtjährige Arijona bei der Ausstellungseröffnung.
Von Barbara Sander-Graetz
Zusammen mit dem afrikanischen Künstler Sami Geberemariam stellen Kinder des „kinder-jugend-& kulturhauses“ derzeit Bilder und Collagen zum Thema „Flüchtlinge und Krieg“ im Foyer des Finnentroper Rathauses aus. Am Mittwoch wurde die Ausstellung eröffnet.

„Für die Kinder und Jugendlichen war es auch eine ganz neue Erfahrung, die Tragik in der Geschichte eines Flüchtlings nicht aus dem Fernsehen oder Internet, sondern live zu erfahren“, so Michael Hunold, Leiter des kjk-Hauses. Bei der Ausstellungseröffnung, die noch bis zum 2. Dezember im Rathaus zu sehen ist, begrüßte auch Bürgermeister Dietmar Heß neben Sami Geberemariam auch die Vertreter des kjk Hauses und freute sich, den großen und kleinen Künstlern hier einen Raum für ihre Bilder geben zu dürfen.

„Kinder sollen mit dieser Ausstellung eine Stimme bekommen“, erklärte Monika Holthöfer vom kjk-Haus. „Das Flüchtlingsthema hat unsere Kinder sehr beschäftigt, und so haben wir verschiedene Aktionen gestartet.“ Im September fand ein „Internationaler Tag des Friedens“ statt. Unter der Überschrift „So wünsche ich mir die Welt“ malten die Besucher der Jugendeinrichtung Bilder zum Thema. Unterstützt wurden sie dabei von Geberemariam, der selbst auf eine Fluchtgeschichte zurückblickt. Auch Bilder aus Aktionswoche Außerdem werden im Rathaus Bilder gezeigt, die die Kinder und Jugendlichen während der Aktionswoche „Kinder helfen Kindern“ zur aktuellen Flüchtlingsthematik erstellten. Eines der Mädchen, die hierfür zu Papier und Stift gegriffen haben, ist die achtjährige Arijona. Ihre Eltern sind vor über 20 Jahren vor dem Balkankrieg geflohen. Arijona kennt den Krieg nur aus Erzählungen ihres Vaters, doch er ist ein Teil ihrer Familiengeschichte. Eine ganz andere Geschichte hingegen hat Sami Geberemariam, der Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen in einem Malkurs immer dienstags von 15 bis 17 Uhr im kjk-Haus die Ausdrucksform des Malens näher bringt: Er lebte in Eritrea/Äthiopien von seiner Kunst. Dort besaß er eine kleine Galerie und verdiente damit seinen Lebensunterhalt. Doch 2009 floh er vor dem Regime über den Sudan in die Türkei und von dort mit dem Boot nach Griechenland und weiter nach Deutschland. Zwei Jahre war er unterwegs. Künstler bietet Workshops an Seit vier Jahren lebt Geberemariam nun in einer Asylunterkunft und tut alles, was ihm möglich ist, um sein Leben im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften für Asylbewerber zu gestalten. Er absolvierte erfolgreich mehrere Deutschkurse. In seiner Freizeit malt er. Darüber hinaus betätigt er sich ehrenamtlich, indem er in Workshops Kinder und Jugendliche künstlerisch fördert.

Bekannt wurde er in der Region durch eine eigene Ausstellung im Grevenbrücker Ess-Bahnhof. Als nächstes Projekt ist ein Kochkurs für Kinder und Jugendliche geplant, der am 1. Dezember starten und jeweils von 17 bis 19 Uhr im kjk-Haus stattfinden soll. Mit Lebensmitteln aus dem benachbarten Supermarkt sollen dann afrikanische und deutsche Gerichte gekocht werden.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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